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Eigenbau - Linus Thinline Model.

Linus Guitars Thinline
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Thinline Paula
Fabrikat: Linus Eigenbau
Model: Sweetheart
Typ: Hollowbody Electric
Mensur: 62,4 mm – 24,5″
Hals: Riegelahorn, dreiteilig, geleimt
Griffbrett: Wenge, 12″ Radius, 22 Bünde
Halsbreite: Sattel 43,2 mm – XII.53,0 mm
Sattel: Bones
Inlays: Perlmutt am 12. Bund
Korpus: Ahorn
Top-Back: Riegelahorn Bookmatched mit dreifach Binding
Tonabnehmer: P-90 Chrom Cover
Hals: 7,33 kOhm, (AWG42 – 9500 Wicklungen CW)
Handgewickelt und im Paraffin-Wachsbad getränkt.
Bridge: P-90 Stack von Seymour Duncan 8,33 kOhm
Schaltung: 1 x Volumen, 1 x Ton, 3-weg Schalter
Hardware: Verchromt
Tuner: Gotoh Large-Schaller-style-Knob
Bridge: Gotho Tune-o-matic Bridge
Stopbar: Gotho Aluminium Stop Tailpiece
Strings: Dean Marcley CL 09-46
Seitenlage: 1. Bund Low E-015 High E-010
12. Bund Low E-050 High E-038

Nun ist es wieder so weit und ich kann mein neuestes Projekt vorstellen.
Dieses Model liegt mir ganz besonders am Herzen, da ich meinem eigentlichen Ziel ein ordentliches Stück näher gekommen bin.

Das Model selbst ist wohl eine Mischung aus einer Supreme, Florentine und Es-Modellen. Beim genaueren Betrachten wird man aber deutlich erkennen können, dass es sich nur um eine Anlehnung an diese eben genannten Gitarren handelt, da schon Materialwahl und Bauart unterschiedlich sind.

Der Bau selbst lief wider meinen Erwartungen völlig locker und problemlos ab.
Wie auf den Bildern zu sehen ist (und dieses Mal kann ich Euch dank Niels sehr viele aus der Bauzeit zur Verfügung stellen), bin ich einen völlig anderen Weg gegangen, was Modell, Verarbeitung und Materialwahl betrifft.

Body:
Das Material ist bei diesem Modell Europäischer Ahorn. Der Boden und das Top sind aus Riegelahorn und auch die Rückseite ist mit einer Wölbung – exakt passend zum Top – versehen.
Der Korpus wurde, wie auf den Bildern zu sehen ist, sorgfältig ausgehöhlt.
Bei den meisten Thinline-Modellen, die ich gesehen habe, war das Top sehr dick.
Um das zu vermeiden, habe ich den Boden und die Decke auch innen ausgehobelt, so dass ich bei den F-Löchern eine Archtop-artige Deckenstärke erreicht habe. Selbstverständlich liegen die Decke und der Boden völlig eben auf dem Soundblock auf und sind mit diesem lückenlos verleimt.
Um das umzusetzen, konnte ich den Boden und die Decke erst nach deren Verarbeitung aufleimen, was mir neue Möglichkeiten aufgezeigt hat und mich meiner ersten Jazzgitarre ein großes Stück näher gebracht hat. Die F-Löcher sind mit einem Einfach- und der Body ist hinten und vorne mit einem Dreifach-Binding versehen. Dadurch ergibt sich von der Seite betrachtet eine sehr schlanke Form.

Hals:
Der Hals wurde dieses Mal in drei Teilen (wie bei sehr vielen Archtop-Gitarren üblich) gemacht. Das verwendete Material ist Ahorn und dazwischen sind Streifen aus Wenge.
Das Griffbrett hat den von mir bevorzugten 12″-Radius und ist auch aus Wenge.
Dazu kommt noch ein Einfach-Binding.
Ziel war es, die Optik so unspektakulär wie möglich zu halten, um die zusätzlichen Extras wie F-Löcher, Bindings, gesperrten Hals, Top und Rücken in geshapter Form und die verchromten P90 besser zur Geltung kommen zu lassen.
Deshalb habe ich auch auf ein mit Inlays übersätes Griffbrett verzichtet und mich für nur eine Markierung im 12. Bund entschieden.
Dazu mein bevorzugter Burst-Farbton, der das angestrebte Konzept abrundet. (Bei den nächsten Gitarren mache ich dann mal was anderes)

Finish:
Das Finish ist wieder UP-Lack und dieses Mal wurde die Gitarre „geschwabbelt“.
Meister Edwin hat die Poliermaschine organisiert und ich die Scheiben und das Poliermittel.
An dieser Stelle ein Danke an Paul von Musik Hinteregger in Wolfurt.
Er hat Edi die Maschine geschenkt.
Mir ist diese Methode noch nicht ganz geheuer, aber sie ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.
Man hält es kaum für möglich, aber es sind trotz Internet kaum brauchbare Informationen über das Finish für Gitarren zu bekommen. Zumindest nicht über das, was wirklich wichtig ist. Die Gitarrenbauer und große Firmen geben absolut nichts preis und das, was sie an Information zur Verfügung stellen, ist leider nur die halbe Miete. Irgendwie ist das ja verständlich. Bleibt aber zu bedenken, dass die Informationen erst mal umgesetzt werden müssen, und deshalb verstehe ich die Geheimniskrämerei nur bedingt. Nichtsdestotrotz wird weiter gemacht und es wird von Gitarre zu Gitarre noch besser.
Ich möchte noch kurz erwähnen, dass ich für dieses Finish ca. 22h gebraucht habe und davon sicherlich 16h mit Schleifen verbracht habe.
Das Schleifen ist ein mühsamer, aber wichtiger Teil um eine saubere Fläche zu erlangen. Nur wenn der Schliff gut ist, kann das Polieren den gewünschten Erfolg bringen. Nach dem Schwabbeln ist ein letzter Poliergang mit der normalen Maschine ratsam um die Schleifspuren der Schwabbelscheiben zu entfernen. Also ihr seht schon, man kommt um die schweißtreibenden Arbeiten nicht herum.

Elektronik:
Bei den Pickups handelt es sich um zwei P90. Auch diese sind natürlich handgewickelt.
Die Herstellung von Pickups habe ich bereits in einer meiner Galerien dokumentiert und deshalb gehe ich nicht mehr näher darauf ein.
Die technischen Werte sind bereits oben angegeben.

Bauzeit:
Die gesamte Bauzeit dieser Gitarre betrug ca. 100 Stunden. Davon wie bereits erwähnt etwa 22 Stunden fürs Finish und der Rest für Holzarbeit Bundierung, Pickup-Herstellung und Elektronik.
Am meisten Zeit nimmt aber der Abschnitt in Anspruch, während dessen die Gitarre nach dem Lackieren rastet, um den Lack vor dem Polieren einfallen zu lassen.
Zu dem Zeitpunkt ist sie eigentlich fertig und man kann es kaum erwarten (ist aber nötig, wenn man ein professionelles Ergebnis erzielen will) die Gitarre zu komplettieren.

Zur Überbrückung dieser Zeit habe ich mit den nächsten Gitarren begonnen, um das bereits Erlernte ordentlich zu festigen und mit der Bauart der Les Paul-Modelle etwas zu experimentieren. Mehrfach-Binding hinten und vorne, am Griffbrett, neue Kopfplatte und so weiter.
Was dabei heraus gekommen ist, gibt es dann in den nächsten Monaten zu sehen.

Sound:
Was soll ich als Erbauer schon sagen?
Ich habe mehrere Verstärker und zu meiner Verwunderung harmoniert die Thinline Paula perfekt mit dem Fender Blues Deville. Der Neck Pu erzeugt einen wunderschönen, glockenklaren Sound und verzerrt schiebt es ganz kräftig. Mit dem Steg Pu bin ich noch nicht ganz glücklich, da er etwas brummt. Ist halt ein Single Coil und das werde ich noch ändern.
Ich baue mir da noch was ganz Spezielles für mein Schätzchen.
Ich denke, dass es verdammt schwierig ist objektiv zu bleiben und mit Soundbeispielen auf YouTube ist das auch so eine Sache. Die Soundqualität variiert je nachdem, über was man sich das File dann anhört, von gut bis saumäßig.
Werde aber noch was nachreichen um das Teil auch hörbar zu machen.
Auf dieser Plattform sind einige sehr kritische und sachkundige Zeitgenossen, deren Urteil ich meine Arbeit gerne unterziehen würde.
Ich denke, ich werde mal nach freiwilligen Guitarmaniacs suchen, die Lust haben eine meiner Gitarren zu testen, und mir dann Feedback geben.
Dauert aber noch ein wenig, denn eine Gitarre für diesen Zweck muss ich erst noch bauen.
Bis dahin lass ich mir die diesen Versuch nötige Logistik durch den Kopf gehen.

Jetzt kommt erst mal der Sommer. Ruhe und das eine oder andere Open Air, Baden, Grillen, Wandern,...
Und dann sollte endlich meine erste Stratocaster kommen, ein Bass für meinen Sohn Daniel, eine Benedetto Cremona, eine ES335, eine...!!!
Ihr seht schon, da kommt wohl noch einiges.
Dauert aber noch ein wenig, denn zwischen all den Gitarren muss ich noch arbeiten und Geld verdienen. Mal ganz abgesehen von all den anderen schönen Dingen im Leben.

Das Model „Sweetheart“ widme ich meiner Frau.
Danke für das Zuhören, deine Begeisterung für meine Arbeit und die vielen Jahre, die wir zusammen sind.

In diesem Sinne wünsche ich allen Guitarmaniacs einen heißen, mit Musik erfüllten Sommer.


Linus Guitars


Nachtrag vom 25.7.09

Nachdem ich mit dem Sound ja, wie bereits berichtet, nicht zu hundert Prozent zufrieden war,
habe ich mir einen Seymour Duncan P-90 (Humbucker) besorgt und eingebaut. In diesem Zuge habe ich dann auch den Hals Pu gegen einen P90 von Gibson ausgetauscht und alles wieder in Betrieb genommen.
Arbeiten:
Das hätte ich eigentlich besser gelassen!
Der Seymour Duncan bringt nicht ganz das Ergebnis, das ich mir erwartet habe.
Was aber viel extremer zu Buche schlägt, ist der Hals Pu von Gibson. Das geht überhaupt nicht!
Er klingt im Vergleich viel zu hart und laut. Das passt nicht zu dieser Gitarre und schon gar nicht zu meinen Vorstellungen, wie der Sound sein sollte. Im Clean-Betrieb entwickelt er kaum Raum und ist im Vergleich mit dem Model, das zuvor seine Dienste geleistet hat, unbrauchbar.
Also das Ganze noch einmal.
Hals Pu wieder raus und den handgewickelten rein. Den SD habe ich gelassen, da das ungeliebte Brummen wenigstens nicht da ist, und somit erfüllt er auch seinen Zweck.

Fazit:
Im Nachhinein würde ich die erste Bestückung als die optimale bezeichnen. Als ich das Instrument gebaut habe, dachte ich an Blues und Jazz, was die Richtung für die Gitarre sein sollte. Wie Sie dann fertig war, kam dann doch der Rocker in mir durch, und ich hätte gerne auch noch die härtere Gangart abgedeckt.
Man kann sie sich zwar wünschen, die
GOLDENE EIER LEGENDE WOLLMILCHSAU,
aber bekommen wird man sie wahrscheinlich nicht.
(Das habe ich auch vorher schon gewusst, aber...)
Das Ergebnis der Nachbesserungen ist aber mehr als ein Kompromiss. Klang und Funktionalität sind gekoppelt und das war die Absicht.

Nun widme ich mich wieder meinem neuen Projekt, denn das mit dem Sommergenießen soll irgendwie nicht sein. Dafür gibt es vielleicht schon bald meine Erste 17″-Archtop hier zu sehen.
Bis dahin grüße ich Euch und wünsche noch einen SCHÖNEN Sommer!
LG.

Update am 28.8.09
Nachdem es nun möglich ist, die Fotos im Großbildmodus zu präsentieren, habe ich mich entschlossen die Bilder der fertigen Gitarre mit dieser Option zu versehen. Ich bitte um Verständnis, dass ich die Fotos vom Bau nicht neu hochgeladen habe, da es doch sehr viele sind.
Gruß an alle Guitarmaniacs. LG.

Update vom 21.9.09
Habe es nun doch noch hinbekommen, im Urlaub meine Homepage zu erstellen. Die Seite soll Informationen und Anregungen für Interessierte im Gitarrenbau bieten. Selbstverständlich werden aktuelle Arbeiten bereits während der Bauphase zu sehen sein und mit Bild und Text näher gebracht.
Fertig wird man bei so einer Seite ja nie und deshalb könnt Ihr bei Interesse unter www.linus-guitars.com mal reinschauen.
Adresse findet Ihr sonst auch in meinem Profil.
Ach ja, bei den Guitarmaniacs bleibe ich natürlich trotzdem, denn das ist eine räudige Familie.
Liebe Grüße an alle Gitarrenfreunde.



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Hier ist im vergrößerten Modus gut zu sehen, wie die Lackierung vor der Endverabeitung aussieht. Damit das Finish so aussieht, wie auf den unten folgenden Bildern, ist noch sehr viel schleif und Polierarbeit nötig. Großes Bild anzeigen (756 x 1006 Pixel, 196 KB)

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