Eines vorweg - ich habe in diesem Forum bei den Bewertungen schon mindestens 1 abfällige Meinung über
JOHNSON Gitarren (und explizit zu diesem Modell) lesen müssen, die noch nicht mal im Ansatz objektiv
begründet wurde. Und dem betreffenden Verfasser sei gesagt, dass ich selten ein besseres
Preis-Leistungsverhältnis bei Gitarren erlebt habe.
Darüber hinaus schnitten JOHNSON Gitarren in diversen GITARRE & BASS-Testberichten durchweg mehr als gut ab und obwohl ich noch keinen Testbericht gelesen habe, wo eine Gitarre auch ohne Pauken und Trompeten durchgefallen ist, so weisen die Tester sehr wohl auf offenkundige und erkannte Mängel (mitunter auch subjektiver Natur) hin.
Ungeachtet dessen bin ich fast geneigt meine Ritchie-Blackmore-Strat darauf zu verwetten, dass die Tester bei GITARRE & BASS spieltechnisch mehr auf dem Kasten haben, als derjenige, der offensichtlich nur auf einer superflach eingestellten GIBSON klarkommt (". . . da rast man die Saiten nur rauf und runter . . . " - Zitat Ritchie Blackmore und der wird wohl wissen, wovon er spricht. Wo er Recht hat, hat er Recht). Genug.
Zur JOHNSON JP-LP-DS-T 20th Anniversary. Diese Gitarre, von der es nur 200 Stück (davon 60 für Deutschland) gegeben haben soll (man möge mich korrigieren, falls es nicht stimmt), macht optisch richtig was her. Dem steht der Klang in nichts nach. Mein Händler hat sie mir wärmstens empfohlen. Fast zeitgleich sah ich eine Vorankündigung in GITARRE & BASS und habe sie fast blind geordert (d.h. zurück legen lassen). Als ich sie schließlich abholen wollte, standen 4 (!) von 6 georderten Modellen zur Auswahl und ich habe mich aufgrund des gleichmäßigeren, sanfteren Farbüberganges auf der Decke für diese hier entschieden. Im GITARRE & BASS-Test (Heft 11/2004) kommt das Teil mehr als gut weg.
Schade nur, dass diese Gitarre keinen richtigen Namen hat. Das gilt übrigens für alle JOHNSON-Gitarren. Diese Buchstabenkürzel sind nämlich ätzend. Wenn man schon eine Gitarre mit so viel Liebe zum Detail baut wie diese hier, dann hat die Gitarre auch einen richtigen Namen verdient, finde ich.
Neben einer ausgeprägten Curly-Maple-Decke (aus Echtholzfurnier !) weiß die JOHNSON JP-LP-DS-T 20th Anniversary durch eine reichhaltige Abalone-Verzierung am Decken- und Griffbretttrand bis hoch zur Kopfplatte zu begeistern. Das ist weder Classic noch Standard, das ist Custom.
Die Aufnahmen gestalteten sich relativ problematisch, weil der Curly-Maple-Effekt bei Fotografien in der Wohnung nicht anständig rüber kam oder das Blitzlicht zu stark reflektiert wurde. Mit Werksfotos wollte ich mich hier nicht aus der Affäre stehlen.
Draußen auf dem Balkon bei strahlendem Sonnenschein ohne ausreichend Schatten kommen hier Farbgebungen zur Geltung (rot, gelb), die man bei normaler Betrachtung vergeblich sucht. Dadurch wurde aber der Curly-Maple-Effekt intensiviert. Tatsächlich ist das Curly-Maple so ausgeprägt wie auf den Fotos zu sehen, jedoch insgesamt in einem warmen Braun gehalten. Das bei bedecktem Himmel im Winter geschossene Foto kommt der tatsächlichen Farbgebung wesentlich näher. Kurz gesagt, eine traumhaft schöne Decke, die das Nachfolgemodell JP-LPD-T in dieser Ausprägung bei weitem nicht erreicht.
Klanglich ist sie kein Leisetreter, hat ausreichend Power, sich auch gegen teurere Schwestern durchzusetzen.
Die positive Bewertung des Preis-Leistungsverhältnisses gilt bei kaum einer anderen Gitarre mehr als bei dieser. Jede Wette - dieses Schmuckstück aus dem Hause GIBSON würde die 10.000,- Euro-Hürde locker nehmen und noch den einen oder anderen Tausender drauflegen. Und komischerweise würde niemand die wesentlich reichhaltiger verzierte GIBSON Les Paul ´Samurai´ als prollig bezeichnen. Warum auch? Schließlich steht ja GIBSON auf der Kopfplatte.
Oder käme einer auf die Idee, die 1.000.000th MARTIN, die in GITARRE & BASS vorgestellt wurde, als prollig zu bezeichnen? Wohl kaum. Dagegen sieht die JOHNSON aber fast ärmlich aus. So what - schließlich feiert man ein Jubiläum. Da darf man ruhig mal etwas dicker auftragen. Ich will diese JOHNSON weiß Gott nicht auf GIBSON-Niveau hochloben, obgleich, sie klingt gut und mit einer anderen PU-Bestückung wäre ihr sicher noch mehr zu entlocken. Aber das braucht es eigentlich gar nicht. Was sie leistet reicht vollkommen - vor allem für das Geld. Würde sie ein namhafter Gitarrero spielen - jeder würde den Mund nicht mehr zukriegen und nur denken "Wow - was für eine Gitarre!" Und Johnson könnte sofort locker das 5 bis 10-fache dessen verlangen, was ich bezahlt habe und keiner würde meckern. Selbst auf den Listenpreis bezogen ginge diese Rechnung noch glatt auf. Als Alltagsgerät und/oder zum Verheizen auf der Bühne ist sie trotz des fast schon "geschenkt"-Preises sicher zu schade. Für die Vitrine, wo sie sicher als Augenweide toll zur Geltung käme, wäre sie ebenfalls zu schade. Dafür klingt sie dann doch wieder zu gut und lässt sich nicht minder gut spielen. Das Teil macht einfach Freude. Insoweit kann ich mich dem Test in GITARRE & BASS nur anschließen und muss allen Kritikern und Neidern vehement widersprechen. Erst spielen, dann meckern (aber bitte mit handfesten Argumenten). Hallo? Schweigen im Gitarrenwalde? Dachte ich es mir doch. Wenn´s konkret wird, kommt meistens nichts mehr. Sollen die Kritiker das Ding schlecht reden - ich bin zufrieden mit dem Teil. Zufrieden auch deswegen, weil ich weiß, dass die Neider an dieses Teil so schnell nicht rankommen.
UVP: 699,- Euro, gekauft 2004 für 399,- Euro
Siehe auch Test GITARRE & BASS 11/2004





















