Der HBP120 gehört in die Preisklasse unter 100€ und damit klar ins Einsteigersegment. Was das 'P' im Namen zu bedeuten hat, erkennt man auf den ersten Blick, schließlich handelt es sich hier eindeutig um den Nachbau eines Fender Precision Bass. Das Instrument verrät nicht, in welchem fernöstlichen (nehm ich jetzt einfach mal an) Land es gebaut wurde, noch trägt es irgendwo eine Seriennummer. Die Website von Thomann gibt als Auskunft noch her, daß der geschraubte Hals aus Ahorn (oh Wunder) und das Griffbrett aus Palisander ist. Aus welchem Holz der Korpus ist kann man nur spekulieren; meine Ohren sind jedenfalls nicht ausreichend geschult, um bestimmte Holzarten an deren Klang zu erkennen. Positiv ist zu sagen, daß der Baß äußerst solide gebaut ist, die Verarbeitung läßt keine Kritik zu. Der Hals sitzt sauber in seiner Ausfräsung und Gurt- und Potiknöpfe waren, als der Baß geliefert wurde, bombenfest.
Auf diesem Instrument habe auch ich angefangen Baß zu spielen, und bis zu meinem ersten Besuch auf der Musikmesse konnte ich mich über die Bespielbarkeit kaum beklagen. Nachdem ich dort jedoch Vergleichsmöglichkeiten hatte, wurde meine Sicht etwas modifiziert: Der HBP120 hat einen relativ breiten Hals, dessen Bespielbarkeit eher mittelmäßig ist (aber was will man erwarten). Größter Makel sind hier die schlecht gerundeten Griffbrettkanten, die dafür sorgen, daß man nach einer halben Stunde Spiel einen schmerzhaften, 3 Millimeter tiefen Schlitz in der Hand hat.
Erstaunlicherweise klingen die Töne recht ausgeglichen, es gibt keine Lage in der der Ton irgenwie dünn und schwach klingt. Dafür klingen höhere Töne, gerade auf der D- und der G-Saite äußerst penetrant, es gibt dann irgendwie einen stehenden Ton, der kaum abklingt und alles andere überdeckt. Das herunterregeln der Höhen verstärkt diesen Effekt eher als daß es ihn abmildert. Auch kurze Passagen in den höheren Lagen geraten so zur Tortur für die Ohren und trüben das ansonsten recht homogene Klangerlebnis.
Alles in allem produziert der konventionell montierte P-Tonabnehmer aber einen ganz ordentlichen Ton, über den man sich in dieser Preisklasse ganz und garnicht beklagen kann. Nachdem die Potis anfänglich einen ordentlichen Eindruck machten, wurden sie vor einem halben Jahr zum ersten Problemfall (abgesehen von den üblichen verdächtigen, wie sich lockernden Schrauben an Gurtpins und Klinkenbuchse). Sobald man sie dreht bekommt man nämlich aus dem Verstärker ein lautes Knistern zu hören, was für diesen Baß das k.o. für den Einsatz außerhalb der eigenen vier Wände war, da die Kosten einer Reparatur fast unweigerlich den eigentlichen Wert des Instrumentes übersteigen würden (Ich bezahlte meinem Bruder vor einem dreiviertel Jahr 30€ dafür).
Also kaufte ich mir einen Fender Jazz Bass und der Harley Benton HBP120 fristet von jetzt an ein Schattendasein als Ersatzinstrument für äußerste Notfälle...


















