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HOYER H-7000 6/12-String Doubleneck

Von dieser wunderschönen 2-hälsigen Lady habe ich mich vor einiger Zeit getrennt - nach 22 Jahren ! Schuld daran war die weiße VENTURA, die Ihr auf einer anderen Seite bewundern könnt, aber fangen wir doch von vorne an ...

Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal Bilder von John McLaughlin und seinem monströsen Spielzeug (einer Gibson EDS-1275) sah, war ich von diesen Geräten fasziniert. Es verschlimmerte sich noch, als Jimmy Page sich häufig mit seiner Doubleneck ablichten ließ, aber es war natürlich nicht möglich, einfach in den nächstbesten Gitarren-Laden zu marschieren und sich so ein Teil einpacken zu lassen. Kein Händler stellte sich so eine spezielle und teure Gitarre ins Schaufenster ...

In meiner Zeit als Big-Band-Tiefton-Mann (einige Jahre später) kam dann der Gedanke auf, daß ein Instrument mit einem Baß- und einem Gitarren-Hals die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten erweitern könnte. Und siehe da - von Ibanez gab es tatsächlich so etwas. Und diesmal wäre es sogar finanziell machbar gewesen - doch die Big Band wurde bald darauf aufgelöst, und der Kauf abgesagt. Aber kurz darauf klappte es - in der nächsten Band hatten wir ein Instrumental, das geradezu danach schrie, mit einer 12-Saitigen gespielt zu werden. Zeitgleich bot ein kleiner Musikladen in einer Anzeige der Tageszeitung eine Hoyer H-7000 Doppelhalsgitarre mit Koffer an - trotz Schneegestöber war ich pünktlich vor Ort und legte die geforderten 950 Mark bar auf den Tisch. Bei der Rückfahrt fragte ich mich allerdings, ob ich das Geld nicht besser in gute Winterreifen investiert hätte ...

Der Winter ging vorüber, und auch meine Euphorie wandelte sich zur nüchternen Einschätzung - die HOYER H-7000 war ohne Frage eine hochwertige Gitarre, bei der nur beste Zutaten Verwendung fanden. Man werfe nur mal einen Blick auf die massiven Rollenstege oder Abdeckungen der Saitenhalter. Auch bei der Elektronik wurde nicht gespart - ein Blick unter die "Hauben" offenbarte viele Highend-Schalter und -Potis, alles gekapselt und eingegossen und was-weiß-ich. Solche "Innereien" habe ich sonst noch nirgends gesehen ! Doch so positiv das auch klingen mag - all diese Pracht hatte auch schwerwiegende Nachteile, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die HOYER brachte über 8 Kilo auf die Waage ...

Das Übergewicht alleine hätte mich wahrscheinlich noch nicht zum Verkauf bewogen, aber es kamen noch die ständigen "Stimmungsschwankungen" dazu. Trotz tadellos funktionierender Mechaniken (mit Hoyer-Symbol, aber vermutlich von Schaller) war der 12-saitige Bereich äußerst sensibel und ständig "out-of-tune". Und der 6-String-Hals lag irgendwie nicht angenehm in der Hand, was den Spaß an diesem Instrument erheblich trübte - und so lag die HOYER oft jahrelang nur unbenutzt im Koffer. Als ich dann die VENTURA bei Ebay entdeckte, hoffte ich, daß ich mit ihr glücklicher werden würde. In einem seltenen Anfall von Vernunft (Sammler wünschen sich diese, haben sie aber selten) entschloß ich mich, die VENTURA zu kaufen, die HOYER aber im Gegenzug in gute Hände abzugeben. Natürlich tat der Abschied schon etwas weh, aber die VENTURA entschädigte mich mit guter Bespielbarkeit, Stimmstabilität, ähnlich fettem Sound und etwas weniger Gewicht ...

Zur Geschichte der HOYER H-7000 kann ich leider nicht viel erzählen - selbst ein Mitarbeiter von Hoyer, dem ich Anfang der 80er Jahre auf der Frankfurter Musik-Messe ein Foto zeigte, kannte das Modell nicht. Ich habe bis heute auch keine zweite gesehen (nur mal ein Foto von einer cremefarbenen) - das belegt, daß die H-7000 vermutlich kein Massenprodukt war. Nur einmal entdeckte ich eine H-7100, die anstelle des 12-Saiten- einen Bass-Hals hatte. Über das Baujahr läßt sich nur spekulieren, aber ich denke, man liegt nicht völlig falsch, wenn man es in der Dekade 70's vermutet ...

Fazit: sehr selten, sehr hochwertig, sehr schwer - nur etwas für Freaks, die kräftig genug sind, das Gewicht und die Launen der Lady zu ertragen. Ich mochte sie, aber auf Dauer war sie mir zu anstrengend ...


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