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Rivera R55

So hier mein kleines klangliches Schmuckstück. Nachdem ich beim Rivera-Vertriebswechsel eigentlich schon einmal ein Knucklehead-Top bestellt hatte, dann aber einen halben Tag zu spät dran war und keinen mehr bekam, war ich hellauf begeistert, als mir ein kleiner Händler auf dem Land den R55 für 2000 Mark aus dem Lager zauberte. Wer den R55 nicht kennt, Die R-Serie Amps lösten die M-Serie ab und waren ein klanglich grosser Schritt in der Firmenhistorie, das Schaltungsdesing ähnelt den alten Knuckleheads und ist auch Basis für die moderneren Designs aktueller Rivera Amps.

Es gibt zwei komplett eigenständige Kanäle, der erste mit britischer Charakteristik und der zweite präsentiert sich eher fenderlike. Aktive Effektschleife, Line-Out und 2x8 Ohm out runden die Rückseite ab.

Der erste Eindruck ist riveratypisch: clean absolut gänsehautträchtig, verzerrt, na ja, gewöhnungsbedürftig.

Aber in Riveras muss man sich "reinspielen", sie verfügen über eine sehr effektive Klangregelung und auch Notchfilter, Brightswitch und Boosts beanspruchen ein wenig Spielerfahrung für einen sinnvollen Einsatz. Der immer wiederkehrende Hinweis auf dem Rivera Forum, mit den Quickstart-Settings der Manual anzufangen, hat seine Berechtigung. Den Amp von mittleren Settings aus zu erkunden, ist mühsam.

Die werkseitig verbauten 12AX7WA/WB sind eher unerfreulich und verlangen nach einer Veränderung. Da ich sehr outputstarke Pickups spiele ist V1 nun mit einer GE 5751 bestückt, was in etwas mehr cleanem Headroom resultiert. Auf V2 und V3 stecken zwei NOS Tungsram 83er, was der eher harschen Zerrcharakteristik deutlich entgegenwirkt. Die 12AX7LP machen als Driver- und Reverb-Röhre einen ordentlichen Job. Die Endpentoden sind von Rivera gelabelte Svetlana EL34er, nichts zu meckern diesbezüglich. Der für Rivera hergestellte G12T-85 ähnelt klanglich dem G12T-75, der dann auch in der späteren Fertigung aufgrund von Qualitätsproblemen im Hause Celestion zum Einsatz kam. Mein Amp wird wohl schon eine Zeit beim Händler gestanden haben. Innen ist der Amp sehr aufgeräumt, etwas überrascht hat mich der Umstand, dass die Lötausdünstungen nicht nicht von der Platine geputzt wurden, hätte ich bei einem "Boutique-Amp" irgendwie erwartet. Der Bias-Poti ist als solcher beschriftet, die Bias-Einstellung ist aber aufgrund der minimalen Baugrösse ein wenig eine frickelei.

Unterm Strich ist der R55 ein genialer Sessionamp mit einem wunderbaren, klanglich tiefen, vielschichtigen Sound. Die etwas harsche Charaktersitik des britischen Kanals ist im Mix nicht mehr auszumachen, hier besticht der Amp mit seinen durchsetzungsfähigen mittenreichen Sounds. Das gute Stück ist ein wenig bass-scheu, weshalb ich nach Möglichkeit immer noch eine 412er am zweiten Speaker Ausgang betreibe.

Für Bass- und Gain-Reserven träume ich nun von einem Knucklehead II :-) verkaufen werde ich den R55 aber sicher nicht mehr. Ach ja, meine Strat mit Häussel-Blues-SC am Hals jagt mir im Cleanbetrieb immer noch eine Gänsehaut auf den Rücken.

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