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Gibson Les Paul 1958 Reissue Historic Collection (Peggy)

Lange Jahre, um genau zu sein seit 1995, besaß ich nichts weiter als eine einzige Gitarre. Ein Gibson Les Paul Studio. Sie war gewissermaßen der Einstieg in jene Equipment-Gefilde, die eine etwas "wertigere Aura" versprühen - sei es auch nur des Namens wegen. Bis zu diesem denkwürdigen Tage im Jahre '95 hatte ich lediglich Fernost-Ware aus den Achtzigern gespielt und die war, ganz im Gegensatz zu den heutigen Produkten aus Asien, einfach grottenschlecht.

Irgendwann, kurz nach dem Erwerb meiner Les Paul Studio, trat dann die aktive Musik durch Studium und Familiengründung ganz in den Hintergrund und lange Jahre tat ich nichts weiter, als die Studio kurz auszupacken, ein bißchen auf ihr zu klimpern und sie nach ein paar Minuten wieder ins Gigbag zurückzulegen.

Das änderte sich irgendwann 1999 schlagartig und offen gestanden weiß ich noch immer nicht ganz genau, was diese Initialzündung herbeiführte. Vermutlich lag es an der richtigen Mischung aus Wehmut der Musik den Rücken gekehrt zuhaben, schlechtem Gewissen gegenüber der einst so geliebten Gitarre, wiedererstarktem Interesse an der Schönheit von Gitarren im Allgemeinem und der sehr viel besseren Finanzlage.

Ich fing endlich wieder an wie besessen zu üben und kaufte binnen eines Zeitraumes von nur einem Jahr eine Menge Gitarren, einschließlich solcher edlen Raritäten wie einer Ibanez JEM 10th Anniversary (s. Sold Gallery). Auf der traute ich mich ab er nicht so recht zu spielen.

Kurz: Ich holte all das nach, was mir in meinen Zeiten als Schüler und Student verwehrt war.

Entgegen jeder Vermutung wurde ich damit aber nicht wirklich glücklich. Denn der Kaufrausch hatte im wesentlichen nur zur Folge, da sich wegen des Überangebotes keine wirkliche Präferenz bilden konnte. Mit Ausnahme meiner Ritchie Blackmore Signature, macht mir keine der Gitarren wirklich lange Spaß. Der Reiz des Neuen verflog sehr schnell und die meisten Gitarren verließen den Koffer nicht mehr.

Eines Tages entdeckte ich bei eBay diese Gibson Les Paul Reissue und, im Rausch eines neuerlichen G.A.S-Anfalles, meinteich meine Sammlung um diese Historic erweitern zu müssen. Dummerweise fehlte mir aber zu diesem Zeitpunkt das nötige Kleingeld, trotzdem sagte ich dem Verkäufer zu. Wahnwitzig, aber ich war mir sicher, eine meiner Gitarren schnell verkaufen zu können.

Ein Wettlauf gegen die Zeit begann.

Die JEM 10 wurde auserkoren den Besitzer zu wechseln. Doch entgegen meinen Erwartungen lag sie wie Blei in den virtuellen Regalen eBay's. Niemand konnte oder wollte so viel Geld investieren.

Ich wendete mich an den amerikanischen Markt, denn da war für eine JEM 10 einiges zu bekommen. In einem JEM-Forum stieß ich auf das Gesuch eines Belgiers. Ein paar Minuten nach dem ich meine Mail an ihn abgesandt hatte, bekam ich auch schon eine Antwort und wenige Tage später hatte er sich durch Eis und Schnee nach Deutschland gekämpft und sie mir förmlich aus der Hand gerissen.

Mit dem Geld in der Tasche machte ich mich unverzüglich auf eine fünfhundert Kilometer lange Reise zum Verkäufer der Les Paul.

Ich werde nie vergessen wie er den Koffer öffnete. Alleine das war schon eine Offenbarung. Als ich sie in die Hand nahm, wares um mich geschehen. Dieses Gefühl hatte ich, außer bei der Blackmore Signature, bei keiner Gitarre.

Ein voluminöser Hals, der aber unglaublich angenehm und ergonomisch in der Hand liegt - sie läßt sich ebenso einfach und schnellbespielen, wie eine Ibanez JEM 7VWH oder andere ausgewiesen Flitzefingergitarren. Der erste Akkord lies das ganze Instrument erzittern und zwar bis in den letzten Winkel der Kopfplatte. Unglaublich resonant. Keine Dead-Spots oder sonstige Tonkiller vermiesten mir die Freude an der Gitarre. Zehn Minuten späte hatte ich die Kohle gezückt und wie unter Drogen lächelnd aufden Tisch geblättert.

Ich ahnte, ich war am Ende meiner Suche angelangt.

Zu Hause angekommen, wurde diese Ahnung zur Gewißheit. Aus dem Verstärker kam ein Ton, der mir eine Gänsehaut über den Rückenlaufen ließ. Sahnig, cremig, weich, differenziert, ausgewogen, nicht matschig oder mulmig. Sustain ohne Ende. Die 57erClassic-PAF's sind die perfekte Besetzung. Um es mit Clapton zu sagen: "Woman Tone".

Kurz: Ich war glücklich und bereute zu keinem Zeitpunkt so viel Geld ausgegeben zu haben. Dieses Gefühl hat bis heute angehalten. Mit dieser Dame will ich alt werden.

Aufgewertet wurde die Gitarre jüngst durch originale Bumble Bee-Caps aus den Fünfzigern und logarithmischen CTS-Potis. Das hatte nicht nur positive Auswirkungen auf den Sound, sondern vor allem auf die Feinregelung von Lautstärke und Tonfarbe.

Es sei jedem angeraten, einmal eine Les Paul Reissue anzutesten. Hat man eine, will man eine weitere und findet wahrscheinlich auch nicht mehr zur Standardproduktion zurück - so arrogant das klingen mag....ehrlich :)

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