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Yamaha DG1000

Mein Yamaha DG1000. Puh, viele Leute werden jetzt jammern, von wegen Modelling-Preamp. Aber dieses Teil klingt wirklich höchstamtlich. Die komplette Rechenpower geht in den Sound, nicht in irgendwelche Effekte, die viele der sogenannten "Ampmodeller" mit an Bord haben.

Yamaha betreibt bei den Ampsimulationen auch keinerlei Name-Dropping, sondern die acht Gainstufen heissen ganz einfach Clean 1 bis Distortion 2. Ein besonderer Gag sind die motorisierten Potis, die beim Aufruf eines gespeicherten Sounds langsam und wie von Geisterhand bewegt auf ihre Positionen fahren. Der Preamp hat natürlich Midi-Buchsen, aber ich musste feststellen, das eine Umschaltung der Sounds während des Spiels keine gute Idee ist. Der Yamaha nimmt sich eine kurze Schaltpause von einigen Millisekündchen, was aber dennoch deutlich wird. Unschön! Nun gut, wir spielen Musik, in der ich auf so etwas verzichten kann, als einzige Gitarre in der Band komm ich beim Solo immer durch, und der Verzerrgrad lässt sich auh wunderbar mit dem Poti der Gitarre regeln.

Der Sound ist natürlich auf Knopfdruck sofort der abgespeicherte, es dauert also nicht solange bis die Potis ihre Stellung eingenommen haben. Diese Potimotorisierung dient also lediglich der Visualisierung des eingestellten Sounds. Der Amp hat keinerlei Effekte, nicht einmal einen Effektweg. Das solide Stahlblechgehäuse verleiht dem Teil eine immens vertrauenswürdige Erscheinung.

Offenbar sitzt auch ein grosszügig bemessenes Netzteil im Inneren. Den Sound könnte man im Distortionbereich am besten mit "very british" bezeichnen. Also keine Highgainkiste, eher Richtung "hot rodded british amplification", auf jeden Fall kommt der Preamp meinen alten JCM 800s verdammt nahe. Man kann aber trotzdem gewiss geteilter Meinung sein, was diese Amps angeht, wenn man allzu puristisch denkt. Irgendwie habe ich mich anfangs auch schwer getan, hat doch so eine Kiste mehr mit einem Computer gemein, als mit mit einem wirklichen Amp.

Bei Erscheinen sauteuer, später dann beim Thomann für 800 Mark verramscht, und in Ebay jetzt für kleines Geld zu bekommen. Aber ich kann diesen Amp nur jedem empfehlen, der einen gutklingenden, dynamischen (so wie hier hab ich das bei noch keinem "nicht-Röhren-Amp" erlebt) Preamp sucht. Der Amp reagiert wie ein "echter" Röhrenamp sehr feinfühlig auf Anschlagsstärke und Volumenpoti der Gitarre. Der sound bleibt immer offen und lebendig. Diese "Bis-zur Unkenntlichkeit-Kompression", man kann es auch Soundbrei nennen, den viele Ampmodeller im Highgainbetrieb produzieren, ist dem Yamaha DG1000 fremd. Hier klingt eine Gitarre noch nach Gitarre, soll heissen jede Gitarre individuell. Viele Modeller, besonders die Behringer V Amps, und andere Multieffekte mit Alibi- oder Möchtegern-Vorstufe lassen praktisch jede Gitarre gleich klingen, egal ob edle Klampfe oder billiges Brett von Harley Benton. Der Yamaha ist so ehrlich, dass er miese Qualität des Eingangssignals sofort schonungslos offenbart. Unakkurates Spiel wird ebenfalls ohne Erbarmen dargestellt.

Wenn hier also eingangsseitig Mist reingeht, dann kommt aus der Box auch wieder Mist heraus. So einfach ist das. Der Amp ist wahrlich kein Weichzeichner.

Mancher wird sich fragen, wo denn der Herr Saitenteufel seine Endstufe hat. Sie steht hinter der/den Boxen. Und jetzt kommt´s! Ich verzichte auch bei der Endstufe auf Röhren. Mancher wird nun die Hände über dem Kopf zusammenschlagen oder zumindest skeptisch gucken, aber für die Verstärkung sorgt eine 500 Watt Trace Elliot Bass Endstufe, vielmehr die Endstufe eines 2x250 Watt Trace Elliot Basstops, die über den Poweramp-Line In angesteuert wird. Zwischen Yamaha DG1000 und der Endstufe sitzt noch ein Audiocentron (Ampeg) Multieffekt, der das Vorstufensignal auch noch in ein Stereosignal aufteilt.

Ursrünglich als Versuch und als Interimslösung gedacht, aber wahrlich überzeugend. Power bis zum Abwinken, robust (dieses Teil kann nichts erschüttern) und absolut geil klingend. Soundmässig, so kann man sagen, geht die ganze Anlage sehr in Richtung heissgemachter JCM 800, krachige Brachialgewalt im Gewand der 80er.

Mancher wird jetzt sagen: "Unglaubwürdig, Wunschdenken!" Aber Pustekuchen! Trotz der eigenwilligen Zutaten ist das genau der Sound, den ich immer haben wollte, und fast der Sound, den ich auch damals mit meinen JCM 800s hatte.

Und da die DG1000 Preamps mittlerweile so günstig zu bekommen sind, hab ich mir noch zwei "Spareteile" auf Halde gelegt. Wer weiss was noch kommt.

Apropos: Der Amp hat auch eine Speakersimulation, die aber wenig taugt im Gegensatz zu den wirklich guten Cabinetemulationen des Yamaha DG Stomps (Ihr wißt schon, dieser knallrote Bodentreter von Yamaha).


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