Wer mich kennt, der weiß daß ich nie ein Freund von Strats oder Teles war und bin. Jede Gitarre diesen
Typs hat mein Haus sehr schnell wieder verlassen. Und das liegt nicht etwa daran, daß ich Teles für nicht
mehr als billige Frühstücksbrettchen halte (tue ich) oder die Stratocaster für ein Instrument ohne Pfund
(sowohl klanglich, als auch hinsichtlich ihres Gewichtes), sondern vor allem daran, daß diese Dinger sich
zwar an des Spielers Körper schmiegen und suggerieren, die beste Partnerin der Welt zu sein, aber dann,
wie so manche Frau oder auch Katze, widerborstig und sperrig werden, wenn man ein paar wohlklingende Töne
herausbringen will. Dafür sind Mensur und Griffbrett-Radien meist zwischen 7 und 9 Zoll verantwortlich.
Zugegeben: Das geniale Korpusdesign einer Strat ist hinsichtlich seiner Ergonomie dem der Les Paul haushoch
überlegen. Aber das war's eben auch schon. Aber wie ich so bin, lasse ich mich von Kratzborstigem immer
wieder herausfordern und beschloß, einen erneuten Versuch zu starten.
Die Ernüchterung folgte schnell. Es gab keine Fender, die meinen Ansprüchen hinsichtlich des Halsprofils genügte. Vom Komfort der mächtigen Äste (ja, liebe Kinder und Spaghettihalsflitzer: "Komfort". Rennhälse sind absolut unkomfortabel...meine Meinung) meiner 58er und 59er Les Paul in hohem Maße verwöhnt, waren alle Fenderhälse zwei Astnummern zu klein. Einzig und alleine die SRV-Signature schien verheißungsvoll, vor allem auch wegen des Griffbrettradius von 10 Zoll, was schon ein gutes Stück näher in die Gibson-Ecke kommt.
Machen wir's kurz: Als ich die Gitarre im Laden testete, mußte ich milde lächeln. Der Hals war auch nix und außerdem sah die Gitarre aus wie ein Weihnachtsbaum mit dem ganzen güldenen Lametta dran. 1500 Euro ausgeben und dann als Erstes die Hardware wechseln? Nö.
So hatte ich meine Hoffnung auf etwas Stratartiges mit einem Hals nach meiner Fasson schon fast begraben,
als ich ein paar Tage später interessehalber einmal durchspielte, was mich eine Warmoth-Bestellung kosten
würde. Und siehe da: 1000 Dollar zzgl. ca. 200 Euro Zoll und Einfuhrumsatzsteuer und obendrein noch Bastelspaß...
Customshop für Arme ABER Clevere dachte ich mir und bestellte frisch, frei, fröhlich drauflos. Hier ein AAA-Flame Ahornhals, da ein leckeres Rio-Palisander Board, gewürzt mit den einem Les Paul-Spieler so vertrauten 6130 Jumbo Frets und flachen 12 Zoll Radius. Halsdurchmesser? Da gab es - siehe da - z.B. das Halsprofil "SRV" im Angebot, "Boat" und "Fat". "Fat" klang gut. Zwar fand ich, das"Double-Fat" noch besser klänge, das aber gab es nicht. Vom ersten bis zum letzten Bund hat man mit "Fat" immerhin satte 1 Zoll in der Hand. Weiter in der Bestellung: Satin-Finish, weil ich die High-Gloss lackierten Hälse nicht ausstehen kann. Dicke CBS-Kopfplatte, damit der Ton noch mehr Holz hat. Dann noch einen einteiligen Erle-Body, darauf ein schönes 2-Tone-Sunburst und beim hardwaretechnischen Rest auf Bewährtes setzen - fertig war das Ding. Bestellung gefaxt und acht Wochen Wartezeit später, kam UPS mit zwei Paketen in der Hand, darin meine Bastelmoth. Schon das Auspacken war eine Freude für die Augen. Die Verarbeitung war ohne jeglichen Makel, die Lackierung atemberaubend gut und das Sunburst wirklich exakt so, wie ich mir das vorgestellt habe. Sofort bohrte ich drauf los und bastelte sie zunächst einmal zur Überprüfung ihrer akustischen Eigenschaften ohne Elektronik zusammen. Pickups hatte ich ohnehin nicht.
Als ich ihr die ersten Töne entlockte, war ich begeistert von der Lautstärke, Differenziertheit und dem runden,
vollen Ton. Das Beste aber: Das Ding fühlte sich in meiner Hand fast so an, wie meine beiden Les Paul. Ich hatte
konstruktionstechnisch einen Volltreffer gelandet. Am nächsten Tage dann orderte ich die Pickups: Das Alnico 2
Blues-Set von Häussel und am Übernächsten waren sie schon da und ich konnte mit dem Löten beginnen. Das aber artete
in ein Fiasko aus und ich wußte nicht warum. Der Lötkolben war heiß genug, aber das verfluchte Lötzinn verhielt
sich extrem störrisch und wollte nicht haften. Die Masseverbindungen auf den Potigehäusen haben mich fast um den Verstand gebracht!
Irgendwann aber war es geschafft und ich rannte zum Verstärker um das Gefrikel auf seine Funktionsfähigkeit zu testen. Nix. Absolut nix kam aus dem Verstärker, außer einem ohrenbetäubenden Brummen. Irgendwo mußte was mit einer Masseverbindung nicht stimmen.
So habe ich mich denn am Abend noch mal hingesetzt und alles abgelötet. Ich ging dieses mal mit mehr Ruhe zu Werke und korrigierte gleich noch ein paar Fehler. Ich hatte nämlich während des ersten Versuches gelernt, daß in einer Strat nicht gerade viel Platz ist und unbeschnittene Pickup-Kabel da nur wirklich sehr, sehr schwer unterzubringen sind......
Unter Verwendung eines anderen Lötzinns ging die Sache denn auch leicht(er) von der Hand und ich hatte in sehr viel kürzerer Zeit, ein sehr viel sauberer aussehenderes Ergebnis erzielt (wobei ich kein Lötmeister bin und meine Lötstellen keine Urkunde verdienen). Und nun kam auch das Ticken meiner Quarzuhr aus dem Verstärker und zwar in allen Schalterpositionen.
Gegen Mitternacht war die Bastelmoth dann fertig und tönte clean sehr schön aus dem Übungsamp. Betrieben an meinem Engl-Sovereign allerdings dann die Ernüchterung: Ein Brummen, dass es keine Freude ist. Das, so dachte ich, läge daran, daß ich mit der Amp-Einstellung spielte, wie ich sie für meine Les Paul nutze. Der Verstärker läuft immer im High-Gain Kanal und ich regele den Grad der Verzerrung alleine mit dem Volume-Poti. Das, so glaubte ich, mit den Single Coils wohl knicken zu können. Im Crunchbetrieb war das Ganze schon erträglicher, aber für meine vom nahezu brummfreien Humbuckersound weichgespülten (im postiven Sinne) Ohren immer noch ein Graus.
Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben und bastelte die Bastelmoth wieder auseinander. Dabei stellte sich heraus, dass ich die Masse an den heissen Ausgang der Klinkenbuchse gelötet hatte und den heißen Draht an die Masse. Nachdem das korrrigiert, die Gitarre darüber hinaus noch gründlicher als zuvor mit Kupferfolie ausgekleidet hatte, brummte nichts mehr. Ja, ich konnte sogar die Masseverbindung am Steg kappen.
Und nun zum Sound: Ich hatte nicht nur konstruktionstechnisch einen Volltreffer gelandet, sondern auch hinsichtlich meiner Soundvorstellungen. Sie klingt sehr warm, fast schon "Paulesk" und der Ton steht und steht und steht. Sie wurde mit der 70er Fender und der wirklich umwerfenden Schecter-Strat und Hauptgitarre meines ehemaligen Gitarrenlehrers verglichen. Die 70er hat die Bastelmoth weit hinter sich gelassen und mit der Schecter hat sie gleichziehen können. Sicher auch ein grosser Verdienst von Harry Häussel.
Fazit: Eine sehr schöne Gitarre, optimale Bespielbarkeit ohne Kampf, edelste Zutaten, sehr resonant, warm, tadellose Verarbeitung und das alles für wirklich kleines Geld! Bis auf Letzterers, kriegt man sowas nur vom heimischen Gitarrenbauer oder vom Fender CS.






















