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Hier würde eigentlich ein Verweis auf die bereits präsentierte JOHNSON JP-LP-DS-T 20th Anniversary Edition (she. dort) reichen, was ich grundsätzlich auch empfehle. Im Grunde tun sich beide nämlich nichts oder besser nicht viel. Da partiell andere Hölzer verwendet wurden, klingt die Neuauflage des Jubiläumsmodells eine Nuance knackiger, einen Tick höhenreicher. Viel ist es jedoch nicht. Die 20th Anniversary klingt dafür einen Tick voller, kommt etwas mehr aus dem Keller. Mag dies an 255 Gramm weniger Gewicht liegen? Ich weiß es nicht. Eigentlich ist der Gewichtsunterschied noch ein bisschen größer, denn die JP-LPD-SB hat massive Metallknöpfe auf den Potis sitzen, die nicht unerheblich mehr Gewicht auf die Waage bringen, als die Speed-Knobs des Vorläufermodells.
Wie gesagt, viel Unterschied im Klang ist da nicht. Bestenfalls eine Nuance.
Auffälligster Unterschied im Originalzustand sind die Decken und die Kopfplatte. Der optische Rest ist identisch.
Die Deckenausführung auch der Neuauflage machte es mir dennoch nahezu unmöglich, der Versuchung zu widerstehen. Bei so etwas stellt sich unweigerlich dieser ´Wow-Effekt´ ein, der immer beschworen wird, wenn man den Koffer einer PRS aufmacht. Diese Decke, diese Tiefe, diese Farbe, diese Liebe zum Detail. Sowas von GIBSON und der Luxusurlaub für die nächsten paar Jahre ist Geschichte. Das ist weder Studio noch Classic noch Standard, das ist Custom. Bzw. das war Custom, denn auch dieses Modell baut JOHNSON so nicht mehr. Es war lediglich noch eine schwarze Version lieferbar.
Zwischenzeitlich hat der hiesige Vertrieb A.M.I (ehemals American) Musical Instruments mit Sitz in München) ein 25th Anniversary-Modell auf den Markt gebracht, welches optisch zwischen der JP-LP-DS-T 20th Anniversary und dem hier präsentierten Modell angesiedelt ist. Ferner ist der Hals-Korpus-Übergang (dazu später mehr) beim 25th Modell mehr an das Original angelehnt.
JOHNSON hatte sein Programm insgesamt drastisch abgespeckt. Schade eigentlich. Mittlerweile kann ich hinter jeder JOHNSON meiner Sammlung „nicht mehr lieferbar“ vermerken. Das hat auch was, jedenfalls für diejenigen, die das haben, was nicht mehr lieferbar ist.
Optisch kommt die Neuauflage (ich bin fast geneigt vom kurzfristigsten Reissue aller Zeiten zu sprechen, wobei EPIPHONE mit der Firebird Studio eine ähnlich grandiose Glanzleistung im negativen Sinne (also eher suboptimal) hingelegt hat) zwar ein wenig bescheidener daher - kein 20th Anniversary-Hinweis auf der Kopfplatte, der JOHNSON-Schriftzug wesentlich dezenter, dafür aber um Längen gefälliger (beides gefällt mir persönlich besser), das zwischen Quilted- und Curly-Maple angesiedelte Echtholzfurnier längst nicht so ausgeprägt wie bei der 20th Anniversary. Doch dafür sind die Abalone-Applikationen am Deckenrand, am Griffbrett und an der Kopfplatte sowie die Bundmarkierungen absolut identisch. Weniger edel auch die Aufnahme der Klinkenbuchse. Beim Jubiläumsmodell ist die Platte oval und aus „vergoldetem“ Metall. Beim Nachfolgemodell ist sie quadratisch und aus schwarzem Plastik. Da hat man sich wieder näher an das Original von GIBSON rangewagt. Sehr mutig.
Wie ihre Jubiläums-Schwester macht die JOHNSON JP-LPD-SB optisch unwahrscheinlich viel her, was sich im Klang fortsetzt.
Wer der Ansicht ist, dass eine GIBSON aus der zwei- bis dreitausend-Euro-Klasse preiswert im Sinne von ihren Preis wert ist, der kann bei der JOHNSON nur zu einem Ergebnis kommen – zu preiswert. Meine GIBSON Les Paul Deluxe, mit der ich sie verglichen habe, nimmt ihr klanglich nicht ein Gramm Butter vom Brot. Das spricht jetzt keinesfalls gegen die GIBSON, sondern nur für die JOHNSON.
Da aber kaum jemand auf die Idee käme bspw. einen MAZDA 6 mit einem S-Klassen MERCEDES BENZ zu vergleichen (wobei der MAZDA gar nicht mal so schlecht weg käme) wäre ein direkter Vergleich der beiden JOHNSONs wesentlich aussagekräftiger.
Wie eingangs erwähnt, tun sich beide Aspiranten klanglich nichts und im Vergleich zu einer GIBSON Les Paul Deluxe muss man ihr eigentlich Bestnoten geben, wollte man die GIBSON nicht diskreditieren. Mit einem Set ausgesuchter Pickups der Premiumklasse würde man ein absolutes Sahneteil kreieren, das sich hinter keiner Edelgitarre verstecken muss, da bin ich mir mehr als sicher.
Ebenso sicher bin ich mir, dass einige nur noch über die Schiene der Verunglimpfung und Abwertung die Distanz zu ihren Top-Class-Klampfen aufrecht erhalten können. Dabei ist mir sehr wohl klar, dass Edelhölzer und ein Mehr an Handarbeit ihren durchaus berechtigten Preis haben. Alleine darum geht es aber nicht immer. Primär ist ein für mich befriedigendes Klangergebnis gepaart mit einem angenehmen Handling und einer gediegenen und ansprechenden Optik ausschlaggebend und auf diesem Sektor hat mich bislang noch keine JOHNSON enttäuscht. Bei den Luxusteilen erwarte ich nicht ein Tausendstel weniger an Klang, Spielkomfort und Qualität, als das, was ich für den bisweilen exorbitanten Preis geboten bekomme. Alles andere wäre ein nicht akzeptables Zugeständnis zugunsten der Low-Budget Gitarren. Man sollte ruhig beides haben und mal direkt miteinander vergleichen, auch auf die Gefahr hin, dass der Test (erwartungsgemäß) zugunsten der High-Class-Gitarre ausfällt. Das wird erfahrungsgemäß aber kaum analog der Preisdifferenz ausfallen. Will heißen: kaum eine Gitarre ist um den Faktor besser, um den sie teurer ist. Jedenfalls kann ich das für meine Gitarren so stehen lassen und mein Preisspektrum reicht von 41,- Euro bis hoch zu über 4.000,- Euro. Vielmehr kommen die preiswerten Gitarren im Vergleich zu den Nobelhobeln immer besser weg. Schlechte Gitarren gibt es eigentlich nicht mehr. Ungeachtet dessen wäre eine schlechte GIBSON allemal trauriger als eine schlechte Nullachtfuffzehn.
Um die JP-LPD-SB noch ein wenig mehr von ihrer Schwester abzuheben und ihr darüber hinaus ein wenig mehr Glanz zu verpassen, habe ich die Schlagplatte entfernt. So kommt die schöne Decke besser zur Geltung kommt. Dafür hätte sich im Prinzip die 20th Anniversary Edition fast noch besser angeboten, aber die wollte ich unter allen Umständen so belassen, wie sie der Hersteller anlässlich des Jubiläums gebaut hat.
Desweiteren wurden die zylindrischen Plastik-Speed-Knobs (Potiknöpfe) a la GIBSON Les Paul Custom durch vergoldete Metallknöpfe mit Seitenriffelung ersetzt. Das sehe ich weniger unter dem Aspekt „verbesseren“ als vielmehr unter dem Apsekt „einfach anders“. So einfach ist das.
Die Knöpfe für die Gurtaufnahme wurden durch SCHALLER Securiry-Locks ersetzt.
Was jetzt noch ansteht sind wie gesagt neue Pickups, wobei ich die PU-Kappen gerne weiterhin in Gold belassen würde. Hier bietet sich bspw. der SEYMOUR DUNCAN SPH90-1 phat cat (ein P-90 PU im Humbucker-Format) als aufeinander abgestimmtes Set (also brummfrei) an. Die Gitarre sähe grundsätzlich nicht anders aus als jetzt, würde aber mit Sicherheit total anders klingen und sich somit letztlich auch klanglich von ihrem Vorläufer abheben. Ein akustischer Gewinn.
Alternativ könnte man auch über einen Humbucker an der Bridge nachdenken und diesem gleich ein Splitting verpassen. Diese Lösung würde ich fast noch bevorzugen.
Damit nicht genug. Das Tailpiece würde ich gerne durch ein Tailpiece mit Feintunern so wie bei der GIBSON bzw. EPIPHONE B.B. King Lucille ersetzen.
Für die Mechaniken habe ich mir SCHALLER M6L 2010 Klemmmechaniken ausgeguckt (wenn die Bohrungen übereinstimmen). Aber so oder so ähnlich könnte die JOHNSON JP-LPD-SB irgendwann mal ausschauen. Dann gäbe es wieder was zu berichten.
Für beide JOHNSONs gilt: je lauter der Amp gefahren wird, desto besser kommt ihr wahrer Charakter zur Geltung. Beide Gitarren klingen gut und auch bei der Neuauflage kann man sich über das Preis-/Leistungsverhältnis nur wundern.
Warum also zusätzlich noch das Nachfolgemodell ohne bemerkenswerte Extras und/oder Änderungen? Zumal ich an anderer Stelle die hypothetische Frage, ob ich mir nur wegen einem anderen Finish die gleiche Gitarre noch mal kaufen würde, mit ´Nein´ beantwortet habe. O.k., da hab ich gelogen bzw. wusste es zum Zeitpunkt der Äußerung nicht besser. Die Antwort muss nämlich ´Ja´ lauten und lässt sich auch ganz einfach begründen: weil ich es schön finde, weil ich es mag, weil ich mich nur schwer oder gar nicht entscheiden kann.
Warum kauft sich jemand verschiedene Les Pauls? Der Initiator der Guitarmaniacs Homepage hat es mal treffend so formuliert: Hat man eine, will man eine weitere. Auch da stimme ich mit ihm 100 % überein. Das gilt zwar nicht unbedingt für jede Gitarre, zu der es weitere, ähnliche gibt, aber doch für die, die man persönlich sehr mag. So kam ich neben diversen Gitarren vornehmlich der Bauart, Stratocatser, Telecaster, Les Paul und ES eben auch zu dieser JOHNSON, deren die ihr entgegengebrachte Kritik ich auch bei Ausschöpfung all meiner Toleranz für andere Meinungen beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Hier kann ich nur eine sinngemäße Empfehlung aus einem Fachmagazin wiedergeben, die ich mir zu eigen gemacht habe und die da lautet: beurteile eine Gitarre nie, bevor Du sie nicht gespielt hast oder frei nach einem Titel der Yardbirds: „you can´t judge a book just by look at the cover“. Man kommt bisweilen aus dem Staunen nicht mehr raus und muss einige seiner Vorurteile über Bord werfen oder seine Meinung komplett revidieren.
Dennoch will ich mit Kritik nicht sparen. Dass JOHNSON kurz nach Einführung des 20th Anniversary-Modells dieses Modell auf den Markt brachte, war sicher kaum im Sinne all derer, die das als limitiert angepriesene Jubiläums-Modell erstanden haben. Letzteres war 1.) teurer als die Neuauflage, hat dafür 2.) aber auch die ausgeprägtere und damit schönere Decke aus Echtholzfurnier. Da ändert auch der Umstand nichts, dass das Jubiläumsmodell zweifelsfrei als ein solches ausgewiesen wird. Die Ähnlichkeit beider Gitarren ist einfach zu groß und zu offensichtlich. Von daher war diese Aktion strategisch eher ein Griff ins Klo. Mit dem 25th-Jubiläums-Modelle hat man sich irgendwie zwischen die Stühle gesetzt, andererseits aber auch all denen, die damals nicht zugeschlagen haben oder zu spät kamen eine neue Chance gegen.
Trotzdem erfreue ich mich an dem Nachfolgemodell nicht zuletzt auch wegen der Möglichkeit, mich hier mal experimentell ein wenig austoben zu können. Wir werden sehen.
Irgendwann speckte A.M.I. das JOHNSON-Sortiment drastisch ab, um kurze Zeit später mit einer überarbeiteten Produktlinie zu glänzen. Einige wirklich gute Modelle wie bspw. die JP-WF-IV, JP-TH-SS oder die JP-PRD-SB flogen ganz aus dem Programm. Andere, wie bspw. die JP-AT-SB wurden modifiziert/gechoppt und mit neuem Namen (JP-640-HB) neu präsentiert.
Das Nachfolgemodell der JP-LPD-SB dürfte die JLP-20-TS aus der Standard-Serie sein, die mit ihrem figured Maple-Top in der Farbgebung Tobacco Sunburst (Listenpreis 298,- Euro) bzw. Natur (Listenpreis 330,- Euro) im Deckenfinish der JP-LPD-SB noch einen Schritt hinterherhinkt. Zumindest hat man ihr die Abalone-Applikationen auf der Decke, am Hals und an der Kopfplatte gelassen. Schwarz (Listenpreis 298,- Euro) scheint sich ja seit eh und je einer besonderen Beliebtheit zu erfreuen. Von daher hat man von einer Änderung dieser Version Abstand genommen. Besser is das.
In der Professional-Serie wurde 2009 nur noch ein Les Paul-style Modell angeboten: die JP-LPS-NA mit einer aufregend schönen Naturdecke und P-90 Pickups. Hier sind dann aber laut Liste schon mal 460,- Euro fällig. Ich denke nicht, dass das rausgeschmissenes Geld ist.
2010 wurde das Sortiment wieder allmählich aufgestockt, wobei die A.M.I.-Homepage leider noch immer Fotos der einzelnen Modelle größtenteils vermissen lässt. Zumindest kann man sich das 25th Anniversary-Modell dort näher anschauen. Das ging auf diversen Verkaufsseiten aber schon vor der Veröffentlichung auf der Vertriebs-HP.
Grundsätzlich haben es mir die Hollow-Body Modelle von JOHNSON besonders angetan. Eine echte Empfehlung meinerseits. Check ist out.
Listenpreis am Kauftag: 498,- Euro, gekauft August 2005 für 325,- Euro
die wichtigsten Eckdaten
Modell: JOHNSON JP-LP-DS-T 20th Anniverary
Herkunftsland / Baujahr: Korea / 2005
Korpus: Vollholz (Mahagoni)
Decke: zwischen Curly- und Quilted-Maple angesiedeltes Echtholzfurnier
Hals: Mahagoni (lackiert), geleimt
Griffbrett: Palisander mit Perlmutt-Block-Einlagen, 22 Bünde
Brücke: Tune-O-Matic-style Bridge mit Stop-Bar Tailpiece
Mechaniken / Sattel: No-Name, gekapselt / Kunststoff
Hardware: Gold
Elektronik: 2 No-Name Humbucker, 3-Wege-Toggle-Schalter, 2 Volumen-, 2 Ton-Regler
Gewicht: ca. 4.050 g
Farbe: Violin Sunburst
Besonderheit(en): Abalone-Applikationen am Deckenrand, am Hals und an der Kopfplatte
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