Jeder Gitarrist, der Blues nicht als langweilig und öde empfindet, brütet irgendwann mal die Idee aus, einen oder mehrere
Songs akustisch zu präsentieren. Wirkungsvoll eingestreut kann das eine interessante Abwechslung sein, an der auch
waschechte Blues-Muffel ihre Freude haben. Plötzlich merkt man, daß es ein (Musik-)Leben abseits von mannshohen
Marshall-Stacks und japanischen HiTech-Klampfen gibt, und der Blues vielseitiger ist, als man bisher glaubte ...
Wenn man Glück hat, hat die alte Akustische, die seit Jahren verstaubt in einer Ecke des Proberaums 'rumsteht, genau den richtigen Blues-Ton - doch meistens werden solche Märchen nicht wahr. Und das bedeutet, daß man sich nach einem geeigneten Arbeitsgerät umschauen muß. Als amtliche Namen fallen einem da "Dobro" oder "National Steel" ein, aber für solche Anschaffungen braucht man meistens nicht nur das "o.k." von den Band-Kollegen, sondern auch vom Banker ...
Ich war angenehm überrascht, als das bekannte Musikhaus Thomann (häufig als Musiker-ALDI diffamiert, was aber m. E. ungerecht ist) vor ein paar Jahren eine Resonatorgitarre mit Metallbody unter DM 700.- (heute 298 Euro) anbot. Das war fast sensationell - an einem freien Tag kletterte ich in mein Auto und wollte das Teil vor Ort testen und begutachten. Fast wäre ich am eher unscheinbaren Thomann-Haupthaus vorbei gebrettert, landete dann aber doch sicher in der Gitarrenabteilung. Ein freundlicher Mitarbeiter führte mich zu den "Blechklampfen" und drückte mir mein Wunschmodell in die Hand, wies allerdings auch gleich auf die Alternativen hin - nichts erinnerte mich dabei an ALDI. Ich konnte ohne Zeitdruck alles ausprobieren was ich wollte, und stellte fest, daß die Ganzstahl-Modelle doch schwerer als erwartet waren - immer wieder griff dann zu dieser (mir bislang unbekannten) Fender. Die war bedeutend leichter, klang aber auch nicht ganz so metallisch - irgendwie lag der Sound zwischendrin, aber schön und sehr bluesig. Vielleicht wäre ich flotter zu einer Entscheidung gekommen, wenn ich früher einen Blick auf das Etikett geworfen hätte, aber ich traute der Marke keinen akzeptablen Preis zu. Irgendwann wollte ich's dann aber doch wissen - und ich traute meinen Augen nicht: 598 deutsche Märker, also noch ein Hunderter weniger als ich ausgeben wollte. Damit war die Entscheidung gefallen ...
Während der Heimfahrt plagten mich natürlich die üblichen Zweifel, denn auf dem Rücksitz lag doch etwas anderes als geplant. Andererseits hätte ich für die wirklich schönen, reichhaltig mit Gravuren verzierten Harley Bentons sogar einen Tausender berappen müssen, was dann mein Limit völlig überschritten hätte. Und es war mir auch klar, daß diese Fender keine aus US-Fertigung sein konnte - aber das war doch eigentlich alles Nebensache. Das Wesentliche - Bespielbarkeit, Klang und Optik - stimmte ...
Bis heute habe ich den Kauf eigentlich nicht bereut, allerdings blieben der FR-50 Live-Einsätze bisher versagt. Das liegt daran, daß es problematisch ist, sie zufriedenstellend zu verstärken. Die Abnahme mit einem Mikrofon hat die altbekannten Tücken und einen Tonabnehmer kann man ihr nicht einbauen, ohne sie zu verletzen. Ich habe zwar schon von einem Pickup gehört, der "aufklebbar" sein soll, nur habe ich diesen noch nirgends gesehen. Und so habe ich nun schon überlegt, ob ich sie doch eventuell wieder verkaufen soll - inzwischen gibt es eine ganze Reihe von ähnlichen Modellen, die bereits über einen eingebauten Tonabnehmer verfügen. Doch dann schaue ich sie wieder an und schwöre ihr, daß ich mich nie von ihr trennen werde ...
























