Gibson ES 335 Baujahr 1967


Manchmal werden Träume wahr.

Heute wird es unter Umständen etwas unfachmännisch und nicht so auf das technische bezogen. Ich habe das Gefühl ich sollte mich meiner Schwärmerei hingeben.


Heute nix aus Deutschland, auch nix aus Japan. Heute wieder mal etwas original USA. Wie die Kollegen welche mich schon länger kennen wissen, bin ich eher für ältere Instrumente zu haben. Das fing schon früh in meiner Jugend an und hält bis heute. Ich weiß nicht wie viele Gitarren durch meine Hände gegangen sind und wie viele meinen Haushalt wieder verlassen mussten. Ich habe sie nie gezählt. Aber es waren eine ganze Menge. Manchmal waren es Schicksalsschläge, aber nicht selten war ich zu blöd um sie zu halten. Wie dem auch sei.


Es ist sowieso immer alles Veränderungen unterworfen. War ich in meinen Jugendjahren fasziniert von den Klängen von z.b. Jimi Hendrix und seiner Stratocaster, lernte ich vor ein paar Jahren die Vorzüge von Humbuckergitarren, hauptsächlich Les Paul Modelle kennen. Nun, im Moment liegt mein Interesse schon eher bei den dickeren Gitarren wie der ES 335. Nach einigen Fehlkäufen wie das eben immer ist, leistete ich mir irgendwann die erste von der Firma Gibson. Das war keine billige Anschaffung. Noch dazu gab es diese Gitarre in dieser Ausführung in ganz Europa nicht zu kaufen. Also direkt im Land der Harley’s und Chevys bestellt. Sie findet heute bei sehr vielen Studioaufnahmen Verwendung. Überraschender Weise ziehe ich diese Gitarre der Les Paul vor. Da ist irgendetwas im Sound was mich fasziniert. Ah ja, da war ja auch noch eine Zweite, die CRR. Eine Gitarre mit Brachialgewalt was die Pickups angeht.

Beides gute Gitarren und doch hat mir immer was gefehlt. Ich wollte immer eine im typischen Rot. Und sie durfte nicht zu neu sein. 70er, besser noch davor. Naja, wünschen kann man sich viel, aber meistens ist da ja noch etwas. Wie finanziere ich dieses Trauminstrument? Diese Frage stellen sich wohl 90Prozent der Leute welche hier ihre Instrumente hier vorstellen. Bei Gitarren aus Übersee ist neben dem Kaufpreis auch noch Einfuhrsteuer zu bezahlen. Da wird ein eigentlich günstiges Instrument gleich mal richtig teuer. Und wie jeder weiß sind die Preise für Vintage-Instrumente nicht gerade im Keller. Bei gewissen Gitarrentypen steigen sie nahezu ins unbezahlbare. Also was tun? Abwarten, beobachten und noch mal abwarten, beobachten. Das ging schon einige Jahre so.

Dieses mal habe ich einfach den Verkäufer angeschrieben. Ich machte ihm einen Preisvorschlag. Eine halbe Stunde später kam der Gegenvorschlag. Es war ca. die Mitte dessen was ich angab. Nach kompletter Durchrechnung der Gesamtkosten und Kontrolle der finanziellen Möglichkeiten habe ich nun doch zugeschlagen. Nicht einmal eine Woche später war das Baby bei mir. Ich muss sagen ich hatte schon lange nicht mehr solche Glücksgefühle mit einer neuen alten Gitarre. Sie klingt zwar ähnlich den anderen beiden ES 335, aber doch einen entscheidenden Tick anders. Besser, schlechter sei dahin gestellt. Sie hat einfach etwas was ich Seele nenne. Diese Gitarre wurde vor mir schon richtig gespielt und sicher nicht geschont.

Sie ist schon lange nicht mehr komplett original. Die Mechaniken sind von Schaller, die Brücke ist aus einer späteren ES 335, und ich nehme an auch die Pickups sind ausgetauscht. Obwohl es sind original Pickups von Gibson mit der Patentnummer. Der ganze Korpus hat feinste Risse im Lack. Das Bibsby arbeitet einwandfrei. Naja, sagen wir mal zu 90Prozent einwandfrei. Aber wer weiß wie, kann auch mit so einem Tremolo die Stimmung halten. Was mich fasziniert, ist dieser süße und doch kräftige Ton welchen die Gitarre von sich gibt. Ist dieser Ton zwar auch bei der Custom schon vorhanden, ist das bei dieser hier als wenn scharfer Honig den Amp verlassen würde. Ich habe das Gefühl als würde der Ton bei gewissen Lautstärken dickflüssig holzig werden. Ich weiß an und für sich ist das Humbug, aber das kommt am ehesten hin. Zumindest für meine Ohren. Ich denke Leute welche selbst eine zu Hause haben, wissen wovon ich versuche zu schreiben. Es ist der Ton der nicht matschig ist, doch aber mit genügend Bass und zwar brillant, aber eben sehr sehr süß. Einfach faszinierend.

Der Witz ist ja, im ersten Moment klangen beide Gitarren für mich beinahe gleich. Also ich meine jetzt die Custom aus 2004 und diese rote Lady aus 1967. Aber, und jetzt kommt es. Die rote Lady lässt sich aus welchem Grund auch immer viel definierter und feiner spielen. Beide Gitarren sind sehr gut eingestellt. Die Custom hat 100Prozent Bünde und die 1967er vielleicht noch 30Prozent. Also noch einmal abrichten würde nicht mehr gehen. Beide Gitarren lassen sich bis in die höchsten Lagen vorzüglich und ohne Probleme spielen. Und trotz der anfänglich großen Ähnlichkeit sind beide Gitarren im Charakter grundverschieden. Ist bei der neueren alles sehr definiert und klar da, bringt die rote zwar auch definiert und klar, aber eben mit diesem süßen Beigeschmack ihre Töne. Sie reagiert um einiges exakter auf das Gefühl welches ich versuchte zu vermitteln. Sie kann auch ganz böse klingen, aber da ist eben doch immer noch die Wärme dabei welche das neuere Modell (noch) nicht hat. Es sind manchmal nur Nuancen. Doch in der Summe ein ganz anderes Instrument.

Ich denke mal sie wird eines der Instrumente sein welches ich auch noch im hohen Alter haben werde, sofern ich ein hohes Alter erreiche. Mit nur 3,7 kg schmeichelt sie noch dazu meinem Rücken. Das Sustain würde ich nicht als extrem lange bezeichnen. Oder doch? Es ist auf jeden Fall genügend vorhanden um sehr lange Töne auch clean spielen zu können. Auch in geringer Lautstärke. Alle Regler funktionieren einwandfrei. Das Instrument wurde vor der Versendung noch einmal komplett durch gecheckt. Es ist alles in Ordnung mit der Gitarre. Und so wird es auch lange Zeit bleiben. Der Hals ist für mich sehr angenehm bespielbar. Es ist nicht der dünnste. Ich würde sagen er liegt so im guten fetten Mittelfeld. Das Gibson Logo wurde nicht mittig angebracht. Ist mir erst beim fotografieren aufgefallen. Anscheinend haben sich die Mitarbeiter mitte der 60er da nicht so Gedanken darüber gemacht. Die Inlays wie auch das Logo sind kein Plastik, sondern machen auf mich den Eindruck von echtem Perlmutt.

Alles in Allem für mich eine sehr schöne Gitarre mit viel Flair und einem wunderbaren Ton. Es stört mich hier nicht dass nicht alle Teile original sind. Manchmal sollte man die Dinge so nehmen wie sie sind. Und alles wird gut.


Noch ein Nachwort. Ich war ja früher Stratfixiert. Vor 20 oder mehr Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können irgendwann so eine Gitarre zu spielen. Heute könnte ich mir nicht vorstellen so eine Gitarre nicht zu spielen. Ich hoffe ihr versteht was ich damit meine. Strat, Les Paul und diverse andere Modelle werden natürlich auch weiterhin gespielt. Doch es gibt einfach besondere musikalische Momente. Die habe ich in der kurzen Zeit mit dieser Gitarre schon erlebt. Ich bin mir sicher, da kommt noch viel mehr.

Ich habe Euch noch ein paar Videos hoch geladen. Mit darunter sind auch die Settings von Eric Clapton für seine Lieder mit der ES 335. Videos von Gregor Hilden sind auch dabei. Einfach auf den Klang hören. Er spielt manchmal........

In diesem Sinne lasst es krachen. :)