Als ich größer wurde und von der klassischen in die moderne Musik wechselte, packte ich die Ibanez wieder aus. Ich spielte sie etwa ein halbes Jahr, bevor ich meine Squier Stratocaster bekam, danach spielte ich beide parallel.
Die Ibanez ist mittlerweile an die dreißig Jahre alt (ich kenne mich mit den Seriennummern nicht so aus. welches Alter indiziert denn 75409?), aber immer noch in einwandfreiem Zustand. Die meisten der Gebrauchsspuren die sie aufweist sind durch mich entstanden, denn mir mangelte es (meine ich heute) lange Zeit an Respekt vor der Gitarre, und ich habe sie unvorsichtig transportiert, und auch mal betrunken gespielt und sie dabei x-mal gegen Wände und Türgriffe gehauen.
Wie man an den Fotos sieht hat sie's aber gut verkraftet, der einzige Schaden den man sofort sieht ist ein durchgehender, (vom Spieler aus gesehen) vertikaler Kratzer auf dem Pickguard, dessen Entstehung mir ein Rätsel ist. Gegen's Licht sieht man natürlich die Plektrumspuren, die in Jahren intensiven Spielens das Pickguard etwas ermattet haben.
Das bemerkenswerteste an der Gitarre ist meiner Meinung nach die tiefe E-Saite, denn sie ist mittlerweile zwischen 20 und 30 Jahren alt. Sie klingt aber dennoch tadellos, und sie ist ein Teil, das ich erst erneuern werde wenn es nicht mehr in Ordnung ist. Wenn ich die Saiten wechsle, dann nur die anderen fünf, und die auch nicht alle zusammen, sondern nur wenn eine reißt, denn dauernd Saitensets für vier Gitarren zu kaufen ist für meine Verhältnisse einfach zu teuer. Mir reicht's wenn die beiden E-Gitarren immer frische Saiten haben, die Ibanez und die Konzertgitarre benutze ich mangels Verstärkbarkeit sowieso kaum bei Auftritten.
Die Stimmstabilität ist nicht so gut wie die meiner anderen Gitarren, doch das mag am Alter der Mechaniken liegen, die immerhin seit 30 Jahren ununterbrochen die Saiten festhalten (mein Vater machte sich nicht die Mühe, die Saiten zu lockern oder abzuspannen, als er aufhörte die Gitarre zu spielen, und so stand sie zwanzig Jahre lang mit fest aufgespannten Saiten in der Gegend herum; der Vater eines Freundes machte das gleiche, doch das war wohl etwas zu viel für den Leim, mittlerweile liegt das Griffbrett nicht mehr fest auf dem Korpus auf, sondern 'schwebt' in etwa 1,5cm Entfernung. Ich bin ernsthaft gespannt, wie lange diese Gitarre noch in einem Stück bleibt. Der einwandfreie Zustand der Ibanez beweist mir ihre gute Verarbeitung).
Nachdem ich meine Stratocaster erhielt war die Ibanez eine Zeitlang etwas im Hintergrund, doch ich nahm sie jede Woche mit zum Gitarrenunterricht, da mein Gitarrenlehrer in der Regel keinen Verstärker dabeihatte (jetzt werde ich mal meine Casino mitnehmen, aber wer weiß wie lange...).
Sie diente auch als Gitarre für kleinere Klassenvorspiele der Musikschule, bei denen ich Stücke spielte, die für Westerngitarre geschrieben waren und bei denen die Lautstärke einer akustischen Gitarre ausreichte. Einmal benutzte ich sie aber auch bei einem größeren Vorspiel und ließ sie über ein Mikrofon abnehmen. (Ich spielte 'Norwegian Wood')
Im vergangenen Jahr habe ich die Ibanez wieder vermehrt genutzt, weil ich einige junge Musiker kennenlernte, die selbst nur E-Gitarren besitzen, und die es zu schätzen wissen wenn jemand eine akustische Gitarre zum Zelten oder zu anderen Veranstaltungen mitbringt, bei denen sie sonst auf eine Gitarre verzichten müssten.
Somit ist die Ibanez momentan meine nützlichste und meistgespielte Gitarre, auch wenn ihr meine neue Casino den Rang ablaufen könnte.






















