Enttäuscht? Kann ich verstehen. Sieht nach nichts aus, fast wie eine billige Kaufhausgitarre. Ist es aber nicht.
Es ist eine Guild D 37 aus 197x.
Vor nunmehr 13 Jahren sprachen mich gelegentlich Freunde darauf an, dass ich doch auch mal am Lagerfeuer spielen könnte, statt immer nur elektrisch mit der Band. Also ging ich mit (immer umgerechnet) € 500,- in einen Laden. Aber dort gab es nur Billig-Kram. Der Verkäufer schickte mich zum Guitarshop in der Holstenstraße in Hamburg: "Dort hängt eine Guild, auf die ist schon Karl Allaut scharf, die könnte etwas für dich sein!" Dort angekommen ließ ich mir diese unscheinbare Gitarre reichen. Schon bei A-Dur ging die Sonne auf! Nur der Preis: € 1500,-. Also gab mir Claus, das ist der Chef dort, eine Washburn. Die konnte mit der Guild natürlich nicht im entferntesten mithalten. Also habe ich meine € 500,- angezahlt und am nächsten Tag den Rest.
Die D 37 ist die abgespeckte Version einer luxuriöseren Guild. Die Top-Modelle dieses Brands tragen auf der Kopfplatte ein G. Decke Fichte, Boden und Zargen Ahorn. Der Boden ist wie bei Archtops gewölbt. Das sorgt für druckvolle Bässe.
Nach Meinung eines sehr bekannten deutschen Gitarrenbauers, ist die Guild besser als eine Gibson Jumbo. Ich hatte nie Gelegenheit zu einem Vergleich.
Der Klang ist aber unbeschreiblich. Manko: Das Griffbrett ist scharfkantig und schmerzt bei längerem Spiel.
Ich habe ihr später einen Fishman spendiert. Das war ein Fehler. Sie hat an Klang ein wenig verloren, auch wenn der ausführende Gitarrenbauer das vehement bestreitet.
Demnächst werden Guild-Gitarren unter Fender-Regie in Mexico zusammen gezimmert. Das Ende einer großen Tradition.
Bei den Zwölfsaitigen war Guild übrigens immer das Maß aller Dinge.





















