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Klira

Hier mal eine der seltsamsten gitarren, die mir bisher begegnet sind:

klira – das monster von franken(stein)

es ist (oder vielmehr war, urteilt man nach dem traurigen zustand des instruments) eine eigenwillige stratocaster-interpretation der marke "klira", geschätztes baujahr etwa mitte oder ende der 60er. sie stammt, wie auch die instrumente der marken "höfner" und "framus" aus dem fränkischen bubenreuth. gefunden auf dem frankfurter flohmarkt und für nur fünf euro aus den klauen wahrscheinlich desjenigen unholds befreit, der das arme ding so zugerichtet hat.

beim kauf war die gitarre vollkommen verdreckt, die saiten waren angerostet, und es wirkte, als habe sie drei jahre im regen gelegen. nach einer grundreinigung (ohne demontage), ölen des griffbretts und aufziehen neuer saiten stellt sich ein instrument vor, das im wahrsten sinne des wortes "zerbastelt" wurde und mit dem laufe der jahrzehnte auch sonst nicht zimperlich umgegangen wurde.

vollkommen unbekannt: das modell

den modellnamen habe ich leider nicht herausfinden können. nachforschungen im netz ergaben zumindest, daß es sich um keines der bekannteren klira-modelle handelt. die form des schlagbretts wurde von klira anfang der 60er beim modell "brasilia" verwendet, die vibrato-aufhängung gleicht jedoch dem der "triumphator" (das "quelle"-versandhausmodell).

ungewöhnlich für klira ist m.e. die verwendung von drei singlecoil-tonabnehmern, deren form – mit ellipsenförmigen aussparungen der verchromten gehäuse, bemerkenswert großen schraubenköpfen zum einstellen der polkappen und zelluloid-ähnlichen beigefarbenen körpern – sowie der kleine kippschalter. das instrument hat einen für e-gitarren aus deutscher herstellung typischen nullbund.

der klang: twang

nach dem reinigen und dem aufziehen eines satzes neuer 9er saiten der spannende moment: wie klingt sie denn? wie zu erwarten gibt der sperrholzkorpus nicht viel sustain her. die gitarre ist dank großer aussparungen im korpus unverstärkt gespielt erfreulich laut, aus dem gleichen grund jedoch auch im akustischen klangbild ziemlich hohl. der umstand, daß der massive steg auf das plastikschlagbrett geschraubt ist, steuert ein übriges dazu bei. über einen 100W-bass-brüllwürfel von roland gespielt (mit onkel leos "bassman"-emulation) klingt das gute stück schon wesentlich voller, zumindet im halspickup-betrieb, aber auch hier sind klanglich natürlich keine wunder zu erwarten.

nur für liebhaber: die schäden im detail

der sehr amateurhaft ausgeführte anstrich (anders kann man's nicht nennen) verdeckt den sperrholzkorpus, vermutlich mit vinyl- oder zelluloidüberzug, wie er bei klira-gitarren üblich war, hier ehemals rot. der obere gurtknopf fehlte, an stelle des unteren gurtknopfes steckt ein metallbolzen mit ca. 6 mm-schraubgewinde und horizontaler lochbohrung im korpus. zweck unbekannt.

um das schlagbrett und um die abdeckplatte des halseinstellstabes hat jemand, vermutlich mit lackstift, einen ca. 3 mm breiten, ziemlich wackeligen strich gezogen, der einmal weiß war.

bei jedem der drei singlecoil-tonabnehmer fehlt eine einstellschraube. der tonabnehmer in halsposition muß einmal mit roher gewalt aus seiner fassung gehebelt worden sein; das verchromte gehäuse ist auf einer seite zerkratzt und verbeult. auch ist er mit größeren schrauben befestigt als die beiden anderen exemplare. der mittlere tonabnehmer wackelt.

von den originalen drei potiknöpfen - ton ("T-", "T+B-", "T+B+", "B-"), tonabnehmerwahl (I, II, III, I+III) und lautstärke ("V.") - vermutlich die klira-typischen "vogelkopf"-drehschalter, ist keiner mehr vorhanden. zwei wurden durch drehknöpfe von einem fernsehgerät ersetzt (zumindest lassen die geprägten symbole für "helligkeit" und "kontrast" das vermuten), der knopf des lautstärkereglers fehlt, ebenso der vibratohebel.

die funktion des mini-kippschalters mit drei positionen läßt sich ohne ein zerlegen der gitarre nicht mehr feststellen. der zweck des leeren bohrlochs zwischen klinkenbuchse und volumen-poti ist mir unbekannt.

der hals weist zu beiden seiten des sattels einen etwa 5 cm langen riß auf, der wohl gerade noch rechtzeitg vorm abbrechen der kopfplatte verleimt wurde.

gewalt wurde auch der kopfplatte angetan: die werkseitig montierten stimmwirbel wurden durch geschlossene schaller-machaniken ersetzt für deren schrauben neue bohrlöcher erforderlich waren. der satz der mechaniken ist jedoch für eine kopfplatte mit beidseitigen wirbeln bestimmt, so daß sich bei dieser art der montage die wirbel für die drei hohen saiten in die falsche richtung drehen. grund für den austausch der mechaniken war anzunehmenderweise eine stimmschwäche der originale

der saitenniederhalter für für H- und E-saite wurde plattgeklopft und ist nicht mehr verwendbar. die saiten werden bei richtiger wicklung jedoch auch ohne ihn in guter lage im kunststoffsattel gehalten. die fräsungen im sattel sind sehr großzügig bemessen, so daß die saiten auch eines 12er satzes problemlos passen dürften.

fazit: wegen des desolaten zustandes des instruments war diese "monster von frankenstein"-gitarre mit fünf euro garantiert nicht unterbewertet. zum krachigen schrammeln reicht sie allemal aus. und irgendwie kultig ist sie schon.



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