PEARL gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Herstellern in der Musik-Branche - allerdings stellt sich bei diesem
Namen meist nur bei Schlagzeugern freudige Erregung ein. Gitarristen fühlen sich nicht angesprochen und träumen weiter von
Rickenbacker, Gretsch, Fender ... und natürlich Gibson.
Gut, die Aktivitäten von Pearl auf dem Sektor "Saiteninstrumente" waren eher von bescheidenem Ausmaß und die Erfolge mäßig bis saumäßig. Jedenfalls habe ich noch nicht viele Gitarren von Pearl gesehen. Neben einigen eigenen Kreationen (z.B. Pearl Export), denen man aber stets die Verwandtschaft ansah, gab man wohl hauptsächlich Kopien der Gibson Klassiker Les Paul und SG. Von anderen Modellen ist mir zumindest nichts bekannt ...
Meine Pearl LP Custom Kopie dürfte etwa aus der Mitte der 70er Jahre stammen - ich habe sie ca. 1980/81 gebraucht gekauft, und da hatte sie offensichtlich schon harte Zeiten hinter sich. Viele Dellen, Macken und Lackschäden verrieten, daß sie entweder ziemlich lieblos behandelt worden war, oder der Vorbesitzer auf der Bühne abging wie "Schmitz' Katze" ...
Ein Lackstift mit passender Farbe konnte die Schäden nur teilweise vertuschen, aber sie sieht nun wenigstens von einiger Entfernung nicht mehr so ramponiert aus. Allerdings habe ich mich noch mehr an ihr "versündigt" - die originalen Pickups habe ich sofort durch zwei ältere Epiphone Humbucker ersetzt, und später, in einem Moment der Unachtsamkeit, fiel meine "Pauline" so unglücklich, daß die Kopfplatte brach.
Mit etwas Leim konnte der Schaden zwar behoben werden, aber es blieben
neue Narben. Natürlich hat auch der Zahn der Zeit seinen Beitrag zum heutigen Zustand geleistet - die vergilbten Bindings
sehen in Wirklichkeit nicht so übel grünlich aus wie auf den Fotos, aber es ist fast zuviel des guten (Vintage-Flairs).
Eine Mitschuld am heutigen Teint hat sicher auch die "Räucherkammer" Proberaum ...
Man könnte behaupten, daß die Pearl baugleich ist mit den Gibson Paulas - einen Mahagony-Body und einen eingeleimten Hals hatten damals jedenfalls nicht alle Kopien aus Japan. Maße und Gewicht entsprechen auch dem Vorbild, aber das wichtigste ist ja wohl der Klang - bei jedem Wettstreit zogen die neuzeitlichen Originale bisher in jeder Beziehung den Kürzeren. Ein Tausch käme für mich nie in Frage ...
Eine weitere Schandtat war der Einbau der beiden Mini-Schalter, die aus den HB's Single Coils machen - wenn man's aber von der rein funktionellen Seite betrachtet, muß man die erweiterten Klangmöglichkeiten positiv sehen. Auch im einspuligen Betrieb machen die PU's ein gute Figur, und die Sounds sind sehr eigenständig (es klingt nicht nach eingebauter Strat). Auch die möglichen PU-Kombinationen haben durchweg alle ihren Reiz und ihre Qualität - da muß hier doch glatt mal Epiphone loben, was mir wahrlich nicht leicht fällt ...
Fazit: meine "Pauline" ist vom Leben gezeichnet, aber das hat sie stark - wenn auch nicht wertvoll - gemacht. Es gibt nicht viele, die ihr das Wasser reichen können ....






















