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FENIX ST20RBWT Stratocaster

Da liest man diese Bezeichnung ST20RBWT und fragt sich, wofür dieses Kürzel denn steht. Mit ST habe ich da noch die wenigsten Probleme. Stratocaster. Passt. 20? Keine Ahnung. 2000? Millennium? Wäre möglich. Passt. RB? Ritchie Blackmore? Seine Strat sieht der FENIX nicht unähnlich. Passt. WT? World Tour? Hat Ritchie Blackmore 2000 eine Welttournee absolviert. Ist ja auch egal. FENIX hat also vermutlich anlässlich der möglichen Welttournee von Ritchie Blackmore in Erinnerung an dieses Ereignis diese Gitarre gebaut. Toll. Schön wär´s. Genug der Phantasie. Mit ST = Stratocaster dürfte ich wohl richtig liegen. 20?. Offen gestanden habe ich da keinen Plan. R könnte für Rosewood stehen. B: she. 20. W steht aller Wahrscheinlichkeit nach für White und T wohl für Tremolo. Es bleibt aber trotz aller Logik Spekulatius, äh Spekulation.
Fakt ist, dass FENIX-Gitarren bei ihrer Messepräsentation für Furore in der Szene gesorgt haben. Initiator zur Gründung der Firma FENIX soll übrigens ein gewisser George Kuklinski gewesen sein, der in den 70er und 80er Jahren als renommierter Fachjournalist tätig war.
Hier wurde für wenig Geld eine Top-Qualität angeboten. Ich hätte damals, als ich noch nicht das Geld für eine originale FENDER Stratocaster hatte, Salto geschlagen, wenn ich solch ein Teil für dieses Geld bekommen hätte. Statt einer FENIX war es dann eine MORRIS im Naturfinish, die als FENDER-Ersatz herhalten musste. Die MORRIS war aber ebenfalls ein Sahneteil. Den Verkauf bereue ich heute noch. Ich habe das Teil mindestens ebenso geliebt, wie ich mir eine originale FENDER Stratocaster gewünscht habe. Pimp my Ride auf MTV gab es noch nicht und ich praktizierte schon Pimp my Guitar. Die große Kopfplatte (70er Stil) bekam mit Rubbelbuchstaben einen geschwungenen ´Stratocaster´-Schriftzug verpasst und auf die Konterplatte für den Hals sowie auf die Gehäuse der Mechaniken ließ ich bei einem ortsansässigen Juwelier je ein FENDER-F gravieren. Das sah absolut authentisch aus und hat damals (1975) alles in allem keine 20,- DM gekostet.
Mit einem FENIX-Hals wäre ich dem Original noch ein Stückchen näher gekommen, denn der FENIX-Schriftzug ähnelt dem FENDER-Schriftzug auf den ersten flüchtigen Blick verblüffend. Das Design des FENIX-F wurde nicht umsonst so gewählt, daran besteht kein Zweifel. Hier hat man sich ziemlich weit aus dem Markenschutz-Fenster gelehnt, ohne jedoch das Übergewicht zu verlieren. Man hätte das Teil auch FENDIX taufen können und das F dem FENDER-F 1:1 nachempfinden können. Das hätte aber mit ziemlicher Sicherheit Äger gegeben, denn auch das FENDER F ist geschützt.

Dass es sich bei der FENIX um eine Strat-Kopie handelt, dürfte außer Frage stehen, wobei man sich bei FENIX zumindest in der Zeit, als es noch ungestraft möglich war, ziemlich penibel am Original orientiert hat. Kein Wunder, hat FENIX in dieser Zeit doch auch die SQUIER-Gitarren für FENDER gebaut. FENDER suchte damals zu Anbeginn des Vintage-Wahns nach einer preiswerten aber qualitativ hochwertigen Möglichkeit, die alten Modelle aus eigenem Hause wieder aufleben zu lassen. Gleichzeitig war man quasi gezwungen die kopierende Konkurrenz aus Fernost auf eigenem Terrain zu attackieren. FENDER klagte bei den Urheberrechtsprozessen vornehmlich gegen Konkurrenten, die wirklich gute Qualität produzierten. FENDER wagte sich in die Höhle des Löwen (oder sollte man besser sagen des Drachen?) und suchte sich einen Hersteller, der in der Lage war, die geforderte Qualität zu liefern. Für die FENDER Vintage-Modelle ließ man in Japan produzieren und zwar in einer Qualität, die den Mitarbeitern im Stammhaus in Corona die Tränen in die Augen trieb. Die Fernost-Strats übertrafen alle Erwartungen. Für SQUIER wählte man den koreanischen Pianohersteller YOUNG CHANG, der auch für HOHNER und STEINWAY & SONS baut. Unter seiner Regie entstand auch die hier präsentierte Gitarre.

Das mit der optischen 1:1 Umsetzung muss man allerdings differenziert sehen, denn die PU-Kappen der FENIX Sensors decken die PUs komplett ab, haben also keine Löcher für die Polepieces. Im Prinzip gehen die PUs optisch als FENDER Vintage Noiseless oder Gold Sensor Lace durch. Da die PUs selbst vor einem eingeschalteten Fernseher und bei Stellung 1,2 oder 3 (also nicht Zwischenstellung) weitestgehend brummfrei sind, vermute ich fast, dass es Humbucker im Single-Coil-Format sind.

Gewollt oder nicht gewollt - die Korpuskanten der FENIX haben in der Tat eine Kante, die eigentlich keine ist. Aber der Übergang von der Decke zur "Zarge" und anschließend weiter zum Boden ist längst nicht so wohl gerundet wie bei den FENDER-Strats. Das wirkt sich aber in keinster Weise negativ auf irgendwas aus. Es fällt nur auf. Und zwar so, dass die an sich betörende Korpusform unterstrichen, quasi doppelt betont wird. Von daher weiss ich nicht, ob Zeitersparnis beim Schleifen oder Ästhetik der Grund für diese "Kante" ist. Die Korpusdicke dagegen entspricht auf den Millimeter genau der einer handelsüblichen FENDER Stratocaster.

Gewollte und damit konkrete Abweichungen gibt es aber beim Tremolo. Die Aufhängung des Tremolos, das massiver wirkt als das original FENDER-Tremolo, entspricht der Aufhängung neuerer Strats, z.B. der FENDER Lite Ash-Strat. Der Jammerhaken ist lediglich gesteckt und wird mittels einer Madenschraube gegen Herausrutschen gekontert. Desweiteren fehlt der Plastikaufsatz am Hebelende.

Auf der Rückseite fällt auf, dass man sich bei FENIX die Mühe gemacht hat, die Federkammerabdeckung bzw. die Aufnahme für die Abdeckplatte so auszufräsen, dass die Platte bündig mit dem Korpus abschließt. So viel Mühe macht man sich bei FENDER in der Serie nicht. Das kenne ich nur noch bei BLADE. Als ich diese Gitarre hier gekauft habe, hing im Laden eine weitere FENIX Strat Diese FENIX hängt mittlerweile bei mir und hat im Gegensatz zur hier vorgestellten FENIX einen Maple-Griffbrett, einen Rollensattel und eine modifzierte Kopfplatte - sicher Folge eines Rechtsstreites mit FENDER oder Präventivmaßnahme, um einem Rechtsstreit aus dem Weg zu gehen. Aus optischen Gründen (klanglich gibt es keinen wahrnehmbaren Unterschied) hatte ich mich zunächst für diese Gitarre hier entschieden - eine nahezu 1a Kopie des Originals und diesem halt optisch näher.

Der Korpus soll zweiteilig sein und zwar nicht rechts/links, sondern oben/unten !!!. So wurde es jedenfalls auf einer US-Seite im Guitarpool zu einem Nachfolgemodell (die Baureihe, die ich habe hängen lassen) der hier abgebildeten FENIX-Strat beschrieben. Man lernt nie aus.

Da sie im Vergleich zu einer FENDER etwas an Spritzigkeit vermissen lässt, habe ich mir natürlich schon überlegt, andere PUs einzusetzen. Andererseits würde sie dann eben wie eine FENDER klingen und davon habe ich nun wirklich genug mit allen möglichen Klangnuancen. Dreht man den Amp nämlich weit genug auf, dann hat diese Gitarre nicht nur einen anständigen sondern auch eigenständigen Klang, der es eigentlich nicht erforderlich macht, über eine PU-Neubestückung näher nachzudenken. Aber ganz durch bin ich mit der PU-Frage noch nicht.

Ungeachtet dessen spiele ich diese Gitarre unheimlich gerne, mitunter sogar lieber als das eine oder andere Original. Und das will schon was bedeuten. Der Hals fühlt sich fantastisch an, lässt sich unheimlich bequem bespielen, liegt sehr, sehr angenehm in der Hand. Dieser Hals braucht sich hinter keinem Hals des Original-Herstellers verstecken. Etwas Besseres hatte ich jedenfalls noch nicht in der Hand. Auf diesem Teil fühlt man sich einfach sauwohl.

gekauft 2003 für 348,- Euro



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