Epiphone Casino
Ja, meine Casino...
Eine tolle Gitarre, ich würde fast schon sagen - eine Traumgitarre.

Ich habe sie jetzt gerade zwei Wochen und bin vollauf zufrieden. Der Kaufgrund war, dass ich nach vermehrtem Kontakt
mit anderen Gitarristen, ihren Instrumenten und Verstärkern entdeckt habe, dass meine Squier Stratocaster nicht so das
Wahre ist. Ich begann also mich nach einer neuen Gitarre umzusehen, und mir fiel zunächst die Gretsch G6119 'Tennessee
Rose' ins Auge. Ich merkte aber schnell, dass diese kaum unter 2000,-€ zu haben war und beschloß, nach etwas anderem
zu schauen. Für mich stand fest, dass es eine Jazzgitarre sein sollte, denn ich wollte nicht einfach einen Ersatz
sondern eine Ergänzung zur Stratocaster. Bei meiner Suche begegnete ich dann der Gibson Casino, die John Lennon
jahrelang gespielt hat. Diese Gitarre sagte mir sehr zu, doch ihr Preis von ca. 3500,-€ sprengte erst recht den Rahmen
meiner Ersparnisse.

Ich dachte mir 'manchmal muß man eben Abstriche machen', und sah mich stattdessen nach einer
Epiphone um (John Lennons Casino war ebenfalls von Epiphone, das merkte ich allerdings erst später). Ich fand auf eBay
eine ES-335 Dot Sunburst für 399,-€, die ich mir sofort bestellte. Als ich sie erhielt, stellte ich fest, dass sie um
einiges besser war als meine Stratocaster, sowohl vom Klang als auch von der Bespielbarkeit her. Dafür war sie auch
noch schwerer, und hatte unverstärkt kaum Klang (ich kannte mich damals noch nicht aus und hatte gedacht, die ES-335
wäre komplett hohl und aus der spärlichen Produktbeschreibung bei eBay konnte ich nichts entnehmen, was dagegen
sprach). Mit dem billigen Nylongurt, den ich mitbestellt hatte, konnte ich die Gitarre höchstens eine halbe Stunde
spielen, bevor meine Schulter unter dem Gewicht kapitulierte. Als mein Bruder sich bei Thomann einen Baß bestellte,
stieß ich durch Zufall auf eine Casino Vintage Sunburst, die genau meinen Vorstellungen entsprach. Dort stand dass sie
innen hohl sei, und ich wußte, daß ich gefunden hatte, was ich suchte. Ich schickte also sofort die ES-335 zurück und
bestellte die Casino für supergünstige 579,-€.
Allerdings vergingen volle sechs Wochen bevor ich sie endlich spielen konnte, denn Thomann hatte sie nicht vorrätig.
Als sie dann ankam war es die Freude pur für mich. Und so komme ich schließlich auch zur Gitarre selbst: Wie gesagt -
ein Traum!

Durch das geringe Gewicht ist sie keine Belastung für mich, körperlich bin ich erst gezwungen mit dem Spielen
aufzuhören, wenn meine Fingerspitzen anfangen zu bluten oder ich dringend Nahrung oder Schlaf benötige. Die
Bespielbarkeit lässt sich nicht mit meiner Stratocaster vergleichen, mit der ich immer ganz zufrieden war. Der Hals
ist ziemlich dick und weist eine kräftige D-Form auf. Das Griffbrett ist wie für mich geschaffen. Und mit dieser
großen und breiten Gitarre fühle ich mich eigentlich wohler als mit der kleinen Stratocaster (ich habe mehr als fünf
Jahre nur akustische Gitarren gespielt). Der Klang ist super und genau nach meinem Geschmack. Mit meinem kleinen
Verstärker habe ich auch keine Probleme. Lediglich wenn ich sie an größere Verstärker hänge bzw. Lautstärke oder
Verzerrung ordentlich aufdrehe, zahle ich den Preis für das geringe Gewicht: sobald ich aufhöre, die Seiten zu
dämpfen, kommt mir ein ordentliches Feedback entgegen. Mittlerweile habe ich es allerdings unter Kontrolle und kann es
für mich ausnutzen, z. B. für den Anfang von 'I Feel Fine'. Dieses Feedback aus der Stratocaster zu holen war für mich
zu Hause ein Ding der Unmöglichkeit.
Damit bleiben an meiner Casino nur zwei klitzekleine Mankos:
1. Beim schnellen Umschalten der Pickups während des Spielens bleibt mein grobmotorischer kleiner Finger oft am
Pickguard hängen - etwas was mit dem fest angebrachten Pickguard der Stratocaster nicht passieren konnte (und ich
schalte sehr viel häufiger während des Spielens um, denn die getrennten Lautstärkeregler für die Pickups ermöglichen
mir ein schnelles umschalten zwischen Begleitungs- und Sololautstärke - etwas, das mir bei der Stratocaster immer
gefehlt hat).
2. Die Sunburstlackierung ist etwas zurückhaltend aufgetragen. Sie folgt nicht schön dem Randverlauf der Gitarre wie
auf den Werbebildern, sondern sitzt sehr in der Mitte - das ist allerdings, wie gesagt, eine Kleinigkeit. Ich habe
beim Kauf der Gitarre locker 200€ gespart, von denen kann ich sie dann ja umlackieren lassen wenn's mich zu sehr stört.
So ich schwelge dann mal weiter in meinen Träumen, oder besser - ich spiele Gitarre!