
Die Eltern des Einzelkinds Theodor („Teddie“) waren der Weingroßhändler Oscar Alexander Wiesengrund (1870-1946), der aus einer jüdischen Familie stammte und später zum Protestantismus übertrat und die katholische Sängerin Maria Barbara, geb. Calvelli-Adorno (1865-1952), heiratete.
Theodor Wiesengrund war katholisch getauft worden, ließ sich aber, unter dem Einfluss eines Lehrers, lutherisch-evangelisch konfirmieren. Ein engeres Verhältnis zum Judentum seiner väterlichen Vorfahren gewann er erst unter dem Eindruck der Shoah, wohl auch beeinflusst durch seine späte Freundschaft mit Gershom Scholem. Aus dem Doppelnamen seiner Mutter wählte er später als Hauptnamen Adorno, während das „Wiesengrund“ des Vaters zu „W.“ verkürzt wurde. Schon vor 1933 nannte er sich Wiesengrund-Adorno. Den Namenswechsel begründete er ästhetisch.
Bei einer Schwester seiner Mutter, die Sängerin und Pianistin war, lernte Theodor das Klavierspiel. Er verlebte eine glückliche Kindheit. Im Kaiser-Wilhelm-Gymnasium (heute Freiherr-vom-Stein Gymnasium) in Frankfurt trat er als brillanter Schüler hervor: Mit 17 Jahren, nachdem er zwei Klassen übersprungen hatte, bestand er das Abitur als Jahrgangsbester.
Neben der Schule nahm er bei Bernhard Sekles Privatunterricht in Komposition. 1923 beteiligte er sich an der Aufführung eines eigenen Streichquartetts. Gemeinsam mit seinem 14 Jahre älteren Freund Siegfried Kracauer las er Kants Kritik der reinen Vernunft. „Nicht im leisesten übertreibe ich, wenn ich sage, daß ich dieser Lektüre mehr verdanke als meinen akademischen Lehrern.“
An der Universität Frankfurt belegte er ab 1921 Philosophie, Musikwissenschaft, Psychologie und Soziologie. Das Studium absolvierte er sehr zügig: Ende 1924 schloss er es mit einer Dissertation über Edmund Husserl „summa cum laude“ ab; die Arbeit, die er im Geist seines Lehrers Hans Cornelius abfasste, enthielt reine Schulphilosophie, die noch kaum etwas von Adornos späterem Denken ahnen ließ. Inzwischen war er seinen wichtigsten intellektuellen Weggefährten begegnet: Max Horkheimer und Walter Benjamin.