Parlorgitarre im Selbstbau
In der ersten veröffentlicheten Gallery habe ich anklingen lassen, dass die erste Gitarre nicht die letzte sein wird, und so sollte es auch kommen. Für den Hobbieisten stellt sich schnell die Frage nach Quellen für geeignetes Material. Meine erste Idee:“ich frag´einfach mal ´nen Gitarrenbauer aus unserer Gegend, ob er mir etwas verkauft.“ Der Preis war dabei nebensächlich, die Hauptsache war mir etwas Ordentlichens vom Fachmann zu bekommen.
Als unter dem Stichwort Hamburg Gitarrenbau gegoogelt und lostelefoniert. Ich kam mir vor wie ein römischer Legionär der im
gallischen Dorf das Rezept für den Zaubertrank erfragen will. Volle Bauchlandung. Das einzige was mir auf meine Frage nach
Material für Streben empfohlen wurde war –KEIN WITZ- „Geh doch in´n Baumarkt und hol´ dir ein paar Kiefernleisten.“
Also dann doch zum Tonholzhändler, der aber so freundlich war mich darauf hinzuweisen, dass das Deckenholz eigentlich noch
liegen sollte. Auf den OPEN STRINGS in Osnabrück wurde ich dann fündig und kaufte aus den Beständen eines sehr netten
Gitarrenbauers einiges an Ahorn, Palisander und Fichte. Wunderschönes Holz und ready to work on.
Ich mag ja Joan Baez, und wusste, dass sie viel auf einer Martin 0-Style spielte. So eine, oder wenigstens eine ähnliche wollte ich bauen, hatte abe als Planungsunterlagen nur Bilder und Maße aus dem Martinbuch von Carter. Danach zeichnete ich die Umrisse. Die Beleistung entlehnte ich meiner 000, verzichtete allerdings aus einen Tonbalken und baute zur Krafteinleitung in den Hals eine A-förmige Verleistung (A-Frame) ein.
Beim Bau dieser Gitarre lernte ich , auch durch Fehler, einiges. Besonders viel aber über die Luftfeuchtigkeit in Gitarrenbauwerkstätten. Beim Bau meiner ersten 000 war es Winter mit entsprechend geringer Luftfeuchtigkeit. Diese Gitarre entstand im Sommer, mit LF über 60.
Das Ergebniss war ebenso eindrucksvoll wie ernüchternd. Im Winter zog sich der Ahornboden so zusammen, dass sich der Hals nach hinten/unten bog, was ein Scheppern der Saiten über die gesammte Griffbrettlänge zur Folge hat. Im Sommer verschwindet dieser Effekt. Abhilfe schafft eine höhere Stegeinlage wärend des Sommers.
Klingen tut das kleine Ding aber gut, und dementsprechend häufig wird es auch gespielt. Die Gitarre macht wirklich Spass.
Daten: Korpusform Martin 0-Style, Breite ca. 34cm Länge ca. 49 cm, Tiefe 10,4cm. Mensur 633mm. Decke Fichte mit schönen Bärentatzen, Zargen/Boden Riegelahorn. Hals Mahagonie, einteilig. Griffbrett Palisander, Steg Ebenholz.





















