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IBANEZ "Destroyer", Modell 2459, MiJ, Serien-Nr. D 777651, Bj. April 1977

Dies ist meine persönlichste Gitarre mit einer sehr abenteuerlichen Geschichte - die braucht leider etwas Zeit beim Lesen. 1978 kaufte ich die Gitarre dem Erstbesitzer, einem Gitarristen in meiner Band, ab - sie war von diesem Moment an immer meine Hauptgitarre aufgrund ihrer hervorragenden Qualität und tollen Bespielbarkeit. 1986 löste ich nach einem frustrierenden Bandsplit meine komplette Sammlung an Instrumenten auf und gab alles, was ich an Gitarren und Amps besaß, an einen Gitarrenshop zum Kommissionsverkauf.

Die Explorer war schon nach kurzer Zeit verkauft..... ich hatte sie seitdem immer sehr vermisst, aber weg war eben weg - vor allem machte ich keine Musik mehr - also brauchte ich so einen "Quatsch" wie E-Gitarren auch nicht... das redete ich mir nun immer ein - von 1986 bis 2003.

Im Februar 2003 (ich hatte bis dahin NIE WIEDER eine Gitarre besessen - believe it or not...) suchte ich etwas bei eBay - Ersatzteile für einen Ford Explorer Jeep. Auf Seite 3 der Suchergebnisse erschien plötzlich eine "E-Gitarre Ibanez Explorer"..... natürlich machte ich die Auktion auf....das war ja höchst spannend.

Wie vom Donner gerührt realisierte ich, dass ich gerade genau die Gitarre betrachtete, die ich 17 Jahre zuvor (!!!) treulos verkauft hatte (nicht nur DAS Modell, was ja schon selten genug ist - nein - es war MEINE alte Gitarre, zweifelsfrei an zwei markanten Umbauten zu erkennen, die ich selber durchgeführt hatte...)..... Natürlich ersteigerte ich sie umgehend zurück - und nun werden sich unsere Wege sicherlich NIE WIEDER trennen. Sie war übrigens auch der Grundstock für meine "private Sammlung", die ich seitdem zusammen getragen habe und die man hier bei "GM" anschauen kann.

Der Hammer überhaupt: Ich kaufte die Gitarre von genau Demjenigen zurück, der sie damals direkt nach mir besessen hatte. Er hat sie fast nie benutzt - denn er hatte sie ausschließlich wegen der Form gekauft, die er klasse fand - gespielt hat er sie allerdings fast nie (zum Glück!!) ... Und die Explorer lag SO im Koffer, als hätte ich selbst sie am Vortag erst dort hinein gelegt!! Die Gitarre hat also in fast 30 Jahren insgesamt nur 3 Besitzer gehabt.....und es ist eine der seltensten Ibanez Kopien, die je gebaut wurden (angeblich sollen weltweit nur ein paar Hundert davon verkauft worden sein...??? Weiß jemand mehr???).

Was ist denn das nun für eine Gitarre, deren Verlust mich viele Jahre so sehr beschäftigt hat??? Nun, wie man unschwer erkennt, eine "lawsuit" Kopie einer 1958er Gibson Explorer aus der Zeit, als Ibanez noch keine eigenen Designs anbot, sondern zum Ärger der Originalhersteller deren Gitarren quasi 1:1 nachgebaut hat. Nur der Body ist nicht wie beim Original aus Korina (Limba), sondern aus Esche - und der Hals nicht aus Mahagoni, sondern aus Ahorn.

Außerdem wurde bei Ibanez der Body in der so genannten "Sandwich-Bauweise" ausgeführt, d.h., der Korpus besteht aus insgesamt 12 Eschebrettchen, die ähnlich wie ein Parkettfußboden zusammengefügt sind (auch zweischichtig übereinander). Gibson hatte dies in den 70ies u.a. auch bei Paulas gemacht - es erhöht insbesondere bei solch großen Gitarren wie einer Explorer extrem die Stabilität - der Sound wird meiner Meinung nach wirklich nicht negativ beeinflusst. Im Gegenteil - diese Gitarre hat einen derartig präsenten Klang, den ich persönlich über den des Originals stelle.... nicht in der Wertung "besser/schlechter" - mir sagt er halt mehr zu.

Jeder weiß, dass ich fast zwanghaft immer an Gitarren herumbauen muß - meist aber in einer Form, dass man den Originalzustand problemlos wiederherstellen kann. So auch hier....

Bereits 1981 baute ich in der Bridgeposition einen EMG Typ 58 (den gibt es heute leider nur noch im EMG Custom Shop - für meinen Geschmack der BESTE Humbucker für die hintere Position, wenn man einen eigenständigen, kräftigen PAF-Sound mit einem Schuß P 90 schätzt...) ein. Nach dem Rückkauf ersetzte ich den noch vorhandenen originalen Ibanez-Halshumbucker (Super 70s) durch einen dreispuligen EMG Typ 89, dieser passt ziemlich gut zu dem bereits vorhandenen 58er.

Das Pickguard wurde "custom-mäßig" aus einer Perloidplatte (vintage creme) angefertigt - das passt optisch viel besser als das ursprünglich dreilagig weiße Pickguard. Außerdem wurde so der Umbau der Elektrik möglich: Der PU-Toggleswitch sollte nämlich von seiner vollkommen unpraktischen Ursprungsposition (im vorderen "Horn" der Gitarre auf dem Pickguard montiert) versetzt werden - und das entstehende Loch im Pickguard sah so klasse nicht aus.....

Der Toggleswitch befindet sich jetzt an der Stelle des mittleren der ursprünglich 3 Potis und lässt sich so viel besser bedienen. Die Potis wurden umgebaut auf ein Mastervolume und ein Mastertone - mehr braucht man nicht. Zusätzlich ist das Tonpoti via Push-/Pull-Funktion gleichzeitig der Umschalter für den EMG 89 in der Halsposition.

Zuguterletzt wurden die schwarzen Humbuckerrahmen aus Plastik durch Edelstahlrahmen aus einer Weinmann Custom ersetzt..... und die Bridge-/Tailpiece-Kombi musste hochwertigeren Komponenten von Schaller weichen.

Fazit: Die Gitarre sieht nun um einiges besser aus (nach meinem Geschmack zumindest....) als vorher, lässt sich fix wieder umrüsten - und ist nicht nur optisch extrem aufgewertet worden.

Wer keine EMGs mag, sollte dennoch einmal diese Gitarre hören können - es würde Horizonte erweitern....einfach tierisch dynamisch (und nicht nur Gain-Gain-Gain, wie man meinen möchte - schon mal mit ner aktiven Explorer gejazzt????).....mittlerweile wird sie allerdings extrem geschont - das Risiko wäre mir einfach ZU GROSS, dass sie mir nach dieser abenteuerlichen Geschichte vielleicht durch einen profanen Unfall für immer abhanden käme....



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