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BOGEY Telecaster Kopie

Und noch eine Asiatin - kommt zur Abwechslung mal aus China. Eine Bogey ! Es handelt sich mal wieder um eine typische "Internet-Marke", die man in keinem Laden findet. Würde man sie "öffentlich" anbieten, wäre der Ärger mit Fender vorprogrammiert - all das, was man normalerweise nicht kopieren darf, wurde dei diesem Teil unverändert übernommen. Sogar die Farbe - als "lake placid blue" oder auch als "electric blue" bezeichnet - hat man ziemlich "echt" hingekriegt ...

Man ahnt es schon, auch diese Klampfe fand ihren Weg zu mir über die dunklen Pfade des Internets. Aber ich konnte sie vor dem Kauf zumindest begutachten und ausprobieren - allerdings in einer schlecht beleuchteten Ecke eines McDonald's Parkplatzes. Der Verkäufer wollte lieber nicht gesehen werden, weil er im "richtigen" Leben einen ganz normalen Musikladen betreibt. Gut, das mag zwar nicht korrekt sein, aber ich wollte eine preiswerte Tele haben, und die kriegte ich - sogar mit der mündlichen Garantie, daß sie richtig gut klingen würde. Nebenbei bemerkt war sie auch nicht "leicht gebraucht", sondern nagelneu ...

Ich war natürlich gespannt, ob ich das mit dem guten Klang auch so beurteilen würde, aber es war keine Übertreibung. Der Steg-Pickup brachte wirklich einen druckvollen Sound, der genauso war wie ich mir den typischen Tele-Klang vorstellte (allerdings hatte ich zuvor noch nie eine besessen). Den Hals-Tonabnehmer konnte man allerdings vergessen - er war im Vergleich zu dünn und zu leise, und auch nicht einstellbar. Aber das ist m. W. beim Original auch nicht besser - Jimi Hendrix soll einmal über Telecasters gesagt haben, daß sie zwei Sounds habe, einen guten und einen besch..., also einen nicht so tollen. Zunächst aber fand ich mich damit ab und setzte den Hals-PU gar nicht ein. Gar nicht zufrieden geben konnte ich mich dagegen mit den Stimm-Mechaniken - die waren unter aller Kanone und fanden sich in der Schrottkiste wieder. Ein Satz Schallers hatten einige Tage später ihren Platz eingenommen, und nun war ich glücklich. Zunächst ...

Im Laufe der Zeit störte mit der Hals-Pickup immer mehr - der Kollege am Steg klang richtig klasse, mit sehr viel Durchsetzungsvermögen und ohne Brummen, aber der andere, also nee ! Ich rätselte eine zeitlang herum, was sinnvoll sein könnte, konnte mich aber nicht durchringen, einen teuren Austausch-PU zu kaufen, der dann womöglich auch nicht die gewünschte Verbesserung bringt. Schließlich entschloß ich mich, den Hals-Single Coil durch einen Humbucker zu ersetzen. Ich hatte gerade einen Satz Phönix-PU's (ein HB, zwei SC) für wenig Kohle bei Ebay ergattert, und nutzte die Gelegenheit. Mit Bohrmaschine und allerlei anderem Werkzeug rückte ich der Bogey auf die Pelle und fräste ihr auf übelste Weise eine HB-Aussparung in den Bauch. Nachdem zwei Bohrer und mein linker Daumennagel draufgegangen waren, pfriemelte ich den Phönix-Humbucker in das Loch. Da ich die Aussparung im Schlagbrett auch vermurkste, blieb mir nichts anderes übrig, als das Rähmchen miteinzubauen - nun sieht's etwas klobig, aber wenigstens sauber ...

Ich war natürlich sehr gespannt, ob die Operation gelungen war, aber vor das Klimpern hat der Herr nun mal das Saitenaufziehen gesetzt. Aber danach konnte der Soundcheck beginnen - es war bereits beim ersten Ton zu hören, daß der Phönix-Humbucker ein idealer Partner für den Steg-PU war. Erstaunlicherweise war die Lautstärke exakt gleich, und es ergeben sich nun drei richtig gute Sounds. Besonders bei maßvollen Gain-Einstellungen am Verstärker habe ich vom singenden Blueston (Hals) über einen knackigen Rhythmklang (Hals/Steg) bis zum beißenden Leadsound mit Twäng fast alles was ich so brauche. Obwohl ich sicher nur geringen Anteil an diesem Ergebnis hatte, war ich doch mordsmäßig stolz auf mich ...

Zur Verarbeitung und Bespielbarkeit: neben den erwähnten Schwachstellen gab es kaum Gründe zu klagen - mag sein, daß das Original etwas dicker mit Lack überzogen ist, aber es ist durchaus akzeptabel. Der Hals war unlackiert, vermutlich sogar unbehandelt - ich habe ihn gewachst, und inzwischen ist er so abgegriffen, daß er schon richtig glänzt. Das warme Holzgefühl ist erhalten geblieben. Das alles ergibt ein angenehmes Gefühl beim Spielen, was zusammen mit den positiven Klangeigenschaften dazu führte, daß ich die Bogey häufig live als Dritt-Gitarre dabei habe ...

Fazit: für insgesamt rund DM 300.- (heute ca. 150 Euro) eine sehr brauchbare Klampfe, die nicht nur gut klingt, sondern auch noch angenehm leicht ist. Die ganzen Mißhandlungen wären mir bei einer Fender nicht so leicht gefallen !


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