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Instrumente fotografieren

So mancher Guitarmaniac stellt sich hin und wieder die Frage, wie er seine Instrumente möglichst ansehnlich fotografieren kann. Dieser Miniworkshop versucht dabei zu unterstützen. Was hier allerdings keine Erörterung finden kann und wird, ist die Anwendung der Grafikbearbeitungssoftware oder die Grundlagen der Fotografie.


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Was man braucht

Digitalkamera

Zunächst soll man sich von dem Gedanken befreien, dass gute Fotos nur mit einer Super-Duper-Mega-Pixeligen Kamera zu machen seien. Stimmt nicht! Die Les Paul HIER, wurde mit einer Fuji MX 2700 von 1999 geschossen. Ein Gerät, das "nur" über 2,5 Megapixel Auflösung, keinem optischen Zoom und noch dazu über ein ausgeprägt lichtschwaches Objektiv verfügt. Die Les Paul in diesem Workshop wurde mit einer Minolta Dimage 7i (5,2 Megapixel) fotografiert.

Vergleicht man die Ergebnisse, dann fällt der frappante Auflösungsunterschied und die damit einhergehende Verbesserung der Bildqualität tatsächlich nur dann wirklich auf, wenn die Bilder nicht verkleinert werden, also für das Web aufbereitet werden.

Schauen Sie sich mal hier in den Galerien um: Die wenigsten Guitarmaniacs-Nutzer dürften über Profi-Equipment verfügen oder viel Erfahrung in der Fotografie haben und kommen trotzdem oft zu sehr guten Ergebnissen. Lassen Sie sich inspirieren und vor allem registrieren Sie sich und zeigen Sie Ihre Ergebnisse hier auf Guitarmaniacs.de.

Nützliche Kamera-Features

Will man Objekte fotografieren, dann merkt man schnell, dass ein guter Makro-Modus sehr nützlich ist, wenn auch für unseren speziellen Anwendungsfall nicht unbedingt nötig.

Ein ordentlicher optischer Zoom (3-fach, oder so.) ist auch nicht zu verachten, dann braucht man nicht die ganze Zeit auf Knien um das Instrument zu rutschen, sondern kann Detailaufnahmen auch aus einiger Entfernung machen.

Bitte optischen Zoom nicht mit dem vielgepriesenen Digitalzoom verwechseln. Ein Digitalzoom verschlechtert die Bilder, da interpoliert werden muss, d.h. er bläst die vorhandene Bildinformation auf, rechnet Pixel hinzu, um das Bild zu zoomen. Soll eine Kamera angeschafft werden, dann also nur auf die Werte des optischen Zooms achten.

Stativ

Was wirklich wichtig ist, ist ein Stativ! Ohne Stativ kann man die Unternehmung "gutes Foto" schon fast vergessen. Das deshalb, weil ohne Kunstlicht resp. (direkten) Blitz und möglichst mit manueller Belichtungswahl fotografiert werden sollte. Auch unter schlechten Lichtverhältnissen kann man mit Stativ Blenden und Belichtungszeiten wählen, die ohne sonst nur noch zu Verwacklern und unscharfen Bildern führen.

Das Stativ sollte stabil und möglichst variabel sein, also nicht unbedingt das billigste Teil auswählen.

Nichtreflektierende, einfarbige Unterlage

Als geradezu ideal hat sich mein Gibson-Gigbag erwiesen. Es "absorbiert" Blitzlicht und bildet einen recht edlen Bild-Hintergrund. Das Ding benutze ich nicht nur um Instrumente zu fotografieren, sondern praktisch immer, wenn ein Gegenstand abzulichten ist. Gleichwohl tut es da auch anderes, wie etwa ein großes schwarzes Tuch o.ä.

Indirektes Sonnenlicht

Indirektes Sonnenlicht ist deshalb so wichtig, weil man a.) auf ein Blitzgerät verzichten kann, b.) unerwünschte Reflektionen im Lack vermeidet und c.) Farben naturgetreuer abgebildet (z.B. bei Flametops wichtig) werden.

Hat man natürlich ein professionelles Studio und jede Menge starker Leuchten zur Verfügung, dann ist dort Licht und Schatten viel besser zu kontrollieren und die Eichung einer Digitalkamera auf die Farbtemperatur einfacher. Aber, wer hat das schon?

Blitz

Wenn, aus welchen Gründen auch immer, kein natürliches Sonnenlicht zur Verfügung steht und man ein Blitz einsetzen muss, dann sollte man einen mit winkelverstellbaren Reflektor benutzen. Nur mit einem solchen kann man indirekt (gegen die Decke) blitzen und Blitzreflektionen auf dem Lack resp. der Instrumentendecke vermeiden. Man erhält eine gleichmäßige Ausleuchtung und ein weicheres Licht. Der kameraeigene Blitz ist zu vergessen. Mit ihm kann kein vernünftiges Foto entstehen. Dann lieber auf bessere und natürliche Lichtverhältnisse warten und notfalls auf eine grüne Wiese ausweichen.

Optional

Wer über einen Fernauslöser für die Kamera verfügt, der vermeidet Wackler. Gerade bei schlechteren Lichtverhältnissen ohne Blitzlichteinsatz ist die Verwacklungsgefahr hoch. Wer überdies eine Sonnenblende sein eigen nennt, die verhindert, dass seitlich einstrahlendes Licht unerwünschte und im Bild sichtbare Reflektionen auf das Objektiv zaubert, der kann sich richtig glücklich schätzen.

Ein Polarisationsfilter hilft ungemein, unerwünschte Reflektionen zu vermeiden.

Gute Grafikbearbeitungssoftware

Jedes Foto muss bearbeitet werden, sei es auch nur um Bild-Abmaße und Dateigröße zu reduzieren (Vorausgesetzt das Bild soll ins Web und nicht ausgedruckt werden). Eine leistungsstarke Bildbearbeitungssoftware ist z.B. Paint Shop Pro, als Trial-Version unter der Adresse http://www.jasc.com herunterzuladen. Es tut aber auch jede andere Software, mit der man in der Lage ist ein Foto nachzuschärfen, ein Foto im richtigen Seitenverhältnis zu verkleinern ohne JPEG-Artefakte zu produzieren, Bildausschnitte zu erstellen und JPEG-Kompressionsstufen vorgeben zu können.

Gutes Auge

Fast wichtiger als alles andere ist ein gutes Auge und Aufmerksamkeit. Wer durch den Kamera-Sucher guckt (bzw. auf das Display), muss das Bild auf Fehler in der Komposition, Reflektionen, in das Bild hereinragende und störende Gegenstände absuchen, noch bevor auf den Auslöser gedrückt wird. Man kann vieles hinterher in der Bildbearbeitung korrigieren, grobe Patzer allerdings nicht.



Das Shooting

Auswahl des Aufnahmeortes

Der Aufnahmeort muß gut ausgeleuchtet sein. Ich bin diesbezüglich begünstigt. Mein Aufnahmeort ist mein Arbeitszimmer unter dem Dach. Durch das Dachfenster fällt "kanalisiertes Licht", d.h. es ist nur so viel Licht auf dem Boden, wie durch das Dachfenster gelangt. Um den Lichtspot (wobei das ja vielmehr die Beschreibung "Square" als "Spot" verdient) herum, befindet sich natürlicherweise auch jede Menge Schatten - was, richtig eingesetzt, mindestens ebenso wichtig ist wie Licht. Hat man kein Dachfenster zur Verfügung, sondern wohnt im Erdgeschoß, dann kann man versuchen einen Teil des/der Fenster so abzudunkeln (Gardine, Tuch etc.), dass ein ausreichender Lichtspot auf den Boden fällt.

Ein weiterer Vorteil meines Arbeitszimmers ist der, dass man gegen die Dachschräge ganz hervorragend indirekt blitzen kann, was manchmal in Ermangelung adäquater Lichtverhältnisse durchaus notwendig ist.

Bevor man sich anschickt auch nur ein Foto zu schießen, sollte der Aufnahmeort vorbereitet sein (Unterlage, Stativ usw.) und ein Weißabgleich durchgeführt werden. Dazu aktiviert man (am Aufnahmeort) die Weißabgleichfunktion (s. Kamerahandbuch) und fotografiert ein weißes Blatt Papier. Das ist besonders dann ganz wichtig, wenn man mit Blitz arbeiten muß und farbige Wände resp. Decken sein eigen nennt. Das von solchen Wänden reflektierte Licht hat immer einen Farbstich, d.h. es wird kein neutrales Licht auf das Objekt gelangen und die Aufnahme verfälschen, oder besser, regelrecht "verfärben".

Zum Thema Weißabgleich kann man hier fundierte Informationen bekommen: http://www.digitalkamera.de/Tip/11/72.htm



Kameraeinstellungen

Grundsätzlich rate ich dazu, die Kamera auf die manuelle Blenden- und Belichtungswahl umzustellen, d.h. die Automatik zu vergessen. Das hat u.a. den Vorteil, dass man die Tiefenschärfe viel besser kontrollieren kann. Wenn Sie von der Kopfplatte des Instrumentes aus nach unten fotografieren, weiß die Kamera nicht, dass auch der Korpus noch möglichst scharf dargestellt werden soll. Die Automatik fokussiert auf die Bildmitte, also ungefähr auf die Kopfplatte, und der Hals resp. der Korpus wird unscharf. Das lässt sich - je nach Aufnahmewinkel - bis zu einem gewissen Maße natürlich nicht vollends vermeiden, so doch besser kontrollieren, wenn man auf die Automatik verzichtet und die Blende selbst vorgibt.

Zum Thema "Tiefenschärfe" und "Blendenwahl" findet sich hier ein guter Artikel: http://www.digitalkamera.de/Tip/04/35-de.htm

Das Kontrolldisplay bzw. der Sucher einer guten Digital-Kamera sollte das Ergebnis manueller Einstellungen in Echtzeit anzeigen, also gewissermaßen eine realistische Vorschau des zu schiessenden Bildes liefern. So sollten auch diejenigen die manuelle Blenden- und Belichtungswahl nicht scheuen, die sonst nur die Automatik nutzen.

Das Abschalten der Automatik lohnt sich! Man hat viel mehr Einfluß auf Licht und Schatten und erhält stimmungsvollere Ergebnisse.



Objekt- und Kamerapositionierung

Tip 1: Vorausgesetzt ich will den Korpus und nur einen Teil des Halses auf der Aufnahme haben, positioniere ich das Instrument grundsätzlich so, dass der Korpus im "Lichtspot" auf dem Boden liegt und der Hals im Schatten verschwindet. Das ergibt weiche, fließende Übergänge von Licht in den Schatten (oder umgekehrt).

Tip 2: Je nachdem wie lange man benötigt, ist es manchesmal notwendig das Instrument samt Unterlage erneut zu verschieben, da die Sonne wandert (oder besser die Erde dreht sich) und sich der Lichtspot verschiebt. Also immer mal schauen, ob Licht und Schatten noch dort sind, wo man sie haben will.

Tip 3: Wenn das Instrument liegt wie gewünscht, wandert die Kamera um das Instrument. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, daß man selbst oder das Stativ keine Schatten wirft (dazu weiter unten mehr).

Tip 4: Hat man eine Kamera ohne leistungsstarken optischen Zoom, vielleicht sogar nur eine feste Brennweite, muß man fuer Detailaufnahmen sehr nahe an das Objekt heran. Hier ist ein großes Stativ hinderlich und ein Mini-Stativ leistet hier u.U. bessere Dienste.

Tip 5: Ist es zur Anfertigung von Detailbildern notwendig, sich nahe an das Instrument heranzubewegen, dann muß u.U. der Makromodus der Kamera aktiviert werden. Der kameranötige Mindestabstand ist hier zu beachten. Tut man dies nicht und geht zu nahe heran, wird das Bild unscharf. Im Kamerahandbuch steht dazu mehr.

Wie ein Instrument oder die Kamera am besten positioniert werden soll, kann aber letzten Endes nur der kritische und geduldige Blick durch den Sucher der Kamera entscheiden.



Aufnahmewinkel

Nichts ist langweiliger als ein "straight", aus der Frontalperspektive geschossenes Foto. Man sollte, es sei denn man möchte eine Totalaufnahme produzieren, Bilder vermeiden die das Objekt parallel zum Bildrand führen. Das wirkt wenig dynamisch. Illustriert wird das ganz gut von nachfolgenden Abbildungen.

Das linke Foto ist gewiss keine schlechte Aufnahme (wobei hier, wie auch im nebenstehenden Foto, ein Fehler zu sehen ist: "Abgeschnittene Rundungen". Dazu weiter unten mehr), aber das rechte Bild hat mehr Dynamik, wirkt interessanter.

Auch nachstehendem Foto mangelt es an Dynamik.

Dem ist folgendes vorzuziehen:

Mit einem guten Zoomobjektiv und einem Stativ lassen sich - ohne Krabbelei - vielerlei Perspektiven realisieren. Hat man keinen Zoom, sondern eine feste Brennweite (z.B. Besitzer der Fuji MX 2700), muss man in den sauren Apfel beißen und hin und wieder auch auf Knien um das Instrument herumrutschen.

Reizvoll ist auch nur einen Teilbereich des Instrumentes aufzunehmen, zum Beispiel lediglich die Pickups.



Fehleranalyse

Da man aus Fehlern bekanntlich ganz gut lernt, habe ich zur Illustration ein paar typische Fehler gemacht.

Ablagerungen & beschnittenes Objekt

Nebenstehendes Bild scheint gelungen. Die Farben werden natürlich wiedergegeben, die Gitarre wurde aus einem reizvollen Winkel aufgenommen und eine kleine Lichtreflektion auf dem Lack rundet das Bild ab.

Leider erweist sich dieses Foto bei genauerer Betrachtung als nicht ganz so makellos.

Fehler 1: Die Gitarre wurde an der Zarge abgeschnitten, es ist nur die Hälfte der Klinkenbuchse zu sehen. Grundsätzlich sollte man (Korpus)-Rundungen entweder grosszügig beschneiden oder besser gar nicht. Fehlt nur ein bisschen des Rundes, dann wirkt und ist es ein Aufnahmefehler (s. Bilder weiter oben unter "Aufnahmewinkel"). Ein genauer Blick durch den Sucher und dieser Fehler hätte vermieden werden können.

Fehler 2: Oberhalb der (erwünschten) Lichtreflektion findet sich eine matte Stelle. Das sind Schweißablagerungen und kleine Kratzer die durch die Auflage des Armes entstanden sind. Das Licht bricht sich hier. Eine kleine Behandlung mit einem Reiniger hätte hier für Abhilfe gesorgt.



Falsche Ausschnittwahl & Belichtung

Nebenstehendes Foto zeigt erneut zwei Fehler. Ein Fehler lässt sich, wenn auch mit nicht zu unterschätzendem Aufwand korrigieren, der andere nur sehr schwer so, dass man die Korrektur nicht bemerkt.

Fehler 1: Die Farben sind übersättigt, d.h. die Kontrastverhältnisse zu überzogen. Das liegt im wesentlichen daran, dass die Sonne direkt auf die Gitarre knallte, aber mehr noch daran, daß die Belichtungsteuerung nicht den Verhältnissen angeglichen wurde.

Fehler 2: Der rote Rand zeigt wie das Bild aussieht, nachdem man das Foto in der Grafikbearbeitungssoftware beschnitten hat. Überall ist der Fußboden zu sehen. Wäre die Gitarre etwas mehr nach links auf das Gigbag gelegt worden und/oder der Winkel zur Gitarre etwas steiler gewählt worden, wäre der Boden nach der Ausschnittwahl in der Grafiksoftware nicht mehr zu sehen gewesen. Auch hier hätte ein kritischer Blick durch den Sucher genügt und das Problem wäre nicht entstanden.



Blitzgerät Einem guten Bild eher abträglich, ist die Verwendung des kameraeigenen Blitzes. Wenn dann noch frontal draufgehalten wird, ist es egal ob mit dem kameraeigenen oder einem High-End-Aufsatzblitz gearbeitet wurde.....das Bild ist mit Sicherheit unbrauchbar.

Fehler 1: Man sieht, in beiden Fällen wurde das Instrument frontal geblitzt. Die Folge: Unkontrollierbare Reflektionen. Vor allem die Metallteile blinken, dass es (k)eine Freude ist.

Fehler 2: Es hätte ein anderer Aufnahmewinkel gewählt werden sollen, weil das Instrument resp. das Flametop nun eindimensional und flach wirkt. Wenn das Instrument frontal aufgenommen werden soll, dann ist es Pflicht entweder indirekt zu blitzen oder helle und gleichmäßige Studiobeleuchtung zu verwenden. Steht weder ein winkelverstellbarer Aufsatzblitz, noch Studiobeleuchtung zur Verfügung, dann hilft hier wieder einmal nur die gute alte Sonne.



Ungewollte Schatten

Man sollte sich die Aufnahmesituation grundsätzlich einmal aus größerer Distanz ansehen, dann wird man möglicherweise Dinge gewahr, die man durch den Sucher nicht bemerkt: Schatten und zwar nicht solcher der gewollt ist, sondern Schatten, der von herumstehenden Objekten gebildet wird und damit alles andere als erwünscht.

Fehler 1: In dieser Situation steht die Kamera falsch, denn das Stativ wirft einen Schatten auf das Instrument.



FIN

Am Ende dieses kurzen Kurses angelangt, hoffe ich, dass er ein wenig lehrreich war und wenn nicht das, so doch wenigstens kurzweilig. Und wer der Überzeugung ist, es gäbe Wichtigeres als Instrumente zu fotografieren, dem gebe ich Recht. Aber Spaß macht's trotzdem.

In diesem Sinne: Augen auf beim Blick durch den Sucher, gleich registrieren und kostenlos Bilder einstellen!