National Style O
Hier handelt es sich um eine National Style O aus den frühen 90er Jahren. Damals hatten Investoren die Rechte an der Marke National erworben, sogar teilweise die alten Maschinen wiederentdeckt und begannen mit dem Bau dieser traditionsreichen Instrumente. Als Vorlage dienten ihnen die Gitarren des National-Gurus Bob Brozman. Seine CDs sind mehr als hörenswert und er spielt ausschließlich Nationals.
Der Body ist aus Messing und vernickelt. Der durch die ganze Gitarre laufende Hals ist aus Mahagony und trägt ein Ebenholzgriffbrett. Die ersten National-"Reissues" hatten noch keinen Stahlstab im Hals. Um nun auch den für Slide-Spiel geeigneten dickeren Saiten und ihrem Zug standzuhalten, hat der Hals Ausmaße, wie ich sie noch nie erlebt habe. Ich muss immer lächeln, wenn Kollegen ihre zarten Les Paul-Hälse mit einem Baseballschläger vergleichen. Solange sie nicht eine solche National in den Händen gehalten haben, wissen sie nicht, wovon sie reden.
Der Resonator ist ein Cone-Resonator. Das ist die ursprüngliche Resonator-Form, die die Gebrüder Dopyera im Dienste von National erfunden haben. Als die Dopyera Brothers (Dobro) sich dann selbständig machten, blieben die Rechte für die Cone-Konstruktion bei National. Alte Dobros sind deshalb mit dem deutlich schlechteren Spider-Resonator ausgestattet. Auch die Dopyera Brothers hielten den Cone für die bessere Erfindung.
Neue Dobros haben aber ebenfalls Cone-Resonatoren.
Per Sandstrahlgebläse sind hawaiianische Motive auf die Gitarre aufgetragen. Die noch teureren Modelle Style 1 bis Style 5 mit drei Resonatoren (Tricones) tragen aufwenige, handgemachte Gravuren. Sie stehen dann preislich in einer Reihe mit den 59er Reissue Les Pauls von Gibson.
Durch das hohe Setup für das Slide-Spiel, wird das normale Spiel auf der National selbst für geübte Finger nach kurzer Zeit zur Tortur. Dafür glaubt man beim (lauten) Klang der Gitarre aber, dass der Mississippi vor den Füßen des Spielers fließt...






















