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DeMaio Prototype


Gianpiero DeMaio aus Pescara und ich waren uns nach einigem Hin und Her - er spricht kein Deutsch und ich miserables Italienisch - doch einig geworden: Ich würde seine nach eigenen Angaben selbst entworfene und handgebaute, nunmehr in der Bucht zum Verkauf angebotene E-Gitarre für EUR 210,- erwerben und damit ein wahrhaftes Unikat erhalten, das es auf dieser Welt nur einmal gibt und von mir daher den Namen DeMaio Prototype bekommen hat. So weit, so gut.

Tatsächlich ist dieses Instrument in mehr als nur einer Hinsicht einzigartig. Es ist das Werk eines Amateurs und wird daher unter Umständen immer mehr oder weniger wie eine Baustelle aussehen, denn auch ich bin deren einer, wohl ahnend, ich würde in diesem Fall keine Highend Gitarre mit Showroom-Potential bekommen. Allerdings war das Dingens nach seiner Ankunft in Germania erst mal komplett unspielbar, aus mehreren im Folgenden beschriebenen Gründen.

Erstens war das Griffbrett nicht nur eine Berg- und Talbahn, zwei Bünde, der siebte und der fünfzehnte, waren so falsch gesetzt, dass gleich zweimal ein grösserer Bundabstand in einem höheren Bund vorlag im Vergleich zum nächsttieferen. Verkehrte Welt und ein Albtraum in Sachen Intonation! Das war mir auf den beim Kauf vorliegenden Fotos nicht aufgefallen (siehe dazu das letzte Galeriebild).

Zweitens war die Bridge ca. 1 cm zu kurz im Body verankert, um der 630 mm Mensur zu entsprechen. Albtraum 2.0, siehe oben.

Dazu gesellten sich weitere Problemchen: die Löcher der Mechaniken in der Kopfplatte waren nicht in einer geraden Linie gebohrt, der von Gianpiero als Humbucker bezeichnete Pickup war ein Einspuler mit Hals-Pickupwerten, der hintere Gurtpin mit einbautem Input war durch einen Sturz verbogen und austauschbedürftig. Der als Sattel funtionerende Nullbund mit seinen drei eher rustikal wirkenden Saitenniederhaltern konnte dagegen bleiben.

Peter Hampl von www.mojo-instruments.de und Chris Weißenfels von Rübezahl Pickups halfen mir - jeder auf seine Weise -, aus dieser Not eine Tugend zu machen. Von Chris hatte ich einen Humbuckerprototypen zum Testen bekommen, und der wanderte, nachdem alle oben genannten Mängel in Peters Werkstatt beseitigt worden waren, in diesen Gitarrenprototypen. Dabei musste auch das Tandempoti getauscht werden, der beim Original Volume und Tone auf einer Achse regelte. Ein neuer 500 Kilo-Ohm Poti von Allparts kontrolliert nun einerseits wie bisher die Lautstärke, andereseits das Verhältnis zwischen Humbucker- und Singlecoil-Sound des Tonabnehmers, da er vieradrig ist. Auf ein Tonpoti habe ich verzichtet - was bei mir selten vorkommt.

In dieser hauptsächlich aus Mahagoni-hölzern gefertigten Gitarre macht der Rübezahl Humbucker mit seinen knapp 12 Kilo-Ohm einen sehr guten Eindruck, besonders im Crunch- und Gain-Bereich. Leider muss ich ihn wieder zurückgeben, hoffe aber, ihn doch irgendwann irgendwie bekommen zu können. Ein 4-adriger Ersatz Humbucker liegt allerdings schon bereit...

Viel Vergnügen nun mit den Bildern der Frischzellenkur dieses einzigartigen Instruments. Auch ausserhalb der Massenproduktion und der Boutiquewerkstättenfertigung können faszinierende UND funktionierende Gitarren entstehen!

Update im August 2020:
Tja, da der Rübezahl Humbucker lediglich eine Leihgabe war, zeigen die ersten drei Bilder der Galerie den aktuellen Humbucker, einen chromverkleideten Seymour Duncan SH-11, der manchmal auch den Namen Custom Custom trägt. Wie der sich in dieser Gitarre klanglich macht, muss noch in einem weiteren Update geklärt werden.