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Fernandes

80`s Alive! Unverhofft kommt zwar nicht oft, aber wenn dann richtig.

So kam es dann, dass ich neulich im Rheintal Kontakte knüpfte, vornehmlich an einem Musiker-Flohmarkt.

Leider ist bei knapp bemessenem Budget die Ausbeute nicht gerade gross, und so spielte ich schon langsam mit dem Gedanken, den nächsten Zug nach Hause zu meinen anderen Schätzchen zu nehmen, als sie reingeflogen kam:

Die Traumgitarre eines jeden Gitarristen, wenngelich wohl für viele ein Alptraum. Unglaublich kitschiges Pink deckt sowohl Body als auch Hals, die schwarze Hardware zusammen mit dem Sharkfins passt wie eine Faust aufs Auge, da würden sich wohl manche Romantik-Maler im Grabe umdrehen, aber schliesslich bemalten ja auch die Griechen ihre Tempel...wahrscheinlich...

Nun, nachdem so langsam die ersten Augenleiden verschwunden sind, kann ich mal etwas zur Lady selbst sagen: Sie hat 24 niedliche, kleine und hohe Bünde, dem Anschein nach aus Messing oder Bronze oder sowas, geziert von Sharkfin-Intarsien aus Kunststoff, welche in einem eigefassten dunklen Palisandergriffbrett hocken. Zumindest glaube ICH dass es Palisander ist, und nicht Ebenholz.

Den darunterliegende Hals ist aufgeschraubt, wie es sich für eine Stratform gehört, lackiert und liegt ausgesprochen angenehm in der Hand, animiert zum solieren, ist aber doch nicht Flunderflach, ein angenehmes Jackson-artiges flaches D.

Direkt gefolgt vom letzten Bund kommt der erste der zweien Singlecoils, allem anschein und Klang eines Line 6 nach haben sie einen recht hohen Output, das freut den Haarsprayer natürlich. In der Mitte sitzt, wie angedeutet, ein zweiter der Einspuler-Familie. Der letzte im Bunde ist ein Humbucker, wer hätte das gedacht, aber das wirklich Interessante kommt noch weiter hinten:

Die Jaul- und Schreieinheit(Tremolo) erinnert sehr stark an ein Floyd-Rose-System, dibidäbi! Ist es nicht!

Die Saiten werden mit Ballends von hinten durch kleine Rohre geführt, auf welche die Feinstimmschrauben drücken. Festgeklemmt werden die Saiten nirgends. Schade, denn so braucht man bei jedem Saitenwechsel neue Saiten und kann nicht einfach die marode Stelle rausschneiden...

Die Elektrik gestaltet sich einfach, Mastervolume, Mastertone, 3 Kippschalter zum einzelnen Anwählen der PU`s. Der Superstrat-Body besitzt einen Rippenspoiler, BSA-konforme, weil bündige Elektrofachabdeckung, und eine nicht-bündige Federabdeckung, geziert von diversen Aufklebern...immerhin wird so der Lack nicht zerkratzt. Ansonsten ist ihm ausser der Elefäntchen-Kaugummi-Haarspraylackierung nichts aussergewöhnliches anheim.

Nun, beim ersten anspielen fühlt man sich gleich wie in der "Girlschool"(Britny Fox), die Haare kräuseln sich hoch, aus den Poren im Gesicht tritt Make-Up aus, und schon ist man einer dieser lustigen Ultra-Poser, der Humbucker bringt einen schön scharfen höhenbetonten Sound hervor, die Singlecoils können auch ganz anständig tun, sogar ein wenig jazzige wärme vermögen sie auszustrahlen, bei ganz zugedrehtem Höhenregler und gut positioniertem Volumepoti, aber das will sie wirklich nicht.

Das schöne, wenngleich auch ein wenig kurze Sustain, spricht den Solisten an, welcher unterstützt wird vom schon beschriebenen formidablen Hals.

Alles in allem kann ich nur sagen, dieses "Ding", Zeitzeuge von geradezu klassischer Geschmacklosigkeit(die 80`s: Postmoderne, Haarspray, David Hasselhoff...noch Fragen?) rockt. Nicht mehr, aber garantiert nicht weniger. ein richtiges "Rockin`Horse"

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