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VESTER Stage Series ´Catalina´

Gerade bei den Tele- und Strat-Kopien sieht man sehr schön, wie sich der von FENDER (verständlicherweise) initiierte Rechtsstreit auf das Design auswirkt. Waren die an anderer Stelle vorgestellten VESTER-Teles überwiegend noch nahezu exakte 1:1-Kopien des Originals, so musste diese hier zumindest bei der Kopfplatte Federn lassen. Die Kopfplatte wurde leicht modifiziert, erinnert aber immer noch stark an eine Telecaster. Die Absicht ist also klar. Vorbild war zweifelsfrei eine Broad-, No- oder frühe Telecaster.

Würde man den Hals gegen einen FENDER-Hals (ab ca. 150,- Euro) tauschen, käme von der Optik her kaum jemand auf den Trip, dass es sich hier nicht um eine FENDER handelt. Da wäre dann lediglich noch die mit dem Herstellernamen (VESTER) gravierte 4-Punkt-Konterplatte. Aber wenn man das Teil schon mit einem FENDER-Hals aufmotzen wollte, dann wird man kaum die Original-Konterplatte unverändert lassen. Ob diese Pimp-my-Guitar-Aktion den Klang ebenso aufmotzt sei dahin gestellt.

Der Hals selber ist sauber bundiert - keine scharfen Kanten. Kopfplatte und Hals sind aus einem Stück, das Maple-Griffbrett ist aufgeleimt. Halssockel und Korpus bilden keine Spaltmaße und überzeugen durch einen absolut ebenmäßigen Übergang an der unteren Flanke des Halsschuhs. Die gekapselten Mechaniken arbeiten tadellos.

Die Lackierung (eine Mischung aus Vintage Blonde und Vintage White) bzw. der Zustand des Korpuslackes ist nicht zuletzt wegen der vorhandenen minimalen Lackabplatzungen bis aufs blanke Holz und einen Lackriß am oberen Halsschuh ab Laden (nicht ab Werk) ´Vintage´, wie man so schön sagt. Ein schwarzes Schlagbrett und Maple-Neck/Maple-Griffbrett erinnern optisch denn auch stark an frühe Casters.

Die Schlagplatte wies aber nun auch kleine Riefen und matte Stellen auf, die zwar für den einen oder anderen den Vintage-Charakter unterstreichen, mich aber doch störten. Wie bekommt man das aber weg? Mit Zahnpasta! Ein wenig Zahnpasta auf die zu polierende Stelle geben, mit den Fingern so lange verreiben, bis ein schlieriger Film entstanden ist und nach ein paar Minuten mit einem sauberen Tuch wegwischen. Mit den nun im Tuch befindlichen Pasteresten noch ein wenig nachpolieren und feine Riefen und matte Stellen dürften erheblich besser aussehen als vor der Behandlung. Der VESTER Catalina jedenfalls hat es geholfen. (Atem)Frischer denn je präsentiert sie sich seit der Behandlung und hat von ihrem Vintage-Charme nichts eingebüßt. O.K., sie ist keine Schönheit, aber sie hat was - jedenfalls für mich - nämlich Charakter. Aus diesem Grund habe ich sie damals auch vom Haken genommen, merkte aber bei der Saitenjustierung, dass der Hals bei optimalster Saitenlage im 10. Bund eine ganz leichte Erhebung hat(te). Ohne diese Erhebung wäre die Saitenlage jeder guten GIBSON gerecht geworden. Bei schepperfrei erhöhter Saitenlage lässt sich das Teil aber immer noch gut spielen und was nicht weniger wichtig ist - sie klingt insbesondere über den Bridge-PU absolut telemäßig und hat wegen des (unerheblichen) Halsfehlers übrigens nur 41,- Euro gekostet (garantiert kein ebay-Kauf), sondern regulär im Laden erstanden).

Ursprünglich wollte ich die Saiten extrem hoch setzen und sie als Slide-Gitarre verwenden. Da ich aber gar nicht mal so viel nachjustieren musste, um das Teil auch im 10. Bund spielbar zu machen, habe ich die Idee mit der Slide-Gitarre wieder verworfen. Oder sollte man sie vielleicht doch ...?

Die Saiten werden durch den Korpus gezogen, was das Sustain erhöht und laufen über 3 Doppelbridges. Mit der Zeit hat sich die ´Halsmacke´ - wie soll ich sagen - verschoben, quasi von selbst eliminiert. D.h. sie hat keine Macke mehr, lässt sich einwandfrei spielen, wie jede andere Gitarre auch. Von daher ein echtes Schnäppchen.

Richtige Freude kommt auf, wenn man das Teil im Crunch-Modus spielt. Ein richtig geiler Blues-Rock-Sound. Und als ich jüngst mit ihr eine Aufnahme gespielt habe und mir das Ergebnis dann in Ruhe angehört habe, da war ich angesichts des Soundergebnisses doch mehr als - überrascht will ich nicht sagen, aber positiv angetan. So saubillig und doch so saugut. Jedenfalls waren 41,- Euro schon mal schlechter angelegt.


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