Warmoth Soloist CustomKalte Winterabende eignen sich bekanntlich gut für lange Bastelstunden im warmen Hobbykeller. So geschehen bei dieser selbst zusammengestellten Warmoth Soloist Custom. Ich nahm mir also im Herbst 1995 vor, nach dem Baukastenprinzip eine kraftvolle, aber natürlich aussehende Rock-Gitarre aus fertigen Teilen zusammenzusetzen. Die dafür notwendigen Holzkomponenten (Korpus und Hals) bestellte ich bei Warmoth, und zwar über meinen lokalen Musikladen bzw. den damaligen Deutschlandvertrieb, da es seinerzeit noch keine Möglichkeit zum Direktkauf übers Internet gab. Tonabnehmer, Hardware und Parts kamen dann vom Musikladen sowie verschiedenen einschlägigen Versandhändlern.
Ohne großartig über die potentiellen klanglichen Ergebnisse nachzudenken, suchte ich mir aufgrund seiner optischen Reize einen hübsch gemaserten Walnuß-Korpus in Soloist-Form – also einer etwas schlankeren Strat – und dazu passend einen Hals aus Vogelaugenahorn mit Palisandergriffbrett und reversed Explorer-Headstock aus dem Katalog aus. Die Lieferzeit war sehr erträglich und belief sich auf etwa sechs bis acht Wochen – wohlgemerkt für eine Semi-Custom-Anfertigung aus USA mit Versand.
Wie gewünscht bereitete der Hersteller Warmoth Korpus und Hals für eine Öl-und-Wachs-Versiegelung vor, so dass keine
weitere Schleifarbeit erforderlich war. Ich verwendete ein auf Bienenwachs basierendes Produkt vom Holzfachhändler,
das eigentlich für die Behandlung von Holzfußböden gedacht ist, aber auch hier exzellente Dienste leistete. Die
Halsrückseite habe ich anschließend mit Stahlwolle etwas mattiert, sie fühlt sich jetzt sehr natürlich und holzig an,
ohne klebrig zu wirken. Den Hals habe ich mit vier einzeln versenkten Schrauben ohne Konterplatte am Korpus montiert.
Beim Vibrato handelt es sich um ein original Ibanez EDGE Floyd Rose in schwarz, dazu passend habe ich mich für einen Klemmsattel von Schaller und Klemm-Mechaniken von Gotoh entschieden. Letztere sind prinzipiell eigentlich nicht notwendig, erleichtern das Saitenwechseln jedoch enorm. Die Fräsungen für Sattel und Vibrato wurden von Warmoth sehr exakt ausgeführt.
Die Elektronik besteht aus einem Lautstärkeregler und einem Tandempoti mit Mittenraster für den Stegpickup. Mit diesem sogenannten Tri-Tone-Poti kann der Stegpickup stufenlos parallel, seriell oder gesplittet eingestellt werden. Ein 3-Weg Toggle-Switch schaltet in Gibson-Manier zwischen zwei Humbuckern um: Am Hals sitzt ein Seymour Duncan Jeff Beck Junior – also ein Humbucker im Single-Coil-Format – und am Steg ein Seymour Duncan Distortion Trembucker. Letzterer ist wahrlich eine Bratpfanne mit hohem Mittenanteil und fühlt sich in knochigen verzerrten Sounds am wohlsten. Das ist auch insgesamt die Stärke der Gitarre, deren Walnußkorpus sich als erstaunlich durchsetzungsfähig mit gutem Attack herausgestellt hat. Ich würde mal behaupten, dass sich Walnuß klanglich in Mahagoni-Regionen aufhält, vielleicht etwas knackiger im Gesamteindruck und mit einem Schuß mehr Brillianz. Es hat mich überrascht und auch sehr gefreut, trotz fehlender Erfahrung beim ersten Anlauf eine in allen Belangen funktionierende E-Gitarre fertigzustellen, die nicht nur gut aussieht sondern auch eindrucksvoll klingt.
Ich muss sagen, beim Zusammenbau dieser Gitarre habe ich wirklich sehr viel gelernt, obwohl ich die eigentliche Holzarbeit anderen überlassen habe – hauptsächlich da ich selbst nicht über die notwendigen Werkzeuge à la Bandsäge, Oberfräse usw. verfügte. Seit dieser Aktion und einigen Tritten in diverse Fettnäpfchen habe ich großen Respekt vor Instrumentenbauern, die in der Lage sind, mit Erfahrung, gefühlvoller Handarbeit und Augenmaß hohe Präzision und Verarbeitungsqualität zu erreichen.



















