Wie kommt man eigentlich darauf, sich so etwas selbst zu bauen?
Ganz einfach - man nimmt wie ich an einem Designwettbewerb teil (Gitarre&Bass 2003). Dann darf man natürlich nicht gewinnen, so daß man sein Trauminstrument auch nicht von den erfahrenen Gitarrenbauern eines renomierten Herstellers gebaut bekommt. Jetzt hat man aber sinniert und geplant und gezeichnet und verbessert und.....und.....und bekommt die Sache einfach nicht mehr aus dem Kopf. Man will es einfach in den Händen halten, es von allen Seiten liebevoll betrachten und in süssen Tönen erklingen hören. Aber wie erreicht man nun dieses ersehnte Gefühl? Bauen lassen oder selbst an die Arbeit machen? Der Selbstbau bietet natürlich als Krönung der Unternehmung noch den befriedigenden Aspekt, das alles unter seinen Händen entstehen zu sehen - also fällt die Entscheidung leicht.
In meinem Fall habe ich dann nochmal kritisch über meinen Entwurf geschaut und ein paar Details zwecks besserer Realisierbarkeit deutlich vereinfacht. Das hört sich jetzt nach Kompromiss an, war aber im Endeffekt der Schlüssel zum wirklich stimmigen Design. Meine Begeisterungsfähigkeit erlangte einen neuen Höhepunkt und ich musste mich quasi zu einem Gitarrenbaukurs bei Ekki Hoffmann (Formentera-Guitars) anmelden. An dieser Stelle danke ich noch einmal meiner Familie, die bereit war, 3 Wochen auf ihren Mann/Papa zu verzichten, und den gemeinsamen Jahresurlaub auf eine Woche zusammenzustreichen.
Jedenfalls habe ich dann erstmal meine Pläne mit einem flauen Gefühl per email zu Ekki geschickt; würde man sowas auch realisieren können? Zu meiner Freude bekam ich schnell die Antwort, dass man sich mit ein paar kleinen Änderungen durchaus an das Projekt machen könne. Die Änderungen, die die Art der Halsverlbindung betrafen (ursprünglich Les Paul, jetzt PRS) haben nochmal zu einer Designverbesserung und zu einer günstigeren Position des Hals PU's geführt. Am 2. Mai 2005 konnte es dann endlich losgehen!
Zuerst wurde das Holzlager geplündert und rückte eine Bohle Swietana (Mahagony) und eine Schwarte prächtig geriegelten
Ahorns heraus. Letztere erwies sich dann aber als unglücklicher Griff, da sie, schon halb fertig bearbeitet und
aufgeleimt, beim shapen ein "schwarzes Schwein" an exponierter Stelle offenbarte. Also alles runtergehobelt und auf ein
Neues - die Bohle gab ein weiteres, fehlerfreies Stück her. Bei der Suche nach einem Mahagonykantholz fur den Hals bin
ich dann über ein Stück Palisander gestolpert, das mich ungemein angesprochen hat. Dieses Experiment (Ekki hatte bis
dahin noch keine Palisanderhalsgitarre in der Werkstatt) hat sich als erfolgreich erwiesen, da der Klang im Gegensatz
zur Härte des Holzes schön warm und rund ist. Jetzt noch ein Stück Ebenholz für das Griffbrett, und das Rohmaterial war
beisammen. Nun wurde gehobelt, gekreissägt, geleimt und gebandsägt getrussrodeingefräst bis ein noch sehr eckiges, aber
in der Grundform schon meiner Gitarre entsprechendes Stück Holz vor mir lag.
Nun kamen Kampfraspel, Sandvik-Chinafeilen und jede Menge Schleifpapier verschiedener Körnung nebst diverser Schleifklötze zum Einsatz frei nach dem Motto "Was nicht nach Gitarre aussieht, muss weg". Am Ende wartete dann der aufs prächtigste verrundete Body auf den Endschliff nach der kultigen Mittelmeerwässerung. Glatt wie der sprichwörtliche Kinderpopo wurde er dann mittels einer heissen, eigentümlich riechenden Masse namens Knochenleim mit dem ebenfalls schon fertig geraspelten und geschliffenen Hals zusammengefügt. Es blieb sogar noch Zeit für ein Griffbrettinlay - spontan entschloss ich mich, einen kleinen Schwertfisch in den 12. Bund einzulegen der auch den Namen "Marlin" erklärt. Inspiriert dazu hat mich das spitze obere Korpushorn. Endlich konnten die Brücken- und PU-Positionen festgelegt und die entsprechenden Bohrungen/Fräsungen bewerkstelligt werden. Alles war bereit zur "Mitternachtsölung". Für diesen spannenden Moment wo das Holz seine wahre Schönheit offenbart, hatten sich schon zahlreiche Gäste in der Werkstatt eingefunden.
Unter Blitzlichtgewitter und leise klirrenden Sektgläsern hatte nun die Marlin ihren ersten großen Auftritt in der Öffentlichkeit. Nach dem trocknen des Finishs und einem letzten Ölschliff begann nun die Endmontage. Die selbstgewickelten PickUps (Humbucker mit Alnico 5 Magneten, 4000 Wdg. am Hals und 5500 Wdg am Steg mit vernickelten Kappen), ein massiver Einteilersteg aus Alu von der Firma ABM und Kluson-Mechaniken mit Ebenholzknöpfen wurden montiert. Die Schaltung, die auf einem gestackten Megaswitch M von Eyb mit 8 Schaltebenen beruht, hatte ich aufgrund ihrer komplexität bereits im Vorfeld zu Hause vorbereitet. Sie bietet folgende Möglichkeiten:
Pos. 1 : Humbucker Hals in Reihenschaltung
Pos. 2 : Humbucker Hals in Parallelschaltung
Pos. 3 : innere Spulen beide PU's in Parallelschaltung
Pos. 4 : äußere Spulen beide PU's in Reihenschaltung
Pos. 5 : Humbucker Steg in Reihenschaltung unter Umgehung beider Potis direkt auf die Ausgangsbuchse
Alle Positionen verfügen über eigene Tone- sowie Höhenkompensationskondensatoren.
Nun noch die Saiten............und.............es....töööööönt...!!!!!!!
Fazit:
Ich habe eine äußerst wohlklingende, hervorragend bespielbare, am Gurt und im Sitzen perfekt ausbalancierte, nicht alltägliche und von der Form her ansprechende Gitarre sowie das Gefühl das alles selbst entworfen, geplant und gebaut zu haben von der Insel mitgebracht. Als Bonus gab's noch die Erinnerung an 3 tolle Urlaubswochen auf Formentera mit Sonne, Strand, netten Leuten, leckeren Getränken und viel Musik!
Würde ich es genauso wieder tun? Auf jeden Fall!!!
Lothar



















