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Gibson Deluxe

Gewohnheitsmäßig habe ich vor einiger Zeit mal wieder die örtlichen Kleinanzeigen studiert und stieß auf ein vielversprechendes Angebot. Eine alte, nicht originale Gibson Les Paul Deluxe wurde da angeboten. Das weckte den Bastler und Schnäppchenjäger in mir. Erste mail Kontakte und Fotos und ich ließ mir das Teil zuschicken.

Als ich den Koffer öffnete traf mich der Schlag. Zwar hatte der Verkäufer alles ziemlich genau beschrieben, aber Bilder sind doch weniger aussagekräftig wie die Realität. Dem Teil war allerübelst mitgespielt worden. Die gute Nachricht: Alle Originalteile waren vorhanden (Auch die seltenen „goof hiders“. Dazu unten mehr;) Aber irgendeinem Zeitgenossen hatte das schnacke Gold gestört in der das Schätzchen die Welt erblickte und hat das sehr stümperhaft (mittels Flex??) entfernt und mit einer roten Orangenhaut versehen. Ich kenne mich und weiß das ich mit meinen Klampfen extrem pingelig bin, deshalb wusste ich sofort: Nix Schnäppchen. Wenn Du die behältst muss sie wieder richtig gemacht werden und das wird teuer. Ich war also schon fast versucht den Koffer wieder zu zuklappen und das Teil zurück an den Absender zu schicken, als ich den Eckel überwinden konnte und mal in die Saiten gehauen habe. Was soll ich sagen? Das Teil singt wie eine Göttin.

Das Ende der Lovestory? Ich habe sie behalten und wieder originalgetreu restauriert. Dabei habe ich nur den Korpus lackieren lassen (was übrigens Clover guitars Recklinghausen sehr gut und zu einem fairen Tarif übernommen haben), der Hals war zum Glück noch original. Die Kunststoffteile habe ich selbst aufgearbeitet und von Farbe gereinigt. Bundstäbchen (übrigens megaflach) und Chrom wurde natürlich auch aufpoliert. Auch die Elektrik stellte keine größeren Herausforderungen dar. Schließlich bekam sie auch noch einen neuen Gibson Koffer spendiert.

Ich gehe zwar davon aus, dass ihr das Modell alle kennt, aber hier dann für den der es noch nicht weiß Details zur Deluxe: Das Modell steht im Schatten der „Standart“ -Klar Jochen wieder gegen den mainstream...- aber ich finde zu unrecht. Der Sound der kleinen Humbucker ist differenziert, höhenreich und trotzdem mit rockiger Power. Also mir gefällt es.

Die Deluxe erblickte als „Notlösung“ Ende der 60er das Licht der Gitarrenwelt. Man wollte nach 10 Jahren wieder eine Paula auflegen, konnte sich aber nicht so richtig entscheiden welche. Die erste war dann eine mit P 90 ern. Dann fiel einem schlauen Mensch ein, dass man von Epiphone noch kleine Humbucker übrig hatte. Die wurden dann in die P90er Kappen gebastelt und schon war die Deluxe fertig. Da man anfangs ziemlich ungenau arbeitete bekamen die ersten Modelle sogenannte „goff hiders“ (Pfuschverdecker) um die Ausfräsungen herum. (Ich habe meine nach der Restaurierung nicht mehr montiert, aber sie sind natürlich noch in der Schublade.) Erst gab es nur die Farbe Gold, später kamen auch andere dazu. Viele Deluxe wurden übrigens in den 80ern derart vergewaltigt, dass die PU Fräsungen auf Humbuckergröße erweitert wurde. Schade!!

Zur Altersbestimmung: Ich habe meine auf ca 1970 bis 1972 datiert. Alte Gibsons aus der Zeit sind nicht so genau zu bestimmen. Die Seriennummern sind Glücksfall (Seriennummer meiner Gitarre würde auf 1968 bis 69 hinweisen). Am besten orientiert man sich an den Ausstattungen. Besonderheiten meiner Deluxe: Der Sandwichbody (Cross-Banding ca 1969 bis 1973); Die Schnecke am Halsende ab ca. 1970. geprägtes Made in USA 1970 bis 75 (wieder ab 1977) Die Sache mit dem Punkt sei noch erwähnt: Angeblich gab es zwischen 1968 und 72 keinen i-Punkt. Forget! Selbst in Büchern sind Gitarren aus der Zeit mit einem fetten Punkt. Die Goof hidders deuten auf ein frühes Baujahr hin. Die Potis waren bei der Datierung insoweit keine Hilfe, als dass die Originalpotis von 66 sind. Und da gab es noch keine Deluxe.


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