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Alles fing mit einem BEHRINGER V-Amp an. Den brachte ein Kollege mal zu einer Session mit und über einen MARSHALL AS 50 R klang das Teil auch ganz passabel, brachte zahlreiche interessante und gute Sounds zustande, war kompakt und hatte eine Tragetasche, in die alles reinpasste. Gut, letzteres hat keinen Einfluss auf den Sound, aber dennoch: für mal eben unter den Arm zu klemmen eigentlich das perfekte Modeling-Tool.
Was lag näher, als mich ebenfalls nach einem V-Amp umzuschauen? Schon im ersten Laden (nicht der, wo ich regulär immer kaufe) wurde mir vom V-Amp abgeraten. Probieren geht aber bekanntlich über studieren. Ich kaufte den V-Amp. Von der Verpackung war ich dann doch enttäuscht und ich meine jetzt nicht den Pappkarton oder die Tragetasche. Nein, ich meine das Gehäuse. Schnödes Plastik, das zwar nach Druckguss aussieht, aber eben nur so aussieht und dem Nutzer eine Stabilität suggeriert, die tatsächlich nicht vorhanden ist. Gut, es gibt Plastik, der (oder das?) ist stabil hoch drei, aber diese Mogelpackung dämpfte meine (zunächst) positiven Eindrücke dennoch.
Die Werkspresets sind – wie das so ist – überwiegend ganz nett, dienen aber bestenfalls als Basis für eigene Sounds, denn grundsätzlich kommt man um die eigene Soundwahl und damit ums Programmieren nicht herum.
Eines Tages (noch in der Garantie) stellte ich dann fest, dass der V-Amp die gewählten Einstellungen nicht mehr speichert bzw. die Speicherungen nach Ausschalten des Gerätes verschwunden waren. Das schreit erstmal nach Garantie und die Abwicklung solcher Probleme, die BEHRINGER den Händlern vorgibt, schreit zum Himmel. Die sollen nämlich erstmal eine gewisse Anzahl (mindestens 5) zur Garantieleistung anstehender Geräte sammeln und dann gesammelt einschicken. Unterm Strich heißt das für den Händler, es muss für diverse Ersatzgeräte erstmal in Vorleistung gehen, ehe er die Geräte an den Hersteller zur Garantiererfüllung weitergeben darf. So hat BEHRINGER auf jeden Fall schon mal für einen unbestimmten Zeitraum mindestens zwei Geräte desselben Typs im Handel und das Geld dafür im Sack. Da kann man jeden Händler verstehen, der sich keine BEHRINGER-Produkte mehr in die Auslage stellt.
Wir haben zwar in Deutschland einen zugunsten des Kunden merklich erweiterten Verbraucherschutz, aber das geht dann wohl doch ein bisschen zu weit. Da macht es sich der Hersteller auf Kosten des Einzelhandels doch etwas einfach und so war das Gesetz auch sicher nicht gedacht.
Da ich das meinem Händler im Wiederholungsfalle aber nicht noch mal zumuten wollte, habe ich den V-Amp gegen die KORG Toneworks AX 3000 G Workstation eingetauscht. O.k., der Preis lag merklich höher, aber dafür bekam ich auch eine in jeder Hinsicht merklich bessere Qualität – bessere und umfangreichere Ausstattung, bessere Sounds, mehr Möglichkeiten, besseres Design, bessere Verarbeitung und vor allem – bis dato keine technischen Probleme. Die einzigen ´Probleme´ stellten sich mit den schier unbegrenzten Möglichkeiten dieses ´Computers´. Es bedarf schon einiger Zeit, bis man das Gerät zu 100 Prozent nutzen kann. Gewisse Dinge erklären sich zwar von selbst, andere werde ich nie brauchen und wieder andere Dinge sind mir trotz Beschreibung immer noch nicht ganz klar. Von daher ist der Begriff Computer schon gar nicht so verkehrt. Wer nutzt schon alle Möglichkeiten, die ein moderner PC bietet. Ich jedenfalls nicht. Dennoch bleibt für mich reichlich Spielraum.
96 Speicherplätze (24 Bänke mit jeweils 4 zugeordneten Drucktastern + 1 Drucktaster für zuschaltbare Effekte (max. 7 parallel möglich)) macht summa summarum 192 programmierbare Sounds. Das braucht eigentlich kein Mensch. Doch damit nicht genug. Selbstverständlich kann man sich losgelöst von den programmierten Sounds jederzeit seinen individuellen Sound zusammenbasteln.
Die Speicherplätze können über zwei Up- / Down-Drucktaster aufgerufen werden und bieten ausreichend Platz, Werks-Presets und eigene Programmierungen unter einen Hut zu bringen. KORG hat – aus welchem Grund auch immer – 3 identische Werkspresets (32 Speicherplätze) angelegt. Da sind Sachen bei, die klingen zwar ganz spaßig, werden aber eher selten bis gar nicht benötigt.
Die Werks-Presets zu überspielen, neu zu programmieren oder Programmierungen einem anderen Speicherplatz zuzuordnen ist im Prinzip ein Kinderspiel. Aber auch nur im Prinzip, denn wie gesagt, die Möglichkeiten, eigene Sounds zu kreieren, sind schier unerschöpflich. Da kann eine Sounderstellung schon mal fast zur Doktorarbeit ausufern. Alleine die Synthy-Sounds können einen langfristig beschäftigen. Da hab ich sogar schon Klänge wie vom Synthesizer auf ELPs „Lucky Man“ hinbekommen.
Jedem Speicherplatz kann ein individueller Name (max. 8 Stellen bestehend aus Buchstaben, Ziffern und/oder Sonderzeichen) zugeordnet werden.
Über einrastende Dreh-Wahlregler (Chickenheads) können folgende Optionen aufgerufen werden:
16 Amp-/Drive-Modelle
(TUBE OD, BOUTIQUE OD, FAT DIST, ORANGE DIST, METAL DIST, SHRED DIST, FUZZ, OCTAFUZZ, BOUTIQUE CL, BLACK 2x12, AC15, AC30TB, UK 68P, UK ‘80S, UK MODERN, US MODERN)
11 Cabinet-Modelle
TWEED 1x8, TWEED 1x12, TWEED 4x10, BLACK 2x10, BLACK 2x12, VOX AC15TBX, VOX AC30TBX, VOX AD120VTX, UK H30 4x12, UK T75 4x12, US V30 4x12
11 Pre-Effekte
COMP, PICKUP (S->H, H->S), ACOUSTIC, VOX WAH, AUTO WAH, U-VIBE/PHASE, CHORUS/FLANGER, OCTAVE, RING MOD, DRONE, SYNTH
11 Modulationseffekte
CLASSIC CHORUS, MULTI TAP CHORUS, CLASSIC FLANGER, BI CHORUS, DUO PHASE, TEXTREM, ROTARY, PITCH SHIFTER, RANDOM STEP FILTER, FILTRON, TALK MOD
11 Echo-/Delay-Typen
ECHO PLUS, MULTI HEAD, ANALOG DELAY, MOD DELAY, SWEEP DELAY, 2TAP DELAY, CROSS DELAY, RHYTHM DELAY, HOLD DELAY, REVERSE DELAY, FREEZ
11 Hall-/Reverb-Typen
SLAP, SPRING, BOUNCE, PLATE, GARAGE, CHAMBER, CANYON, ROOM, STUDIO, HALL, ARENA
Rauschunterdrückung
Es bringt jetzt nichts, jede Einstellung klangmäßig zu beschreiben, weil das würde den Rahmen und das Fassungsvermögen der Präsentation sprengen, die dadurch mit Sicherheit länger geraten würde, als die Präsentation meiner FENDER Ritchie Blackmore Signature Stratocaster, deren Inhalt ich nicht unerheblich abspecken musste, weil der zur Verfügung stehende Platz nicht ausreichte.
Nur soviel: ist eine Programmierung aktiv, können über Drehregler GAIN, VOLUME, TREBLE, MID und BASS im Bereich 0 bis 100 (Digitalanzeige) individuell abgestimmt werden. So kann der prozentuale Anteil jeder Komponente eines Sounds oder Effektes exakt dosiert werden.
Wählt man jetzt noch bspw. Reverb und/oder Delay dazu, dann ändert sich die Zuordnung der vorgenannten Regler dergestalt, dass bspw. der BASS-Regler den Anteil von Reverb bzw. Delay zum trockenen Signal ebenfalls im Bereich von 0 bis 100 mischt. Der VOLUMEN-Regler übernimmt beim Delay das sog. FEEDBACK, d.h., wie oft das Signal wiederholt wird. Wenn nötig, unendlich lang. Über den GAIN-Regler wird der Abstand zwischen den Signalen geregelt. So ähnlich läuft das dann auch für die übrigen Effekte. Teilweise geht die Reglerbandbreite von –100 bis +100.
Wie gesagt – Möglichkeiten ohne Ende.
Das Pedal kann als Schwellerpedal zur Regulierung der Lautstärke, aber auch als Expressionspedal zur Änderung der Geschwindigkeit bspw. beim Rotary-Effekt oder als Wah-Wah-Pedal genutzt werden. Wie das Pedal arbeiten soll, kann dem jeweiligen Speicherplatz per Programmierung zugeordnet werden.
Der Grad der Lautstärke, der Geschwindigkeit oder jedes anderen, dem Pedal zugeordneten Parameters wird durch eine 8 stufige LED-Kette angezeigt. Je nachdem, welche Funktion dem Pedal zugewiesen ist, ändert sich die Farbe der dem Pedal zugeordneten Kontroll-LED (rot, gelb oder grün).
Die LED-Kette dient auch als visuelle Unterstützung des integrierten Stimmgerätes (438-445 Hz). Zusätzlich wird der angeschlagene Ton im Digitaldisplay sowohl als Note als auch als wandernder, senkrechter Strich bei zu hoher oder zu niedriger Stimmung bzw. als mittiger Stern (bei exakter Stimmung) angezeigt. Das Tuning kann wahlweise mit oder ohne Ton erfolgen.
Des weiteren kann jede Programmierung entschlüsselt werden, d.h. durch Drehen der einzelnen Regler wird im Display bei Erreichen der gespeicherten Parametereinstellung durch ein Symbol im Display angezeigt, welcher Effekt, welches Amp- und Boxen-Modell, welche EQ-, Gain- und Volumen-Einstellung der jeweiligen Programmierung zugeordnet ist. So ergibt sich schlussendlich exakt die Reglerkonfiguration, mit welcher der Sound erstellt wurde.
Um ein optimales Klangergebnis zu erhalten, kann sogar ausgewählt werden, über welchen Verstärkertyp man spielt. Es macht für die KORG-Workstation schon einen Unterschied, ob es sich um einen hinten offenen, US-amerikanischen Combo-Verstärker, um einen hinten offenen, britischen Combo Verstärker oder um ein Top mit einer oder mehreren 4 x 12 Boxen handelt. Als vierte Variante wird noch der direkte Weg in ein Aufnahmegerät, ein Mischpult oder einen Power-Amp zur Wahl gestellt.
Alle vier Varianten haben Eigenheiten, die bei der KORG-Workstation zur Erzielung eines optimalen Klangergebnisses berücksichtigt wurden.
Selbstverständlich kann man die KORG Workstation auch über Kopfhörer betreiben. Gedacht ist sie natürlich als Vorschaltgerät mit Anschluss an einen Amp über FX-Loop oder direkt ins Mischpult. Daheim nutze ich die Workstation aktuell über einen MARSHALL AS 100 D (she. dort). Volumen habe ich bei der Workstation prinzipiell mit Reglerwert 100 belegt, Gain und EQ nach Geschmack/Bedarf. Das heißt auf die VOLUMEN-Pedalreglerstellung bezogen, dass bei Stellung 2 bis 3 (von 8) (mit wenig Gain) die Lautstärke in etwa die ist, als wenn ich ohne Workstation direkt in den Amp gehen würde. Bei Pedalstellung 8 bin ich unweigerlich im Feedback, dass es weh tut. Die KORG Workstation bringt also auch noch einiges an zusätzlicher Lautstärke. Ich muss mal ausprobieren, ob ich die Einstellungen nicht grundsätzlich so festlege, dass das die Kombination mit Pedalstufe 8 die größtmöglich vertretbare Lautstärke produziert und die übrigen Parameter entsprechend angepasst werden. Reduzieren kann man immer noch.
So, wie ich es derzeit praktiziere, kann man einer zu hohen Lautstärke nur entgegenwirken, indem man die Reglerstellung für GAIN und/oder VOLUMEN reduziert, um dann die volle Bandbreite des Volumenpedals nutzen zu können. Nur was zu Hause klasse klingt, kann auf der Bühne weniger klasse klingen. Auch hier ist wieder experimentieren angesagt.
Dies alles ist ganz grob umrissen das, was dieses Gerät leistet. Das ist erstmal nicht wenig und das ist mehr als ausreichend. Für einen Gig ließe sich für jedes Stück die perfekte Abstimmung programmieren. Man braucht noch nicht mal die Gitarre wechseln, sondern nur die Speicherplätze rauf- und/oder runter switchen. Wer wie ich gerne zappt, der kommt alleine hierbei voll auf seine Kosten.
Welch gute Soundergebnisse mit der Workstation tatsächlich erzielt können, konnte ich anlässlich eines Gigs in einem Bistro erleben. Ich hatte meine billigste (41,- Euro) Gitarre (VESTER Tele-Kopie, she. dort), meinen PEAVEY Transtube Envoy 110 (she. dort) und die KORG AX3000G Workstation (equipmentmäßig excessiver Minimalismus für einen Live-Auftritt) dabei und war so was von überrascht, wie genial die Billigklampfe klang. Am Soundergebnis hatte die KORG Workstation mindestens ihren 30 Prozentigen Anteil. Country, Folk, Traditional, Rock `n Roll, was auch immer. Der Sound war perfekt. Dabei bin ich lediglich zwischen Presets hin und her gesprungen, die ich mir für einen jeweils typischen Strat-, Tele-, Les Paul- und ES 335-Sound (jeweils clean und verzerrt) in Abstimmung mit meinem PEAVEY Mace angelegt hatte, also noch nicht mal Stück-spezifisch angelegte Presets. Die Feinjustierung bspw. von Hall und Delay ist schnell erledigt und das Soundergebnis ist perfekt.
Aufgrund der mannigfaltigen Möglichkeiten alleine schon der Workstation könnte man stundenlang experimentieren und immer wieder neue aufregende Sounds kreieren. Das geht bei mir daheim so weit, dass ich die Workstation zusätzlich über einen DIGITECH RP 200 bzw. einen POD 2.0 einschleife, womit ich Effekte koppeln bzw. doppeln kann, was zu absolut geilen Klangergebnissen führt. So kriege ich auch für die Bude Sounds hin, die man ansonsten nur mit voll aufgedrehten Röhrenamps hinkriegt. Das ganze noch schön mit einem der zahlreichen Echo- und/oder Hall-Typen garniert und man wähnt sich in einer großen Halle oder gar in einem Stadion.
Im Vergleich zum BEHRINGER V-Amp ist die KORG AX300G Workstation zwar um einiges teurer, dafür aber sicher auch um einiges besser und um einiges vielseitiger, was den Preisunterschied letztlich mehr als rechtfertigt.
Da aber jeder Sound Geschmackssache ist, empfehle ich einfach hier mal rein zu hören (vorausgesetzt der Beitrag wurde nicht schon wieder eliminiert):
http://www.youtube.com/watch?v=lwKR2CxhAQk&feature=related
Listenpreis am Kauftag: 356,50 Euro, gekauft Mai 2006 für 275,- Euro. Mittlerweile (Mitte 2008) bekommt man dieses Spaßboard schon für unter 200,- Euro.
Die wichtigsten Eckdaten/Spezifikationen
Speicherplätze: 96
Amp-/Drive-Modelle: 16
Cabinet-Modelle: 11
Pre-Effekte: 11
Modulationseffekte: 11
Echo-Delay-Typen: 11
Hall-/Reverb-Typen: 11
Rauschunterdrückung
Tuner
Volumen-/Wah-Wah-/Expressions-Pedal
Abmessungen: 500 (B) x 7,2 (H) x 24,1 (T) cm
Gewicht: 3,6 kg
she. auch Test in GUITAR 11/2005
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