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CAREER ES-2000/Korea

Daß halbakustische Gitarren zu meinen Lieblings-Spielzeugen gehören habe ich hier und da schon mal bekannt gegeben. Natürlich wäre eine Gibson ES 335 in rot mein Traum, da jedoch in absehbarer Zukunft kein dramatischer Preisverfall bei diesem Modell zu erwarten ist, wird's wohl ein Traum bleiben. Damit's aber nicht mißverstanden wird - von der finanziellen Seite betrachtet wäre mir die Anschaffung schon möglich, aber ich bin nicht bereit, den Markennamen und das Image teuer zu bezahlen. So ist mir bisher kein 335-Original in die Finger gekommen, die ihren Neupreis gerechtfertigt hätte - bei aller Liebe zur Klampferei bleibe ich doch nur ein Hobby-Musiker ...

Kommen wir zu dieser Gitarre - es handelt sich also um eine Career mit der Bezeichnung ES-2000. Das könnte zum einen bedeuten, daß es sich um ein modernes, im Jahr 2000 topaktuelles Instrument handelt - zum anderen aber auch nur um das Baujahr. Letzteres scheint mir wahrscheinlicher, denn besondere Neuerungen gegenüber dem Vorbild kann ich keine entdecken. Sieht man von einigen Details ab, ist die Career der Gibson doch recht ähnlich - die Form des Headstocks mußte natürlich verändert werden, was hier aber sehr ansprechend gelungen ist. Finde ich jedenfalls ...

Schuld an diesem Kauf war mal wieder Ebay, da mich das Teil aber nur rund 200 Euro gekostet hat, sehe ich von einer Klage wegen "Verführung zum hirnlosen Kaufen" ab. Offen gestanden bin ich sogar vollauf zufrieden mit meiner Beute - es ist nämlich eine richtig gute Gitarre. Nachdem ich zweimal mit ES-335-Kopien auf die Nase gefallen war, weiß ich inzwischen, was bei diesen Modellen wichtig ist. Einen Sustainblock stufe ich als wichtigsten Punkt ein, denn der verhindert in meiner bevorzugten Lautstärke das Rückkoppeln weitgehend. Ein eingeleimter Hals war mir auch wichtig, was aber ansich noch kein Vorteil sein muß - aber ein Schraubhals deutet bei Semis meistens auch auf einen nicht vorhandenen Sustainblock hin. Das mag durchaus in einigen Fällen seine Berechtigung haben - bei Kopien der 335 ist es Etiketten-Schwindel und man kann mit einem Blick (auf die Rückseite) die Spreu vom Weizen unterscheiden. Letztendlich halte ich es noch für wichtig, daß die Pickups nicht allzu "powerful" sind - es mag Einbildung sein, aber ich habe immer das Gefühl, daß "sanfte" Humbucker mehr Wärme übertragen und irgendwie "bluesiger" klingen ...

Auf die Career trifft das alles zu - sie ist darüber hinaus mehr als ordentlich verarbeitet und es finden sich auch nach intensivem Suchen keine Schlampereien. Keine scharfkantigen Bünde, keine Holzsplitter in den F-Löchern, nichts - höchstens an der Verlegung der Kabel im Inneren könnte man herummäkeln. Da jedoch auch die Hardware keine Gründe zu Beanstandungen gibt, vergessen wir das schnell und widmen uns dem Klang. Der ist - wie ersehnt - weich und warm und bluesig, entzieht der Career aber auch die Grundlage, zur Allround-Gitarre zu werden. Das deutet sich schon an, wenn man sie "trocken" spielt - Prädikate wie "knackig", "perlend" oder gar "perkussiv" treffen nicht zu. Werden krachende Rock- oder HM-Sounds gewünscht, sollte man schnell zu einer geeigneten Kollegin wechseln ...

So, dann muß ich nur noch die Bespielbarkeit ansprechen, was aber immer auch Geschmackssache ist. Den Hals der Career würde ich als kräftig, aber nicht dick bezeichnen, er hat eine (mir angenehme) D-Form und ist sogar für flottes Solieren gut geeignet. Das Griffbrett hat eine dezente Wölbung, etwa so wie man es von einer Paula kennt. Andere würden vielleicht anders urteilen - mir liegt diese Gitarre und ich habe mich beim Spielen sofort wohlgefühlt ...

Fazit: es ist erstaunlich, wie hochwertig Gitarren aus Korea inzwischen schon sind - ich kann nur jedem raten, nicht vom Land des Herstellers auf die Qualität zu schließen. Da könnte man was verpassen !


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