Meine beiden Hohner SR Heavy´s. Durchgehende Hälse, Kahlervibratos und höllisch heisse Humbucker (vermutlich aus dem Hause Schaller, die Dreipunkt-Befestigung im Rahmen, legt diesen Verdacht nahe). Die Vibratos (ich sage übrigens bewußt nicht "Tremolo") wurden von mir ausgebaut und vor dem Wiedereinbau arretiert mittels einer massiven Schraube, die nun Grundplatte und bewegliches Teil des Vibratos verbindet. Praktisch sind so aus den Vibratos feste Bridges geworden, welche allerdings über Finetuner verfügen. Durch das Zusammenwirken dieser Feinstimmer und der Locknuts ergeben sich zwei annähernd verstimmungsfreie Klampfen. Die Hälse sind sehr schmal, aber nicht zu dünn. Bei beiden Exemplaren liess sich eine sehr niedrige Saitenlage verwirklichen. Apropos: die Gitarren weisen eine 25.5" (also fendermäßige) Mensur auf, was mich bass erstaunt hat.
Mittlerweile sehr rare Gitarren. Nicht zu verwechseln mit den erheblich billigeren Hohner SR Devil Gitarren, die Schraubhälse hatten und auch sonst nicht an die Fertigungsqualität der teureren Modelle heranreichten. Die beiden SR Heavy´s sind aus philippinischem Mahagony, sowohl die Bodies als auch die dreistreifigen Hälse. Hohner liess diese Gitarren Mitte bis Ende der 80er Jahre in Korea fertigen, und die Vermutung liegt nahe, dass sie in den gleichen Manufakturen entstanden, die damals auch für Ibanez, Jackson oder Charvel die preisgünstigeren Modelle fertigten. Diese beiden Gitarren sind meine Haupt- und Lieblingsgitarren.
Ihr Alter von nun annähernd 20 Jahren fühlt man ihnen irgendwie an. Das sind Gitarren aus einem Holz, auf dem nicht im letzten Jahr noch Vögel ihre Lieder sangen. Und so klingen sie auch. Irgendwie sehr vintage-mässig. Beide haben einige Dings und Dongs, aber das stört mich nicht. Irgendwie fühlt man den Beiden an, das sie Geschichten erzählen könnten. Wenn es eines gibt, was ich nicht mag sind es ladenneue ungespielte Gitarren. Da hat doch so ein altes Teil mehr Charakter, auch wenn auf den Kopfplatten das Logo des deutschen Mundharmonikafabrikanten prangt. Den Sound kann man als absolut fett bezeichnen, mit schier endlosen Sustain. Fast jede Note kann, wenn der Spieler es will in sogenannte "artificial harmonics" umkippen. Dies ist zwar auch durch eine gewisse Spieltechnik bedingt, aber es gibt Gitarren, die sich diesbezüglich etwas williger geben als andere. Diese beiden hier gehören dazu. Vielseitig sind sie nicht, die beiden Schwestern, sondern eher für bratende Vollbedienung gedacht. Ich glaube, es käme auch niemand auf den Gedanken auf solchen Klampfen Jazzstandards zu spielen. Der Sound ist jedenfalls als sehr drückend zu bezeichnen, geprägt von warmen Bassanteilen und reichlich Mitten.
Mittlerweile wundern sich einige Leute über diese Hohner Gitarren. Oft werden sie auch geschmäht, aber nur bis zu dem Punkt wo der Schmähende sie selbst einmal in die Hand nimmt und ein wenig darauf spielt. Die Gitarre war nur in diesen beiden Lackierungen erhältlich, ansonsten sind beide Exemplare absolut identisch.
Sollte noch jemand so ein Ding sichten: Bitte unbedingt eine Nachricht an mich! Meine beiden geb ich nie wieder her!




















