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Parker Nitefly M

Dies ist meine Parker Nitefly M. Die Nitefly ist sozusagen ein günstigerer (made in USA) Abkömmling der revolutionären Fly Deluxe Gitarre, die Ken Parker Anfang der 90er Jahre entwickelt und auf den Markt gebracht hat.

Vor mehreren Jahren besaß ich auch eine Fly Deluxe in einem schönen emerald green. Ich hole daher erst mal etwas weiter aus ;-).

So radikal das Design von Ken Parker auf den ersten Blick vielleicht anmutet, so wirkungsvoll ist dieses "form follows function"-Konzept. Auch Skeptiker und Kritiker dürften ihre Meinung zumindest teilweise revidieren, wenn sie einmal eine Fly in der Hand gehabt haben. Sie bietet nämlich eine ganze Reihe von Besonderheiten: Ungewöhnlich ist zum einen die extrem leichte Konstruktion mit einem Pappelkorpus und einem eingeleimten Linde!-Hals, das ganze wie aus einem Guß geshapt und mit einem hauchdünnen „Exoskelett“ aus Kohlefaser-Verbundstoff umgeben, um der Gitarre die nötige Stabilität zu verleihen . Das ganze wiegt 2,6 kg!

Das Schwingungsverhalten und Sustain von Parker Gitarren ist ein Erlebnis für sich, auch die Verarbeitung gehört mit zum Besten was ich je gesehen habe. Der Clou sind natürlich die Piezo-„Akustik“-Sounds, die über die Fishman Piezo Pickups im Tremolo erzeugt werden können. Auch arbeitet das Tremolo in Verbindung mit den Sperzel Locking Tunern perfekt. Was mich bei der Fly Deluxe auf Dauer abtörnte, waren die Limitierungen bei Rocksounds, ich persönlich fand die Klänge, die die beiden Di Marzio Humbucker aus der Gitarre herausholten, etwas steril. Sicherlich Geschmackssache. Da ich zwischenzeitlich auch keine Verwendung für die Akustiksounds mehr hatte, habe ich sie dann veräußert.

Scheinbar war ich nicht der einzige, der das so empfand. Nachdem es einige Jahre etwas ruhig um die Firma Parker geworden ist, wurden in letzter Zeit zahlreiche neue Modelle veröffentlicht, teils erstmals aus Korea-Fertigung, teils aus der USA-Manufaktur. Die Fly M bietet z.B. bei der oben beschriebenen Bauart einen Mahagoni-Korpus und -Hals, die Fly Mojo ebenfalls, sie hat jedoch Duncan- statt Di Marzio Pickups, wobei auch letztere bei den aktuellen Serien überarbeitet wurden. Für mich Grund genug, der Marke Parker noch mal eine Chance zu geben. Ein aktueller Test der Mojo erschien ja auch in Gitarre&Bass.

Nachdem es auch früher bereits die günstigere Nitefly aus USA-Fertigung gab (damals ausschleßlich als SSS- oder HSS-bestückter Strat-Verschnitt mit großflächigem Plastikpickguard und passivem Piezo-System), wurde auch diese Serie erweitert und überarbeitet. Die ursprüngliche Nitefly ist weiterhin als Nitefly SA erhältlich, wobei sie jetzt auch ein aktives Piezo-System hat. Analog zu den Fly Modellen wurden eine Nitefly M und eine Nitefly Mojo konzipiert. Meine Gitarre ist ein M-Modell mit Di Marzio Humbuckern. Wie die Fly M besteht sie komplett aus Mahagoni, wobei jedoch ausschließlich der Hals die Carbonumhüllung hat, der Korpus wurde "naturbelassen". Der Hals hat anders als die Fly nur 22 aufgeklebte Edelstahlbünde auf dem Carbongriffbrett und wurde geschraubt, wobei der Zugang zu den hohen Lagen über eine abgerundete Ausformung des Bodies an der Halstasche erleichtert wird.

Oberflächlich betrachtet hat die Nitefly die gleiche Bodyform wie die Fly, allerdings ist die Front flach, die m.E. sehr schönen Shapings des Fly Bodies fehlen. Irgendwo muß der immense Preisunterschied ja herkommen… Die Gitarre ist ebenfalls sehr leicht. Das Tremolo ist äußerlich identisch, hat aber konventionelle Federn statt der einzelnen Blattfeder der Fly. Der Vorteil ist die größere Variabilität bei der gewählten Saitenstärke, denn die Fly wird nur mit Federblechen für 009er und 010er Saiten ausgeliefert. Cool ist, dass man das Tremolo durch eine Inbusschraube entweder als schwebendes oder aufliegendes System einstellen kann.

Ansonsten hat sie die gleichen, modifizierten Di Marzio Humbucker wie die Fly, wobei im Gegensatz zur alten Verschaltung jetzt kein automatisches Splitting der Humbucker in der Mittelposition mehr stattfindet. Sie können vielmehr bei Bedarf durch ein Push-Pull-Poti gesplittet werden.

Mein Hauptkritikpunkt an meiner alten Fly Deluxe, der etwas sterile Leadsound, ist zum Glück ausgemerzt, die ausschließliche Verwendung von Mahagoni und die Modifikation der Tonabnehmer hat auf jeden Fall etwas gebracht. Der relativ dünne Body bringt natürlich nicht das Pfund einer Les Paul-artigen Gitarre, aber sie klingt sehr schön rockig und rotzig.

Eine weitere Änderung ist, dass der Piezo Pickup nur noch im Volumen und nicht mehr wie frührer über ein Tandem Poti auch im Ton eingestellt werden kann. Auch „erkennt“ der neue Preamp jetzt automatisch, ob ein Mono- oder Stereokabel zur separaten Verstärkung von E- und A-Pickups eingesteckt ist, man muß nicht mehr umschalten.

Über den zweiten Toggle Switch auf der Gitarre kann man dann entweder den E-Gitarren-Verstärker oder die P.A./Gesangsanlage ansteuern oder aber beides. Ein gepicktes Intro mit Akustikgitarrensound und simultan cleaner E-Gitarre mit Chorus kommt dann so richtig fett. Ein ganz netter Effekt ist auch, Akustiksounds mit verzerrter E-Gitarre zu mischen, Neal Schon und Eddie van Halen haben so was auch schon gelegentlich gemacht. Witzig ist auch der Piezo über den Distortion Kanal, das klingt sehr glasig aber nicht einmal schlecht. Es erinnert an den Gitarrensound der Nummer „Best of both worlds“ von Van Halen auf der 5150 Platte. Sicherlich aber nichts, was man häufig einsetzen kann.

Die Nitefly ist definitiv eine coole Gitarre und durch die Akustiksound Option genau das, was ich für meine Band gerade brauche.



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