Das hier ist eine besondere Hybrid-Gitarre aus dem Hause Ibanez, die man nicht allzu oft zu Gesicht bekommt:
Eine „Saber Classic“ SC500NNT in Naturfinish (NT) aus dem Jahre 1997. Das Baujahr steht anhand der
Seriennummer fest, die mit F97 beginnt, allerdings tauchte das SC500N-Modell erst ein Jahr später im
1998er-Katalog auf und wurde wiederum zwei Jahre später bereits wieder aus dem Programm genommen. Bevor John
Petrucci sein Music Man Signature-Modell hatte und noch Ibanez-Endorser war, bediente er sich auf diversen
Dream Theater Touren auch einer grünen SC500N.
Die Bezeichnung Hybrid-Gitarre bezieht sich auf die Tatsache, dass quasi eine akustische Nylonsaitengitarre
mit Bauweise und Aussehen einer elektrischen Solidbody-Gitarre realisiert wird. Im vorliegenden Fall kommt eine
modifizierte Version des bekannten Ibanez Saber-Korpus aus massivem Mahagoni mit einer aufgeleimten
Fichtendecke zum Einsatz. Es gibt keine Resonanzkammern im Inneren, weshalb das Fichtenholz wohl nur optischen
Zwecken dient. Am Zargen entlang befindet sich ein mehrstreifiges beige/schwarzes Binding. Der mit vier einzeln
versenkten Schrauben befestigte Mahagonihals mit angeschäfteter Kopfplatte trägt ein 22bündiges
Palisandergriffbrett mit recht zierlichem Bunddraht und einer Mensur von 25.1“ – also etwa 63,7cm,
was leicht über dem Gibson-Maß liegt – sowie kleinen Perlmuttpunkten. Ähnliche Perlmutt-Dots bedecken
auch die zwei Bolzen, mit denen der Palisandersteg am Korpus montiert ist. Die Kopfplatte ist wie bei einer
klassischen Gitarre durchstochen, trägt vergoldete Mechaniken mit attraktiven tortoise-artigen Knöpfen und
weist ein eingelegtes Ibanez-Logo aus Perlmutt auf.
Die mechanische Saitenschwingung wird mittels eines hexaphonischen Piezotonabnehmers in ein elektrisches Signal gewandelt, das mit der aktiven Bordelektronik, bestehend aus Lautstärkeregler und 2-Band-Equalizer mit Mittenraster, beeinflusst werden kann. Das Batteriefach für den 9V-Block befindet sich auf der Korpusrückseite und ist bühnentauglich (weil werkzeuglos mit dem Fingernagel) zu öffnen. Dies steht im Gegensatz zu meiner Godin-Gitarre, wo man zuerst viele Schrauben lösen und die komplette Preamp-Einheit entfernen muss, um an die Batterien zu gelangen.
Die SC500N ist ein wahres Leichtgewicht und perfekt ausbalanciert. Die Rückseite des Halses mit leichtem V-Profil ist nur mit Öl und Wachs behandelt, so dass er sich sehr natürlich anfühlt und wirklich gut in der Hand liegt. Der verhältnismäßig geringe, „elektrische“ Saitenabstand ist sicher nichts für echte Flamenco-Gitarristen, die mit dem schmalen 43-mm-Sattel vermutlich nicht zurechtkommen. Dadurch fühlen sich andererseits E-Gitarristen mit dem Hals der SC500N um so wohler und greifen dadurch öfter zur Nylonsaiten-Gitarre, zumal auch die sonstige Bespielbarkeit über jeden Zweifel erhaben ist. Klanglich macht das hauseigene Piezo-System eine hervorragende Figur, klingt erstaunlich neutral und übers komplette Spektrum sehr ausgewogen. Mit dezenten Effekten aus einem Akustik-Multieffekt-Bodentreter wird das Instrument sehr vielseitig und ist somit in meinem persönlichen Einsatzbereich für weit mehr als nur gelegentliche Farbtupfer geeignet.





















