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Vox AC30CC2

Mein Vox AC30CC2, momentan mein Hauptverstärker.

Mitte 2005 stellte ich immer öfter fest, daß mein kleiner Marshall-Combo (MG15CDR) für das Zusammenspiel mit anderen Musikern einfach nicht laut genug war; außerdem war ich mit der Tonqualität schon länger unzufrieden. Im März war ich in einem Musikgeschäft in Amsterdam an einen Katalog von Vox gekommen und hatte als Fan von 50er/60er-Jahre Designs sofort gefallen an der Custom-Classic-Serie gefunden. Somit war die Entscheidung, welchen Verstärker ich mir denn nun kaufen sollte, stark eingegrenzt. Eigentlich hatte ich Interesse an einer Top+Box-Kombination, doch war ich mir nicht sicher, ob 30 Watt genug Druck entwickeln würden, um eine 4x12-Box einigermaßen auszulasten, und angesichts des höheren Preises, den das AC30CCH-Topteil plus eine V212BN-Box gekostet hätten, hatte ich mich recht schnell für den 2x12-Combo entschieden. Also flugs im Internet rausgesucht und bestellt.

Nach über einem Monat kam schließlich ein riesiges Paket, und als ich das 32kg-Monstrum mit Hilfe meines Bruders aus dem Karton gehievt hatte, spürte ich, daß ich die richtiege Entscheidung getroffen hatte. Ich schloß ihn sofort an, legte den Power-Schalter um und krallte mir, während die Röhren vorgewärmt wurden, schonmal meine Gitarre. Gespannt legte ich den Standby-Schalter um und hörte zum erstenmal das warm brummende Einschaltgeräusch eines guten Röhrenverstärkers. Ich staunte sofort über die Nebengeräuscharmut - mein Marshall gibt bei vergleichbarer Lautstärke schon ein hörbares Rauschen von sich. Bedingt durch die geringe Größe meines Zimmers spielte ich ersteinmal eher leise vor mich hin und erfreute mich an dem klaren, perlenden Cleansound. Was mich daran auf Anhieb am meisten begeisterte war, wie klar der AC30 die Charaktere der einzelnen Instrumente wiedergibt. Während meine Strat und meine Casino über den Marshall fast gleich klangen stellt der Vox detailliert heraus, wie verschieden diese Gitarren eigentlich sind. Die Strat strahlt endlich den quäkenden Fender-Twang aus, den man mit solch einer Gitarre verbindet, und die P-90s der Casino zeigen ebenfalls die Eigenschaften für die diese Pickups bekannt sind, nämlich die natürliche Wiedergabe, die dem akustischen Klang besonders nahe kommt.

Als nächstes stand der Test von Reverb und Tremolo auf dem Programm. Praktischerweise sind beide mit dem mitgelieferten Fußschalter schaltbar. Der Federhall klingt sehr gut, zwar klar nach Federhall, aber doch nicht scheppernd. Man kann ihn sehr stark zumischen, bevor das trockene Signal untergeht. Der Tremolo-Effekt moduliert sehr weich, äußerst harmonisch und die Geschwindigkeit läßt sich über ein breites Spektrum regeln. Dreht man den Regler ganz nach links und blendet das trockene Signal aus (Depth-Regler nach ganz rechts), ergibt sich eine extrem langsame Modulation, mit der man wunderbar "schwebende" Klänge erzeugen kann, wobei das Signal zwischendurch komplett verschwindet. Man kann den Tremolo bis zu hohen Geschwindigkeiten einstellen, wobei er jedoch nie hämmert, sondern immer relativ weich moduliert - da sieht man klar die Orientierung am Original AC30. Dementsprechend sind damit natürlich auch keine modernen, abgehackten Tremolo-Klänge möglich, sondern die der späten 50er und frühen 60er.

Lautstärkebedingt mußte ich die meiste Zeit clean spielen, da trotz Mastervolumenregler bei Zimmerlautstärke quasi keine Verzerrung möglich ist. Vor einiger Zeit war ich jedoch allein zu Hause und konnte in Ruhe aufdrehen: Master auf 6 Uhr, Top Boost Volume auf 6 Uhr (von vorne gesehen; die Kontrollen sind Vintage-mäßig auf eine Bedienung von der Rückseite her ausgelegt - also beides ca. 50 des Regelweges). Ich begab mich ins Nebenzimmer und drehte den Volume-Regler an der Gitarre auf. Was dann ertönte, versetzte mich in Verzückung: Eine unbeschreiblich sahnige, warme, bluesige Verzerrung, mit nichts vergleichbar, was ich bis dahin aus einem Transistorverstärker oder (allerdings billigen) digitalen Effektgerät gehört hatte - da sieht man, daß die guten alten Röhren eben wirklich nicht so leicht zu ersetzen sind. Zugleich demonstrierte der AC30 eindrucksvoll, wie laut 30 Röhren-Watt sind - CDs, Kassetten, Schallplatten, diverse Bücher und eine Uhr im 3 Meter entfernten Regal wurden umgeworfen.

Die Klangregelung besteht zwar nur aus zwei Reglern (Treble und Bass), die dafür aber sehr effizient arbeiten. Man kann mit ihnen wirklich den kompletten Sound verbiegen. Zusätzlich kann man die Höhen noch mit dem Cut-Regler bearbeiten, der beim Aufdrehen Höhen ausblendet.

An der Rückseite finden sich neben Lautsprecherausgang, Fußschalteranschluß und Einschleifweg für externe Effektgeräte noch einige Schiebeschalter, die ich einige Zeit völlig vergessen hatte. Als ich neulich noch einmal in die Anleitung sah, stieß ich wieder darauf und betrachtete sie einmal näher: Da wäre zunächst ein Schalter zum Einstellen der Impedanz bei Betrieb von externen Boxen, dann ein äußerst praktischer Schalter mit der Bezeichnung "Output Bias", der sich standardmäßig in der Stellung "50 Hot" befindet, und der beim Umschalten auf "82 Warm" die Ausgangsleistung des Verstärkers auf 22 Watt RMS herunterregelt - sehr praktisch, wenn man den AC30 zu Hause benutzt, wie ich es tue, und daher nicht soviel Lautstärke benötigt. Außerdem soll diese Funktion laut Anleitung die Röhren schonen. Als drittes gibt es noch den Schalter "Smoothing", den man auf 22µF "Vintage" oder 44µF "Modern" stellen kann. Standardmäßig steht er auf "Vintage" und die Umschaltung auf "Modern" bringt eine klare Soundkompression und zugleich Verringerung der (ohnehin leisen) Nebengeräusche, sodaß z.B. das Einschaltgeräusch kaum noch hörbar ist.

Somit ist der Vox AC30CC2 ein trotz seines auf den ersten Blick einfachen Aufbaus ein recht vielseitiger Verstärker, der meine Bedürfnisse sehr gut erfüllt und an dem ich hoffentlich noch lange meinen Spaß haben werde.

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