Ich weiß nicht, ob es bei Instrumenten so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gibt. Ich hatte viel über G&L-Bässe gelesen, aber nur einen gesehen (einen Climax), aber der brummte wie blöd. Über ein Internet-Forum kam ich dann zu einem gebrauchten G&L SB-2, einem P-Verschnitt mit zusätzlichem J Pickup. Der Bass war billig für Handmade in USA, gut verarbeitet und spielte sich super.
Ich war in der Nähe von Sound- und Drumland in Berlin. Zufällig hatten die einen L-2000, zufällig einen mit #6 Jazz-Hals (Standard ist der fette #5 P-Hals). Ich hing ihn an ein Eden-Rig, und es war um mich geschehen. Der Bass fühlte sich irgendwie gewohnt an, klang wunderbar und hatte eine große Palette von Sounds. Noch am selben Abend stand er bei mir im Wohnzimmer. Mein zweiter G&L und der Beginn einer Leidenschaft.
Kurz zu G&L...Gegründet um 1980 von Leo Fender und George Fullerton, baute G&L eine Reihe von Fender-typischen Bässen und Gitarren. Leos erster neuer Bass (sparen wir uns mal das ganze Gesöns von ‚mit der Summe all seiner Erfahrung’ usw., das steht alles auf www.glguitars.com) war der L-2000, ein Schraubhalsbass mit 2 fetten Humbuckern, einem Lautstärke-, Höhen- und Bassregler, sowie diverser Schalter, um die Tonabnehmer in Serie oder Single Coil und einzeln oder zusammen zu schalten. Aktive Bässe waren angesagt, und so setzte Leo kurzerhand einen Vorverstärker dazu und nannte dieses Modell dann L-2000e. Bald gab es nur noch diese Variante, und das ‚e’ viel aus der Typenbezeichnung wieder raus. Seitdem hat sich an der Konstruktion nicht mehr viel verändert, die Kopfplatte bekam den Stachel, die Schaltung wurde von SC auf Parallel umgestellt, die Regler wanderten von der Metallplatte a la Stingray hinten ins E-Fach, und irgendwann wich der Micro-Tilt einer soliden 6-fach Verschraubung, zumindest bei den L-Modellen.
Im Prinzip ist G&L so eine Art Customshop, man kann die Instrumente in zahllosen Varianten bestellen, sie werden
immer noch mit altmodischen (halt, das heißt jetzt ‚traditionellen’) Maschinen und viel Handarbeit hergesellt.
Speziell bei den Bässen hat es G&L dabei durch geschicktes Marketing verstanden, quasi unbekannt zu bleiben, und Leo
Fender soll im Alter auch nicht unbedingt weiser geworden sein, wenn es um Vermarktung der Instrumente ging.
Der L-2000 sieht sehr wie die Weiterentwicklung des MusicMan Sabre aus, 2 Humbucker, eine ähnliche massive Brücke. Meiner hat einen Swamp Ash Korpus mit aufgeleimter Ahorndecke, einen Ahorn-Hals mit Palisander-Griffbrett, Schaller BML-Mechaniken mit Aluminium-Achsen und eben die besagte Brücke, die an der Seite eine Imbusschraube zum Feststellen der Reiter hat. Die Tonabnehmer sind um den Sweet Spot herum angeordnet, also da, wo beim Stingray der einzelne Tonabnehmer sitzt, jedes Polepiece kann einzeln in der Höhe eingestellt werden. Der Hals-Tonabnehmer klingt etwas nach P, nur lauter und voller, beide Tonabnehmer zusammen erzeugen einen satten, aber transparenten Ton. Den Stegtonabnehmer solo finde ich nicht so toll, manche Leute hören hier einen Jazz-Sound – sollen sie. Überhaupt sind die Tonabnehmer bereits passiv lauter als alles, was ich bisher gehört habe, und dann gibt es da ja noch den Preamp, der zusätzlichen Boost erzeugt und den Höhenanteil deutlich anhebt. Soviel zu Parallel...schaltet man auf seriell, wird’s brutal laut und fett, gern klippt jetzt die Vorstufe des Bass-Verstärkers, der Ton wird voller , aber auch weicher. Das Tolle ist, das man den Bass total passiv spielen kann, sogar ohne Batterie, die braucht man nur für den Preamp. Höhen- und Bass-Regler sind passiv (cut-only), und die Aktiv-Schaltung ist quasi eine Draufgabe. Insgesamt kann man allein mit den Schaltern 18 verschiedene Soundvarianten einstellen. Dabei sind passiven Varianten echte Sounds, nicht nur eine Notfallschaltung wie bei vielen anderen Bässen.
Der Bass hat seine Grenzen, wenn man ultramoderne Sounds will, da fehlt dann einfach der EQ, und die Tonabnehmer sind eher auf Leistung als auf nuancenreiche Tonmalerei abgestimt. So, genug geschwärmt...





















