Marshall JVM 410 H + Bogner 2 x 12


Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Spezialisten für Blues und Blues Rock, mit einem einigermaßen vernünftigen Clean-Kanal. Schließlich kann man von Allroundern nicht viel erwarten. Zu viele Amp-Hersteller sind genau daran gescheitert, die eierlegene Wollmichsau zu produzieren. Entweder der Clean-Channel taugt nichts, der High-Gain-Kanal matscht oder die Blues-Zerre ist ein undifferenziertes Gemurmel.

Und so verbachte ich einige Zeit beim Händler. Ich hangelte mich von Amp zu Amp. Diesen JVM ließ ich zunächst unbeachtet, nicht nur weil er 100 Watt hat, sondern auch weil ich einen Combo wollte. Allen Ernstes dachte ich an 1 Watt, eben damit er in die Endstufenverzerrung getrieben werden konnte, ohne dass das Haus einstürzt oder eben ein bisschen mehr und eine Powersoak.

Sodenn. Der Gedanke Powersoak war geboren und ab da erhöhten sich die Wattzahlen. Ein paar Amps weiter dachte ich dann, dass so eine Powersoak ja auch nicht das Gelbe vom Ei wäre und just in diesem Moment kam der Verkäufer rein. Ich erzählte ihm von meinem Dilemma und er führte mich zur Combo-Ausgabe des JVM 410. Der sei ein absolut potenter Allrounder und selbst der Clean-Channel sei absolut fantastisch. Ich rümpfte die Nase. Ein Marshall mit einem vernünftigen Clean-Channel? Das ist etwa so, als würde man behaupten, Axl Rose habe einen vernünftigen Clean-Channel. Und was soll ich mit 100 Watt? Da eine Powersoak dranzuhängen bringt auch nichts. Das Haus wackelt dennoch. Sacht der Verkäufer doch glatt, dass das Ding auch gut klänge bei kleineren Lautstärken. Also gut. Austesten kann man ja mal. Heiland Sack. Jede Menge Regler und Knöppe.

Erst mal Clean antesten und dann in die Tiefen des Panel-Layouts eintauchen. Gitarre dran und los. Sapperlot. Der Clean-Channel ist in der Tat fantastisch. Fast schon fenderesk. Was ist denn das für ein Knopf in der Clean-Channel-Sektion? Aha. Er leuchtet grün. Einmal drücken wird er orange, noch mal wird er rot. Und der Zerrgrad steigt an. Auf rot hatte ich einen wirklich, wirklich netten Bluessound. Dieses Quäkige war da. Clean kanner, Blues kanner. Auf zu Crunch. Auch hier wieder diesen Schalter. Mit derselben Wirkung. Auch hier ist Blues und auf rot dann schon amtlicher Blues-Rock angesagt. Grün geht in Richtung 59er Plexi Lead, während bei Gelb und Rot ganz klar ein JCM 800 rauszuhören ist. OD 1 und OD2 gab es da noch. Hier kommen wir in die soundtechnisch angedickte Hälfte des Panels, will heißen, man kann man sich in High-Gain-Orgien ergehen - erst recht dann, wenn man den Knopp auf rot stellt. Und das Beste ist: Der Sound wird nicht flach und eben matschig-undiffernziert, jede Saite ist klar zu hören.

Rechnen wir mal. 4 Sektionen mal 3 Schaltestellung (grün, orange, rot) ... macht 12 Grundsounds. Und zwar richtig, richtig gute Sounds. Ein fantastischer Allrounder ... ups. Hab ich das gerade gesagt? Ja. Habe ich. Und das meine ich auch.

Was haben wir denn noch? Reverb-Regler für jeden der vier Kanäle. Sehr hübsch. Das klingt so gut, dass man sich ein Pedal sparen kann. Zwei Master-Regler und ein Presence“ und „Resonance«-Regler runden das Ganze ab.

War gar nicht so schwierig da durchzublicken. Das Layout ist logisch und der Amp recht schnell zu beherrschen.

Jetzt mal auf Zimmerlautstärke austesten. Immer noch sehr, sehr gut. Aber ist halt ein Combo. Da wird einfach weniger Luft bewegt.

Also auf zum Head mit 4 x 12er Marshall-Box. Bäm. Das ist doch eine ganz andere Nummer. Und zwar selbst bei Zimmerlautstärke. Satter, voller. Toll. Aber eine 4x12er? Eigentlich zu groß. Ich fragte nach einer 2 x 12er. Und kurzerhand war der Amp an die Bogner angeschlossen. Ich war irritiert. Das Ding ist ja fast so groß wie ein 4 x 12er, aber als die ersten Töne erklangen, wusste ich warum. Geschlossene und große Box gibt Wumms. Aber noch besser war: Die Bogner-Box klang um Längen besser als die Marshall-Box. Noch diffenzierter und etwas mittiger. Habenwill, auch wenn ich natürlich weiß, dass die Box im Laden schon eingespielt ist. Oha. Auf der Rückseite steht Custom-Shop. Wie jetzt? Ein Custom-Shop für Boxen? Mir schwant Übles. Das muss sich dann wohl im Preis ausdrücken. Tat es. Aber das war mir dann schon egal. Der Combo hatte sich erledigt, nicht zuletzt wegen seines Gewichts von 35 Kilo. Dann lieber zwei Mal rennen, dabei aber nicht zusammenbrechen, wenn das Zeug denn mal auf die Bühne soll.

Die Rückseite glänzt ebenfalls mit Anschlüssen.

Ein paralleler Effektweg, der auch seriell arbeitet. Ein Emulated Line Out den man zum Recording oder zum Einspeißen des Signals in ein Mischpult nutzen kann. Das Signal läuft dabei durch eine 4x12 Speakersimulation. Nett. Ein Midi-Anschluss ist an Board, dabei kann er nur MIDI-Daten empfangen, nicht senden. Was sonst? Ein 6,3 mm Klinke für das Fußboard, das gleich mitgeliefert wird. Hört, hört. Abgerundet wird das Ganze mit Lautsprecherausgängen für 4, 8 und 16 Ohm Boxen bzw. Cabinets.

Nach kurzer Zeit war ich so überzeugt von dem Ding, dass alle meine Go’s und No Go’s über den Haufen geworfen waren und ich sowohl den JVM 410 H als auch die Bogner Box in den Kofferaum geladen habe und nun selig grinsend einen richtig, richtig guten Allrounder zu Hause stehen habe. Oh ... ich hab es schon wieder gesagt ...

Wer mehr wissen will, hier geht es zur Bedienungsanleitung:

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Amp

- Leistung: 100 W
- 4 Kanäle in Vollröhrentechnik - keine Halbleiter im Signalweg
- Vorstufenröhren: 5x ECC 83
- Endstufenröhren: 4x EL34
- Eigene Dreiband-Klangregelung sowie Gain & Volume für jeden Kanal
- 12 per Fußschalter oder MIDI direkt anwählbare Grundsounds
- EL34 Endstufe mit Presence und Resonance Regelung
- 2 schalt- und programmierbare Masterlautstärken
- Programmierbarer paralleler Effektweg mit Hardwarebypass
- Digitalreverb mit eigener Regelung für jeden Kanal
- Serieller Insert-Loop mit Hardwarebypass-Schaltung
- Emulated DI Out
- MIDI IN und MIDI THRU
- Maße: 750 x 310 x 215 mm
- Gewicht: 22 kg

Box

- Big Size
- 2x 12 Celestion Vintage 30 Lautsprecher
- Closed Version
- Belastbarkeit: 120 Watt
- Impedanz: 8 Ohm, Mono
- inkl. Rollen