Eine der wenigen Gitarren, die ich nicht bei ebay ersteigert, sondern erst ausprobiert und dann gekauft habe. Eigentlich
bin ich wegen einer ES 335-Kopie von Samick nach Raunheim gefahren, da ich auch mal etwas anderes als ein „Brett“
ausprobieren wollte. Die 335 habe ich dann gekauft (später mehr), aber er hatte noch ein paar andere Teile da stehen.
Sogar eine Flying V stand da, aber leider unverkäuflich, also hab ich mir von den anderen diese hier gegriffen und
ausprobiert. Ich stehe bekanntlicherweise auf knallige Farben und außergewöhnliche Formen. Es ist eine Hohner Guitar
Research, Revelation RTX mit der Seriennummer 10 92 0842. Von einem Expertenteam 1991 entwickelt und in der CSFR (Made in
Chechoslovakia) mit amerikanischer Hardware und englischen, speziell für diese Gitarre entwickelten drei ATX-Single-Coils
ausgerüstet von denen die beiden aneinaderliegenden Bridge-PUs zu einem Humbucker verschaltet wurden und einem
nachträglich eingebauten Hohner „Entwistle White“ SC in Mittelposition. Sie ist, wie auch das aus einem komischen Plastik
gehaltenen Pickguard, in leuchtendem Marlboro/Ferrarirot lackiert. Sie hat einen 3-teiligen Erlenbody, einen einteiligen,
24-bündigen Ahornhals mit Palisandergriffbrett, auf dem die Perlmuttdots nicht mittig, sondern dem Gitarristen näher
angeordnet sind. Sieht richtig gut aus. Sie ist bestückt mit einem komplett aus Stahl gefertigten VS100 Wilkinson-Tremolo,
welches tatsächlich äußerst verstimmungsfrei arbeitet und einem Rollensattel mit Nadellager der gleichen Firma (ist doch
schön wenn man ein Prospekt vor sich hat!). Die verkapselten (das ist jetzt nichts schlimmes) Mechaniken in einer eher
seltenen 4 + 2 Anordnung auf einer kleinen 3D geschapten Kopfplatte, sind allerdings von Schaller (zumindest auf meiner
Klampfe).
Das erste auffällige an dieser RTX war die sensationelle Bespielbarkeit des Halses. Die Saitenlage war schön tief
eingestellt. Was mich gleich wunderte war, dass ich ohne irgendwie ein störendes Gefühl zu haben oder irgendwo mit meinen
kleinen Fingern anzuecken, an den 24 Bund rankam. Zuerst dachte ich, dass es an den, weit in die Gitarre reichenden
Cutaways liegt, stimmt aber nicht. Der Hals/Korpusübergang ist erst am 23 Bund und da stört dann gar nichts mehr. Was ergo
bedeutet, dass der Hals bis unter den Steg PU reicht.
Was mir als zweites auffiel war, dass sich am Klang aber auch rein gar nichts veränderte, wenn man an den beiden Tonepoties drehte. Da sie mit ihren vier Pick-Ups und durch den 5-Weg Schalter schon ein genügend großes Soundspectrum abdeckte, war mir das egal und hat sogar geholfen, den Preis nach unten zu korrigieren (nett ausgedrückt für den Begriff „so viel zahl ich aber net für ne defekte Klampfe!“, gell). Außerdem hat sie noch einen Minitoggle, der den Bridge und den Steg PU zusammenschaltet. Also reichlich Auswahl. Dass sie über eine ATN (Advanced Tonal Network) Soundregelung verfügt,
hab ich das erste mal und Wochen später, aus dem Prospekt erfahren. Wenn man nämlich den mittleren Potie (Tone1) nach oben
zieht, wird’s radikal anders. Jede noch so kleine Änderung der Tone- und auch des Volumenreglers ergibt ein völlig anderes
Soundspectrum. Ich hab ja schon etliches an Möglichkeiten gesehen und gehört, aber die hier schlägt alle. Ich will nicht
übertreiben, aber mit der kannst du wirklich ALLES spielen. Live-technisch gesehen ist dieser Pushpotie aber fürn Arsch.
Er ist so schwer zu greifen und herauszuziehen, dass einem nur übrig bleibt, diesen auszutauschen, dann aber am besten
alle drei (von wegen der Optik). Verdammt gut ist jedoch der Tonepotie2. Er rastet in der Mittelstellung ein, was als
Orientierungshilfe optimal ist. Dieses System hab ich auch bei meinem Lieblingsbass von Bass Collection. Ist wirklich ne
Klasse Idee vom Erfinder gewesen.
Resumee: Für eine Gitarre des mittleren Preissegmentes (für mich aber nicht machbar), Kostenpunkt DM 1.398,-- in dieser Lackierung, hat sie alles was ein Gitarrist braucht. Sehr gute Bespielbarkeit, sehr gute Hardware, eine außergewöhnliche Optik (geschmackssache) und ein RIESEN Soundspectrum. Sie twangt! Aber nicht wie eine Strat oder Tele. Sie singt! Aber nicht wie eine Paula, PRS oder Huber. Sie brettert! Aber brettert nicht wie andere Gitarren. Sie hat tatsächlich etwas eigenständiges in ihrem Klang. Sie ist also ein eigenständiges Allroundtalent für Leute gedacht, die nicht das Geld haben, sich vier, fünf oder sechs Gitarren für diverse Stile zu leisten.
Inklusive zweier Ersatzpickguards habe ich nur 130,-- Euro bezahlt. Auch ein schönes Schnäppchen.
(nur eine Handy-Cam, sorry!)






















.jpg)