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OLI's DOKUMENTATION ZUM E-GITARREN-ERSTLINGSBAU

Winter & Frühjahr 2002/2003 In Corel Draw entsteht langsam aber sicher nebenstehendes Plänchen:

Heraus kommt "Elvis"! Elvis deshalb, weil die Form des schwarzen Schlagbretts in Verbindung mit den anschließenden Schall-Löchern doch stark an dessen Tolle samt Koteletten im Endstadium erinnern. Elvis auch, weil die Klampfe weniger mit Modern-Ultra-High-Gain als mit ehrlichem Rock 'n' Roll in Verbindung zu bringen ist. Ich hoffe, der Sound hat ein bißchen was mit Elvis' Stimme zu tun...

...zum Konzept:

  • Hals: Ahorn mit aufgeleimtem Griffbrett aus Europ. Feldahorn, Kopf im Winkel von etwa 10 Grad angeschäftet; Kluson Locking Tuners in 3-3-Konstellation zwecks geradem Seitenverlauf, Trem-Nut Sattel Gibson-Style.
  • Korpus: Halbmassiv, Basis aus Erle, diese wird bis auf einen breiten Mittelblock hohl gefräst; Decke aus Europ. Esche. Beides zweiteilig, die Eschendecke ist bookmatched.
  • Steg: Fender-Style Tremolo mit massiven Seitenreitern.
  • Elektrik: Am Steg ein Double Single Coil aus einer Yamaha Pacifica (?), am Hals ein Kent Armstrong Humbucker (4-adrig), beide jeweils in Pickguards (eins weiß, eins schwarz) geschraubt. Geschaltet wird über einen Eyb-Megaswitch Version P und einen On-Off-Minischalter sowie ein Volume-Poti. Es ergibt sich folgendes Schaltungsbild:



In der Skizze fehlt die Verbindung zwischen Minischalter links oben zum Megaswitch Lötpunkt 3; außerdem ergeben sich in den Positionen 2-4 in der Praxis folgende Spulenkombis: Pos.2: 1+2+3, Pos. 3: nix, Pos. 4: 4.
...mein Ziel:

Elvis soll meine vorhandene Strom-Gitarre nicht ersetzen - das kann sowieso keine Gitarre der Welt - mein Wunsch und Ziel ist es vielmehr, bis auf die Pickups einmal eine komplette E-Gitarre aus dem rohen Holz zu schnitzen, die bewusst anders als meine Rockinger Strat aufgebaut sein und klingen soll. Da ich jedoch bevorzugt bluesig-rockige Klänge ertönen lasse, soll die Klampfe trotz Humbuckern einen eher gemäßigten Output und einen höhenreichen Knackbass-Klang mit akustischer Komponente haben. Deshalb die eher Fender-orientierte Holzauswahl: Den feinen Ton der (teils hohlen) Erle garniert mit dem direkten druckreichen Sound der Eschendecke, das ganze abgeschmeckt mit einer Prise knalligem Ahorn müsste diesen Vorstellungen ziemlich nahe kommen, glaubt man der Literatur, die ich bis dahin jahrelang und doppelt und dreifach gewälzt habe (Danke Heinz Rebellius, Paul Day, André Waldenmaier, Martin Koch, G&B-Forum, Rockinger, Warmoth undundund) - mal seh'n...ach ja, eine weitere wichtige Prämisse war: Kein Tropenholz! So, jetzt aber genug Theorie-Blabla, ab in die Praxis!

März/April 2003 Ich ersteigere bei Iiiih-Bääh die Pickups und das Tremolo für zusammen rund 60 Euro. (Schnäppchen? Schnäppchen!).

Mitte Mai 2003 Ich erhalte mein Tonholz von Woodland aus Hammersbach. Der Hals ist aus amerikanischem Hard Maple (vermutlich Zuckerahorn), das Griffbrett ist aus Europäischem Feldahorn und bereits auf eine 650 mm Mensur geschlitzt, der Erlenbody kommt 2-teilig in Rohform, die wunderschöne 2-teilige Bookmatched-Eschen-Decke ist 10 mm dick und verlangt höchstens noch ein bißchen Schleifpapier zur Feinbehandlung. Ich bin mit dem Zeugs höchst zufrieden...und mit dem Preis auch: All together about 90 €.


Ende Mai 2003 In der Euphorie über das Holz mache ich Nägel mit Köpfen und bringe meine Kleingezeisel-Hardware-Werkzeug-Order bei Rockinger an den Mann. Kostenpunkt roundabout 220 €. Nachdem alles drei Tage später da ist (God save the Rockingers...), überlege ich, welches Werkzeug ich noch brauche (der Geburtstag naht, hähähä). Standbohrmaschine und E-Hobel liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wer gewonnen hat, kommt später.

4.Juni 2003 (1 h) Es wird ernst: Ein Stück rohe Erlenplanke liegt auf meiner Werkbank und schreit mich an: "Hey, Alter, mach mich dünner, eben und rechtwinklig und ich zeige Dir, was hinter meiner (noch) rauhen Fassade steckt." Gut, der Erstversuch erfolgt mittels Einhand-Winkelschleifer und Schwingschleifer, das Resultat kann sich (trotzdem) sehen lassen. Allerdings reicht die Zeit von knapp einer Stunde nur für eine Seite (No net huadala! , wie der geneigte Schwabe sagt). Danach sieht das Umfeld meiner Scheune -ich habe wohlweislich draußen geschliffen- aus wie nach einem Schneesturm (Erlenholz ist wirklich sehr hell...): Immerhin musste ich von der ursprünglich 50 mm starken Bohle 12 mm abnehmen. Obwohl das Ergebnis mittels Schwingschleifer und 80er Papier auf Fast-Babypopo-Qualität gearbeitet ist und der Über-die-Kante-peil-Test (ist die Oberfläche auch eben?) positiv ausfällt, bin ich der Meinung, mit einem E-Hobel besser an's Ziel zu kommen.

6.Juni 2003 Wieder mal in meinem Lieblings-Baumarkt, diesmal aber nicht nur auf Hausbau-Mission, nein, diesmal gibt's noch ein bisschen Werkzeug für mein ganz eigenes Vorhaben: Einen 650 Watt starken Elektro-Hobel, eine gute Beißzange, die ich noch für den bevorstehenden Bundstäbchen-Abzwick-Einsatz mittels Schleifer modifizieren werde, eine Raspel und eine Feile, 'ne Menge Schleifpapier und eine 1 m lange Aluleiste (Querschnitt 30x3mm²) zwecks Geradenkontrolle (die Alu-Lineale mit Skala sind dagegen unbezahlbar...) alles zusammen für den sagenhaften Preis von knapp 60 €.

7.Juni 2003 (4 h) Zum Ehrentage: Ergo Holz ausgepackt, die Werkbank draußen im Schatten platziert, den neuen Hobel geholt und los geht's. Wow, der geht ja ab, das geht ja hundertmal sauberer und leichter als mit dem Winkelschleifer. Der Hobel ist für knappe 25 Euro echt unschlagbar und für das Abrichten der Erlen-Body-Teile Gold wert. Das macht so viel Spaß, dass ich gleich alle Erlenteile und den Hals auf die richtige Dicke abrichte, Body-Basis 38 mm (mit Decke also 48 mm) und Hals 19 mm (mit Griffbrett Endmaß 26 mm). Auch die Leimfugen des Bodys bearbeite ich zunächst mit dem Hobel, bevor ich diese später endgültig unmittelbar vor dem Verleimen noch einmal mit der Oberfräse (hab ich mir zu Weihnachten 2002 für ca. 70 € gegönnt) kerzengerade und gaaaanz genau rechtwinklig zur Oberfläche trimme. Bevor's gleich Erdbeerkuchen gibt, konserviere ich nochmal alle Einzelteile und Werkzeuge samt Plan und Hobelspäne für die interessierte Nachwelt mittels Foto-Apparat (Zelluloid, nix digital!).


19.Juni 2003 Habe im Baumarkt 7 Schraubzwingen und Sperrholz (Schablone) gekauft, summasumarum 67 €. Teures Hobby? Mal sehen...

24.Juni 2003 (3 h) Mein bei lignos.de bestellter Bündigfräser (41 €, 50,8 mm Arbeitslänge, 12 mm Schaft, untenliegendes Anlauflager) ist da, hurra. Hatte schon Bange, denn mein Urlaub beginnt in eineinhalb Wochen. Bis auf den vermaledeiten Bohrständer bin ich jetzt komplett (?) ausgerüstet, allerdings macht sich bei mir aus irgendeinem intuitiven Grund der Gedanke breit, das Tremolo durch eine feste Brücke zu ersetzen. Mal sehen, bei Ebay gibt's einen Schaller Einteiler für bislang 10 € (Neupreis liegt bei 59 €). Habe eben noch die Body- und Hals-Kontur auf Sperrholz übertragen.

07.Juli 2003 Habe heute eine Präzisions-Gehrungssäge zum sagenhaften Preis von 11,99 Euro ergattert...für zum Kopf absäg'n...im übrigen: Das Tremolo bleibt!

08.Juli 2003 (9 h) Es ist soweit, der erste richtige Gitarrenbautag. Was haben wir denn heute alles gemacht? Zuerst den alten Esstisch zu einem Frästisch umfunktioniert, dann an Korpus und Deckenhälften die Leimflächen per langem Bündigfräser und Aluschiene als Anschlag eben und kerzengerade gefräst, mein lieber Scholli, die Fräse ist 'ne Wucht. Korpus und Decke mit Schraubzwingen und Leim jeweils zusammengeknallt und das Ganze fotographisch festgehalten. Den Kopf habe ich vom Hals mit 10° Neigungswinkel zwecks späterem Anschäften schräg abgesägt (Hallo Gehrungssäge!) und die Schrägen nach Rezept von Martin Koch mit Hobel und Schleifpapier bearbeitet. Sieht nicht ganz so perfekt aus wie im Buch, aber für den ersten Versuch ganz passabel. Mal sehen, vielleicht muss ich da morgen noch mal ein bisschen nachschleifen, ist ja eine nicht ganz unwichtige Verbindungsstelle. Es lebe doppelseitiges Klebeband, ohne das Zeugs wäre die Hals-Kopfbearbeitung unmöglich, ohne Scherz mit das wichtigste Gitarrenbau-Utensil!


09.Juli 2003 (9 h) Brauche doppelseitiges Klebeband, is alle! Zum heutigen Tagwerk: Als erstes habe ich mittels Forstner-Bohrer (Ø 35 mm) und mobilem Bohrständer (Jawoll, jetzt hab ich den auch, 30,- Tacken "billig") in den Erlenkorpus Hohlkammern vorgebohrt und anschließend gefräst. Die Kammern sind 25 mm tief, im Bereich von Poti und Schalter 30 mm. Das war 'ne Sauarbeit, hat aber geklappt, Fräse sei Dank. Anschließend habe ich die Decke und den Korpus miteinander verleimt. Während der Abbindezeit hat mich der Hals angelacht, ergo: Kopfplatte ausgesägt, Kanal für den Trussrod gefräst, Trussrod eingesetzt, weiße Schlagplatte als Kopffurnier aufgesetzt, Griffbrett draufgeleimt (das Griffbrett war schon vorgesägt und plan abgerichtet). Und dann kam der große Auftritt meines 50 mm Bündigfräsers, wow, im Nullkommanix hab ich damit den Korpusrand gerade und glatt gefräst, nix rausgebrochen, nix ausgefranst, das Ding ist 'ne Wucht. Und weil das Fräsen so Spaß gemacht hat, habe gleich noch die Kanten verrundet mit einem entsprechend profilierten Bündig-Fräser. Auch dabei alles paletti, ich staune selbst. Der Korpus ist nun federleicht, sieht einfach nur klasse aus, selbst die Leimfuge zwischen Hals und angeleimter Kopfplatte ist nach nochmaliger Vorbereitung am Morgen dicht. Der Tag war erfolgreich!!! Aber eines weiß ich schon jetzt: Mein größter Respekt gilt denen, die das beruflich machen...

10.Juli 2003 (7 h) RAAAAABENSCHWARZER TAG!!! Wie ich schon sagte: Respekt den Profis, heute habe ich Lehrgeld bezahlt! Ich Blödmann hab' mich darauf verlassen, dass beim geschlitzten Griffbrett gleichermaßen WYSIWYG gilt. Wie hat mein Meister Renz einst weise zu mir gesprochen: "Liab'r oimool z'vui g'messa wia oimool z'wänig!" Recht hat er, der erste Schlitz in dem verdammten Ding war gar nicht der erste, sondern der nullte Bund, Schittkram aber auch, und der überstehende Sicherheitsrest Holz ist um ganze 4 mm zu kurz. Wäre ja nicht schlimm, wenn ich die Leimfuge zwischen Griffbrett und Hals nicht so perfekt hingekriegt hätte...also was tun?

1. Feierabend machen und auf Triangel umsteigen.
2. Das Griffbrett mit 'ner Bandsäge vom Hals trennen, wäre aber nicht so gesund für den ebenfalls perfekt darunter platzierten Halsstab.
3. Griffbrett komplett abhobeln und durch ein neues ersetzen. Aber woher krieg' ich gezz bis gestern einen neuen geschlitzten Hardmaple-Rohling, der letzte war 8 Wochen unterwegs...lieber doch ein Rosewood von Rockinger für schlappe 39 Euro? Neeee, will Aaaahoooaaan haaaam, kein Tropenwald-Relikt!
4. Vorhandene Bundschlitze mit Leim-Schleifstaub-Mischung versiegeln, drüberschleifen, selber neu schlitzen. Bereits vor dem heutigen Desaster bestellte Einstrichsäge von Rockinger ist eh morgen da...

...jau, Nr. 4 ist der Joker, billig, arbeitsintensiv, lehrreich, Faulheit will bestraft sein, dann machen wir halt selber Rillen in den vermaledeiten Ahorn. Sprach's, und trabte frohgesinnt flugs zurück an den Arbeitstisch. Na ja, mittlererweile ist die Leim-Staub-Mixtur ausgehärtet, man wird es immer seh'n, hält aber und lässt sich gut glattschleifen, fühlbar ist da nix mehr. So wird dieses Erstlingswerk stets als drohendes Denkmal des Meisters weisen Rat verbildlichen...so sei es denn, ist dafür ja auch garantiert ein Unikat. Man könnte das ja als gestalterisches Markenzeichen anpreisen...öhem...lassen wir das. Ansonsten sieht der Hals jetzt aus wie ein Hals, sprich, ich habe die Kontur ausgesägt und die Seiten mit dem Bündigfräser glatt gemacht (ich staune immer wieder über das Ding), der zuvor mit Raspel, Feile und Schleifpapier zurechtgestylte Kopf hat Löcher für die Mechaniken bekommen, die sogar -nach mehrmaligem (!), gewissenhaften Messen und vorherigem Probieren an der Schablone- an der richtigen Stelle sitzen. Außerdem habe ich die Ausfräsung für die Halsaufnahme markiert, in froher Erwartung auf weitere Abenteuer, die der morgige Tag mit sich bringt.

11.Juli 2003 (9 h) Jupp, heute war als erstes die Halsfräsung angesagt. Schablone aus Sperrholz gebastelt, mangels Fräser mit obenliegendem Anlauflager mit Versatz zwecks Einsatz einer Führungshülse. Zur Sicherheit nochmal doppelt und dreifach nachgerechnet, ausgesägt, probiert, für zu weit empfunden, nochmal gesägt, passt. Schablone montiert, Fräsertiefe auf 23 mm (8 mm Schablonenstärke & 15 mm Halsausnehmung) und ab geht's mit meiner Lieblingsmaschine...hoppla, warum wird denn das so tief? Meister Renz hilft offenbar auch nicht immer, was haben wir denn da falsch gemacht? Jau is klar, 23 mm ab Oberfläche Schablone, nicht ab Oberfläche Body, hab' ja 'ne Kopierhülse und keinen Anlauffräser. Macht nix, aus Fehlern wird man klug, sagt der Volksmund, schnell ein Reststück von der Eschendecke eingepasst und in die zu tiefe Halsausfräsung geleimt. Morgen wird das Ganze dann auf die richtige Tiefe gefräst.

Jetzt ist erst mal wieder der Hals dran, denn die Post hat mir die Einstrichsäge und die Bundmarkierungen geliefert, auf die Rockingers ist eben wirklich immer Verlass. Also, Bundschlitze anzeichnen, Winkel als Anschlag für die Säge her und los. Auweia, Ahoooaan is echt haaaad, ey, das kann wohl dauern. Egal, Präzisionsarbeit macht Spaß (..hm...), und Bundschlitze sägen, das macht ja nicht jeder. Ein paar Schweißperlen später -draußen ist's heiß geworden- ist das Ding fertig geschlitzt. Wohlan, Bundmarkierungen einbauen, 6 mm Bohrer und Ständer her, sssst-ssst-ssst und fertig, Sekundenkleber in die Löcher und die Dots rein, passt auf Anhieb, Freude kommt auf. Okay, jetzt ist Bundradius schleifen angesagt. Flugs einen 12"-Radiusschleifblock à la Martin Koch gebastelt, 40er Papier draufgeklebt (mit doppelseitigem Klebeband natürlich) und los geht die Schrubberei...auweia, Ahoooaaan is wiaklich echt haaaad...hat ca. 1 h gedauert bei etwa 10 l transpirativem Wasserverlust. Doooaaaast!

Wow, sieht gut aus, aber der ganze Schleif-Kotter hat sich in die Bundschlitze verkrochen. Die müssen eh nachgesägt werden, weil ja das Griffbrett an den Außenseiten dünner geworden ist, am Halsansatz mehr als am Sattel - richtig, kann ja nur ein zylindrisches Griffbrett sein, nix Compound, durchgehend 12". Vorher das Griffbrett nochmal mit 120er und 240er Papier glattgebügelt, Bundschlitze nachgesägt und dann Bundstäbchen reinkloppen. Bis jetzt mein Lieblingswerk, ehrlich, das hat bis jetzt am meisten Spaß gemacht. Sogar das Bundenden-Abzwacken war kein Problem. Die Kneifzange hab ich vorher mittels Winkelschleifer um seine vordere Wate erleichtert, schwupps haben wir einen astreinen Vornschneider. Dann mittels Abricht-, Bund- und Dreikantfeile die Bundenden entschärft und verrundet, fühlt sich wirklich klasse an. Zu meiner Freude sitzen die Bundstäbchen derart prima auf dem wirklich kerzengeraden und topfebenen Griffbrett, dass ich nix abrichten muss, juhu (muss das überhaupt jemand beim Neubau?). Welch glücklicher Feierabend, morgen kommen die Halsrundung und die Bodyfräsungen (Hals, Tonabnehmer, Poti, Schall-Löcher) dran.

12.Juli 2003 (8 h) Mit Abstand der beste Tag, kein Messfehler, kein Unfall, alles passt. Habe heute morgen mit dem Hals-Shaping begonnen. Mittels Winkelschleifer und Schwingschleifer ging das relativ schnell und zu meinem Erstaunen auch sehr genau, den Übergang zum Kopf habe ich mit der Feile behandelt und ohne Maschine mit Schleifpapier geglättet. Aber eins nach dem anderen: Zuerst muss auf der Halsrückseite die Mittellinie angezeichnet werden. Richtung Diskantseiten habe dann eine Linie mit 1,5 cm Abstand zum Halsrand gezogen, auf der anderen Seite analog, aber mit 1 cm Abstand. An den Halsseiten habe ich dann eine Linie mit 1 cm Abstand von der Halsunterseite gezeichnet, anschließend die jeweiligen Halskanten mit dem Einhand-Winkelschleifer abgefast, und zwar jeweils bis zu den Linien. Die übrigen Kanten habe ich ohne Markierungen abgefast, so lange, bis der Hals unten rund war. Mein Ziel, damit ein leicht asymmetrisches U-Profil zu erstellen, habe ich erreicht. Der restliche Schliff war mit dem Schwingschleifer und 60er, 120er und 240 Papier kein Problem, die letzte Bügelung natürlich von Hand. Der Hals ist schön dick und liegt satt in der Hand, das asymmetrische U-Profil ist einfach klasse, Idee ist übrigens von Kritz Guitars (Belgien) abgeguckt. Passt einfach besser in die ebenfalls sich asymmetrisch krümmende Greifhand. Der Hals ist wirklich richtig schön geworden, und das nach dem anfänglichen Desaster mit dem vorgeschlitzten Griffbrett...alles wird gut am Ende... Es fiel richtig schwer, den Hals wieder aus der Hand zu legen, aber der Body braucht ja noch ein paar Fräsungen. Zuerst die Halsfräsung, 15 mm (!) tief, dann die Halsschrauben in die vorgebohrten und versenkten Löcher gedreht: Hals sitzt knackig und fest im Body, so will ich's haben. Freude macht sich breit, es kann ja nur noch gut werden heute, also Schablonen für die Humbucker- und Tremolofräsung gebastelt (alles natürlich nach genauester und mehrfacher Einmessung am Objekt), vorher aber noch die beiden Pickguard-Teile ausgesägt (Übertrag per aufgeklebter Papierschablone) und deren Ränder gefeilt und geschliffen, passt, prima, also weiter. Humbucker-Fräsung - kein Problem, heikler geht's da schon beim Tremolo zu, alles tief, alles supergenau (immer ausgehend von der Mensur und der verlängerten Halsmitte), alles muss stimmen, ein einziger Versuch, wenn's nicht klappt, ist alles futsch. Hat aber geklappt! War zwar ein Akt, aber hinterher hat sich die genaue Vorbereitung ausgezahlt. Auch hier passt alles. Für's Foto hab' ich Body und Hals montiert, die Schlagbretter und das Tremolo aufgelegt, wow, die wird noch schöner als auf dem Plan, hat irgendwie Sixties-Flair, das Stück, die schwarzweißen Pickguards hauen optisch voll rein, richtig gut das.


13.Juli 2003 (7 h) Am Morgen denke ich noch, ich sei mitten im Schöpfungsprozess, am Abend liegt alles montagebereit auf dem Tisch. Nix mehr Bohren, nix mehr fräsen, nix mehr sägen, nix mehr schlei...doch, Moment mal, das mache ich gleich noch: Den Body und den Hals vor dem Ölen & Wachsen mit dem Schwamm nässen und nach dem Trocknen die dann aufgerichteten Fäserchen noch einmal mit feinstem Schleifpapier eliminieren. Heute gab's viel Fitzelkram zu erledigen, noch die Poti-Kammer von hinten auffräsen (das Poti sitzt nicht im Pickguard, sondern im Deckenholz), die Schall-Löcher mittels Schablone in die Decke fräsen, alle Löcher bohren, allem den (vor)letzten Schliff geben, Pickup-Öffnungen in die Schlagbretter sägen, Pickups in die Pickguards montieren, alles ganz schön zeitaufwändig und popelig. Aber dann: Ich lege das Schleifpapier weg und grübele, was denn nun noch alles kommt, aber nein, vorbei ist's mit der Schinderei, plötzlich ist Sabbat mit der groben Maschinenarbeit. Jau, un' gezz, wat nu? Ers' ma' wegpacken, den ganzen Kram. Morgen geht's also weiter mit Ölen & Wachsen, Löten und evtl. Klampfe justieren, dann haben wir fertig!

14.Juli 2003 (8 h) Klampfe endgeschliffen, geölt und gewachst, anschließend TremNut-Sattel eingebaut, musste dazu ein 0,5 mm Ahorn-Plättchen unterkleben (der Sattel ist schon gekerbt, an die tadellosen Kerben will ich nicht 'ran). Dann PU-Fräsungen und Schaltfach mittels Kupferfolie und Litze abgeschirmt, dann Elektrik gelötet. Sieht einfach klasse aus und funktioniert. Endmontage und Justage erfolgen morgen.

15.Juli 2003 (8 h) Finito! Elvis singt, und zwar laut und deutlich, vor allem der Hals-PU ist 'ne Wucht, wie der späte Elvis mit viiiiel Bauch und Tiefe. Die PRS-angehauchten Zwischenpositionen sind clean 'ne Wucht, Zwitter aus Tele & Strat, für den Crunch und Lead kommen Hals und Steg-HB gleichermaßen gut, wobei das Rhythmus-Brett eher dem Steg-PU, singende Soli dem Hals-PU am besten stehen. Der gesplittete Hals-PU (halsseitige Spule) hat 99% Stratgehalt, sehr schön und kaum zu glauben, lediglich die Parallel-Schaltung des Steg-HB kommt eher mäßig, braucht auch nicht wirklich jemand, war aber ein Versuch wert, die übrigen Sounds machen das mehr als wett. Alles in allem kommt die Klampfe sehr luftig und perkussiv, allerdings ist das Sustain genial lang - der dicke Hals ist Schuld! Auffällig ist, wie anders die Gitarre je nach Stellung des Volume-Reglers klingt, den muss man definitiv mit in's Spiel bringen, sonst kennt man nur die halbe Wahrheit. Den Tonregler vermisse ich keinen Meter, bereue es nicht, auf diesen verzichtet zu haben. Kaum zu glauben, die hab' ich gebastelt! Klar, alte Profi-Hasen können das auf jeden Fall viel besser, aber sonst hätten die ja auch keine Daseinsberechtigung. Trotzdem ist das eine schicke Sache, in rund 70 Stunden eine nicht ganz unkomplizierte, halbmassive E-Gitarre mit Hilfe von Literatur als Anleitung gebaut zu haben, die hinterher auch noch richtig gut klingt. Danke nochmals den bereits genannten Helden sowie vor allem min Fru, die mir die Bücher, Aufmerksamkeit und die Zeit zum Planen und Bauen geschenkt hat.

Bilanz 40 h Plan entwerfen und zeichnen, 70 h bauen & einstellen, 270 Euro für Holz und Hardware und 370 Euro für zusätzliches Werkzeug, welches mir noch fehlte, haben sich aus meiner Sicht wirklich gelohnt. Prädikat: Nachahmenswert! Als nächstes eine akustische...?!...

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