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Schecter Stratocaster Reverse Neck Eigenbau


Ursprünglich wollte ich mit dieser Vorstellung warten, bis ich 1000 guitarmanische Hits für die einmal meist besuchte meiner hier vorgestellten Gitarren, einer nicht unähnlichen Schecter Stratocaster, erreicht hätte. Ich war weniger als 20 Besuche von dieser stolzen Zahl entfernt, aber die hier präsentierte Schwestergitarre war schon so ungeduldig und heiss auf eine Aufholjagd, dass sie keinen Tag länger warten wollte. Also gab ich nach und holte die Kamera hervor.....

Bevor vor wenigen Jahren die Preise dafür enorm anzogen, hatte ich einige Male das Glück, über ebay gebrauchte Stratocaster-Komponenten, also Bauteile für eine dem Fender-Patent entsprechende, allseits bekannte Gitarre, des US-Herstellers Schecter günstig zu erwerben. Die Teile kamen unter anderem aus dieser Pfandleihe im Westen der USA, die einen one-piece body aus Esche und einen ebensolchen Hals aus Ahorn mit Ahorngriffbrett von augenscheinlich zwei verschiedenen Schecter Gitarren angeboten hatte. Beim Anblick des einteiligen, leicht abgerockten und mindestens ebenso abenteuerlich gemaserten Stücks Esche gab es für mich kein Halten mehr: Her damit, auch weil darauf ein Tremolo mit Feinstimmern montiert war, Werksname Tremlok. Diese Sorte Tremolo wurde von Schecter - wie gesagt damals noch in US-amerikanischer Hand - auf vielen, jedoch nicht allen Stratocaster Modellen ab Werk verbaut. Die Konstruktion ist gleichzeitig so einfach und so gelungen, dass ich bis heute nicht verstehe, das Fender nicht schon längst auf allen seinen Tremolos solche oder ähnliche Feinstimmer anbietet. Warum sollen Floyd Rose, Schaller, und Kahler immer noch die (fast) einzigen Hersteller von feinstimmbaren Tremolos sein? Weltweit arbeiten Geiger und Cellisten doch auch mit Feinstimmern, und das schon seit Generationen!

Aber zurück zur Gitarre: Nicht nur der Hebel fehlte bei diesem Tremolo, sondern auch seine Verankerung. Dumme Sache, das, denn solche Teile waren und sind einzeln nicht leicht zu finden.

Also kam der Body erstmal auf die Wartebank. Aus England kam dann ein einseitig verchromtes und komplett verdrahtetes Schecter Metallschlagbrett mit 3 Schecter Monstertone Pickups, die mit 3 Kippschaltern von 100 auf 50 Prozent Output oder - in der Mittelstellung - ganz ausgeschaltet werden können (In den USA erzielen diese mittlerweile selten gewordenen, weil schon lange nicht mehr hergestellten Teile astronomische Preise; dasselbe gilt für die Monstertone Singlecoils). Die Idee eines getappten und/oder einzeln zuschaltbaren Tonabnehmers hätte Fender ebenfalls längst für die Stratocaster Serienproduktion übernehmen können; stattdessen müssen Stratisten landauf, landab immer noch diese 5-Weg Schalter vor- und zurückruckeln. Wer einmal so eine Schecter Schaltung erlebt hat und danach wieder eine Fender Strat geschaltet hat, weiss, wovon ich spreche.

Das schwergewichtige Pickguard wurde erst mal auf einer meiner Eigenbaustrats mit Mahagoni-Korpus und -hals montiert und solange regelmässig auf der Bühne und im Studio eingesetzt, bis in der deutschen E-Bucht ein Schecter Reverse Hals (trotz Kopfüber-Logo auf der Kopfplatte kein Linkshänderhals, denn die position markers sind für Rechtshänder sichtbar angebracht!) angeboten wurde, der in sechs Tagen Auktionsdauer keinen zweiten Interessenten fand. Für lediglich 25,00 Euronen ging er in meinen Besitz über, inkl. Mechaniken, Klemmsattel und Saitenniederhalter, ein Schnäppchen wie aus einem Märchen!

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Mein Gitarrenbauer/-guru/-freund Peter Hampl (www.mojo-instruments.de) montierte einen leicht veränderten Floyd Rose Hebel an das Tremlok und hatte die gesamte Endmontage der Gitarre in einem Tag fertig, auch weil von Fender lizensierten Schecterteile aus den 1970ern und -80ern sich alle problemlos kombinieren lassen. Die einzige Neuerung ist die Verlegung eines Gurtknopfs an das obere Horn des Korpus, wo fast jeder Strateigner seinen Gurt befestigt. Ein Vorbesitzer dieser Schecter hatte jedoch vorn neben dem oberen Horn eine Buchse für eine Straplock-Vorrichtung versenkt - diese wurde nun entfernt und durch eine in einem Nickelring eingefasste Perle ersetzt. Fotos davon folgen noch.

Viel Spass nun mit den aktuell eingestellten Bildern! Mal schauen, wie lange es dauert, bis dieses wunderschöne und wohltönende Instrument ein- oder zweitausend guitarmanische Hits erreicht hat. Ich sage an dieser Stelle Dankeschön für den Besuch dieser Galerie und für das Feedback meiner Maniac-Kollegen.