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Hofner 173

Das erste mal dass ich eine dieser alten Höfner Gitarren sah war in einer Musik-AG in der Schule, ich konnte damals leider noch nicht Gitarre spielen , aber mir gefiel der Sound und die Optik. Im Laufe der Jahre als Keyboarder in verschiedenen Bands musste ich mich zwangsläufig immer mehr mit Gitarren befassen , da viele Musiker keine Beziehung zur Technik haben , die wiederum schon immer mein Hobby war . Ich fing dann auch an Gitarre zu lernen , es ist unbestreibar von Vorteil wenn man dem Gitarristen seine neue Komposition in groben Zügen beim Spielen von den Fingern abgucken kann . Mittlerweile bin ich ein richtiger Klampfenfan geworden , so ähnlich ging es wohl auch dem Elektroniker Leo Fender damals ? Tasten und Griffbretter sind irgendwie sehr ähnlich , finde ich . Also als ich eines Tages in den 90ern diese total ramponierte Höfner(Hofner) im Schaufenster eines An und Verkaufs sah , an dem ich täglich auf dem Weg zur Arbeit vorbeifuhr , war mein Interesse geweckt.

Sie hatte keinen Saiten mehr und gab auch Zuhause nach dem Aufziehen eines neuen Satzes keinen Laut mehr von sich ,wahrscheinlich ist es eine typische Altererscheinung , das die Wicklungen des zweiten Humbucker- teils brechen. Ich habe also alle Pickups auf Singlecoils umgebaut , immer die Seite mit den Schrauben , da es meines Wissens auch keine Ersatzpickups gibt. Der Sound gefällt mir so auch viel besser , richtig Stratig. Verzerrt ist sie sowieso problematisch , da die PUs auf dem Korpus aufliegen und sehr schnell rückkoppeln.

Ich dachte diese Vinylüberzug-Gitarren wären so eine billige Strat-Konkurrenz aus den 70ern , aber meine Recheren im Internet ergaben , das diese Modelle mit dem Akkordeon-mässigen Pickguard wohl nur in den Jahren 1963/64 gebaut wurden , sie ist also zu meiner Überraschung älter als ich . Auch komisch dass überall diese Glas-Diamanten eingesetzt wurden , ob das jemand selbst gemacht hat , oder ob es eine Idee von Höfner war ? Das weiss wohl keiner mehr , ich habe dieses grüne Schlagbrett jedenfalls bis jetzt nur ohne gesehen.

Der Korpus besteht aus verleimten Kanthölzern , die langsam kleine Risse kriegen , der Klang ist wie ich finde aber massiv , zumal es sich um einen eher dünnen Korpus handelt. Die Elektronik ist etwas seltsam , es gehen nur PUs 1-2-3 oder alle drei zusammen , was schon etwas mulmig klingt , Zwischenstellungen wären vielleicht einfacher gewesen ?

Das Tremolo ist primitiv , aber funktioniert dennoch ganz gut , wenn man es dezent benutzt.. Was mich vor allem imer wieder erstaunt ist die Optik :Die Pickups glänzen im Chrom , das Pickguard schimmert in Dunkelgrün , wie konnten die Höfner-Leute wissen dass diese Gitarren nach 40 Jahren immer noch benutzt werden ? Vielleicht dachten sie dabei an den VW-Käfer oder die Hohner Akkordeons, und versuchten mit deutscher Wertarbeit Käufer zu überzeugen?

Auf jeden Fall sind die letzten verbliebenen Exemplare dieses Typs für mich ein Stück Musikgeschichte , auch weil sie aus der Zeit stammen , als Paul McCartney erstmals zum Höfner Violin-Bass griff.


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