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ESP/Ltd. GL-600FB George Lynch Signature

Mal wieder eine kleine Vorgeschichte: Ich hatte schon 2002 vor mir die F-200FB in Blackgold zu holen, aber da ist mir leider die Acryl Warlock dazwischen gekommen. Im darauffolgendem Jahr wollte ich mir die Bariton dann holen, aber da wurde sie leider schon nicht mehr produziert. Deswegen habe ich meine alte Ibanez RG-7620 auch verkauft und mir eine RG-1077XL geholt, gerade wegen der Baritonmensur. Ab und zu hab ich sie auf A gedropped, aber da sie ein Vibrato hat, war das immer umständlich und hat sich etwas verstimmt. Also ließ ich sie auf H.

Ich war aus dem Häuschen, als ich erfahren hab, dass nun George Lynch seine Bariton als Signature rausbringt und zudem noch ein Ltd.-Modell herauskommt, das fast dieselben Specs hat(!). Mahagonibody, Ahornhals, Rosewoodgriffbrett! Sie wurde ein bisschen vom Look her aufgemöbelt und hat wie ich finde nun eine bessere Optik. Die Flammen in rot-grau sehen nun mal brachialer aus. Was auch genial ist, dass sie nicht die normale F-Form hat, sondern die des Aria-Signature-Basses: Ein Cut ist am Hinterteil des Bodys.

Ich hab bestimmt ganze 8 Monate gewartet bis sie in Deutschland zu holen war. Dieses Jahr ist sie dann im Februar angekommen. Ich hab die Pickups gleich im Vorhinein austauschen lassen, da ich der Meinung bin, dass ein SH-04 nicht in die Gitarre passt. Schon allein die Tatsache, dass der SH-04 kein Tonabnehmer extra für Baritones ist, hat mich schon umgestimmt einen anderen PU einzubauen. Ich hab ihn ja auch in meiner KV-01 und da hab ich auch viel mit Lowtunings experimentiert. Bis C geht er, dann fängt er an zu matschen und das Gain geht verloren. Das Frequenzband wird einfach abgeschnitten. Da gibts leider nur einen Replacmentpickup, der extra für solche tiefen Tunings ausgerichtet ist, nämlich der DropSonic von DiMarzio. Ich hab zusätzlich gleich noch den SC austauschen und anstatt einen ProTrack einbauen lassen. Warum den ProTrack? Weil er genau den gleichen Tonechart wie der DropSonic hat UND weil er ein Twinblade-SC ist. Also ein Humbucker in SC-Format.

Zudem hab ich die Bariton auf A-D-G-C-E-A stimmen lassen, da auf meiner XL schon H-Stimmung habe. Bassisten fällt gleich auf, dass die A-D-G-Stimmung die eines Basses ist. Denn ein Bass hat E-A-D-G. (Ein 6-Saiter-Bass H-E-A-D-G-C.) Man deckt nun rein von der Baritonstimmung her die Hälfte eines Basses ab! Das ist recht viel. Eine Bariton ist also wirklich ein Mittelding zwischen einem Bass und einer normalen Gitarre.

Durch den hohen Zug der Saiten, hat die Gitarre noch am Headstock einen Kragen für mehr Stabilität.

Da ich einen Ganzton runtergestimmt habe und die Mensur 27" beträgt, benutze ich die D'Addario Baritonsaiten. Der Satz geht von 014-068. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so schnell auf diese Saitenstärke gewöhnen würde. Der Grund sind die Jumbobünde. Ich brauch wirklich nicht fest drücken. Es langt schon wenn ich meine Finger auf den Bund etwas fester drauflege. Der Ton wird klar wiedergegeben. Das Problem besteht nur mehr darin, dass wenn man zu fest drückt, gerade bei den Bünden von I-XII, die Intonation nicht mehr stimmt. Eine Baritongitarre ist ein absolutes Präzisionsgerät. Nicht für Jedermann! Man muss ordentlich, fein und sauber spielen können.

Sie verstimmt sich eigentlich nicht. Außer wenn ich auf G bin und selbst da im Bereich des Normalen. Jede Woche mal stimmen. Es sind auch schließlich Sperzelmechaniken an Bord, da kann man schon einiges abverlangen. Jedoch besser als Schaller sind sie meiner Meinung nach nicht. Das System ist gleich den Topmountmechaniken von Schaller. Die Saite wird ins Loch gesteckt und mittels Feststellschraube angezurrt. Abschneiden, stimmen und fertig!

Wenn ich sagen würde, dass ich mit der Bariton schneller bin als mit meiner KV-01 würden dass viele nicht glauben, aber es ist so, wegen den Jumbobünden und ihren Abmessungen zueinander. Durch die 22 Bünde und der 27" Mensur sind die Bünde weit auseinander. Klar ist es anstrengender vom I-V Bund, ab da ist es aber nur mehr göttlich!!! Der Hals ist sagen wir mal etwas dickerem 60s Neck nachempfunden. Ist aber mein dickster Hals von all meinen Gitarren zugleich. Hab trotzdem keine Probleme mit der Bespielbarkeit in dieser Hinsicht. Bespielbarkeit fast eine volle 10, weil die schönen Perlmutinlays doch etwas irritieren. Geben wir ihr eine 9,99!

Die Pickups lassen sich per Push-Pull-Poti anwählen. Keine Toneregler. Keine komplizierten Schaltungen. Kein Schnickschnack. Einfach 2 Sounds.

Durch den einen Blade statt den Pole-Pieces des DropSonics an der Bridge sind die Bendings immer zu hören, ohne dass sie irgendwie dünner werden oder verstummen. Selbst bei Dropped-G arbeitet der Pickup ohne Probleme!!! Das Sustain ist enorm. Zieht mit meiner KV-01 gleich, obwohl diese eine Neck-Thru-Konstrutktion aufweist, hat die GL-600FB einen Set-Neck.

Der Sound ist schwer zu beschreiben. Wie ein Seymour Duncan SH-06 und ein SH-12 würde ich sagen. Angelehnt ist er an den MegaDistortion von DiMarzio, wenn ich mich nicht irre. Viel Obertöne bringt der DropSonic zur Geltung. Mehr als bei meinen anderen Humis(EMG, Seymour Duncan, DiMarzio)! Ist für beides gleich gut einzusetzen, sowohl Soli, als auch Rhythmus. Verzerrt ein volles Brett und clean erinnert er mich an den EMG 81 und an den SH-04, aber immer noch warm. Gerade wegen der tiefen Stimmung.

Der ProTrack am Neck trotz gleichem Tonechart hört sich ganz anders an. Sehr fuzzig singender Sahneleadsound im Zerrmodus. Bei Rhythmusgeschichten schwächelt er ab, wenn man viel Numetal spielt. Jedoch hört er sich nach Korn an. Kann auch daran liegen, dass Korn auch Gitarren aus Mahagoni verwenden. Ich benutze ihn für beides, aber am meisten für Cleansound, deswegen habe ich ihn auch gekauft. Sehr sweet und bauchig, aber auch irgendwie wie ein Thinlinegitarrensound. Nicht aufdringlich, sehr ausgewogen und nicht wuchtig. Könnte glatt eine Gibson mit "Seth Lover"-PU sein. SUPERGEIL!

Man muss immer den Preis im Augenschein haben, wenn man über die Gitarre, entschuldigung, Bariton redet. Trotzdem hört sie sich wie eine 2000,-Euro-Gitarre an! Mit Umbau hat sie mich 1300,- Eusen gekostet. Ich bin damit sehr zufrieden und muss sagen, dass sie meine zweitbeste Gitarre, äh Bariton, in meinem Stall ist! Eine absolute Bereicherung. Eine Bariton sollte jeder Gitarrist mal ausprobiert haben.

Da fehlt doch was?

Äh...

"If you want to hear fuckin' hell, sell your soul and buy this damn baritone!"

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